China ante portas

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15-03-19 09:15:00,

Die imposante Skyline von Hongkong ist nach den Regeln von Feng Shui gestaltet.

Beat Gerber / 15. Mär 2019 –

Hongkong bietet Globalisierung pur. Ungleichheit, Übertourismus, 5G und Anweisungsdichte werden bald auch die Schweiz beschäftigen.

Good luck! Anfang Februar hat das chinesische Jahr des Schweins begonnen. Der Neujahrstag wurde ausgiebig gefeiert. In Hongkong lockte der Umzug Hunderttausende auf die Strassen, wo sie die bunte Parade begeistert beklatschten. Das Schwein ist klug und bringt Glück, es verspricht Wohlstand und Fortschritt. So sehen es zumindest die Chinesen, die in den zahlreichen Tempeln ihre Götter mit brennenden Räucherstäbchen inbrünstig um Gesundheit und Vermögen (health & wealth) baten, ein erstaunlich abergläubisches Volk.

Hongkong ist seit 1997 eine Sonderverwaltungszone von China und geniesst aus der vorherigen Zeit als britische Kronkolonie (noch) gewisse Vorrechte bei Steuern und politisch-wirtschaftlicher Autonomie (siehe Ergänzung Nr. 1, hinten aufgeführt). Doch der starke Arm von Peking rückt näher, augenfällig etwa bei der Transportinfrastruktur. So wurden im vergangenen Herbst die 55 km lange Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke wie auch eine Schnellbahnverbindung zwischen der chinesischen Hightech-Metropole Shenzhen und Hongkong eröffnet. Die Waren- und Menschenströme aus dem chinesischen Festland sind seither stark angeschwollen.

Übermächtiger Hub für Finanzen und Hightech

Das Gebiet mit elf Grossstädten an der Mündung des Perlflusses ins südchinesische Meer soll zu einem übermächtigen Hub für Finanzen, Technologie und Handel werden, wie kürzlich ein Entwicklungsplan aus Peking darlegte (South China Morning Post, 19/02). Dabei soll Hongkong eine führende Rolle spielen; viele Ansässige sind aber misstrauisch gegenüber dem ehrgeizigen, vollmundig angekündigten Vorhaben (25/02).

Die vibrierende Wirtschaftsmetropole zählt 7,5 Millionen Bewohner und ist extrem dicht bevölkert (6500 Menschen pro km², Schweiz: 215). Die Folgen der Globalisierung sind unübersehbar, so schreitet die Gentrifizierung einzelner Bezirke unaufhaltsam voran. Die Stadt ist eine lärmige Riesenbaustelle. Wohnungen in den zentralen Quartieren sind für Normalverdienende unerschwinglich geworden. In hübsch gelegenen Bezirken wie Kennedy Town oder Stanley kostet ein relativ kleines Apartment (unter 100 m², ohne Meerblick) umgerechnet mehrere Millionen Franken. Auch in der Schweiz ist die Luxussanierung von Quartieren zu beobachten, am eindrücklichsten in Zürich (z.B. Europaallee, Langstrasse und Seefeld).

Ein Fünftel unter der Armutsgrenze

In Hongkong residieren weltweit (relativ gesehen) am meisten USD-Milliardäre (2).

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