Querfront!

querfront!

27-04-20 09:37:00,

Es gibt in Deutschland eine breite Front, wenn es um die Diffamierung der Samstags-Demos auf dem Berliner Rosa-Luxemburg-Platz geht: Der marktorientierte West-Berliner Tagesspiegel weiß von einem „Querfront-Protest vor der Volksbühne“ zu erzählen, die eher sozialdemokratisch orientierte „Berliner Zeitung“ triumphiert in einer Überschrift „Polizei löst Querfront-Demo in Berlin auf“ bis hin zum eher provinziellen „Naumburger Tageblatt“, das sich Sorgen über „rechtsradikale oder anti-kapitalistische Verschwörungs-Erzählungen“ macht, wenn es über „Immer mehr Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen“ berichtet.

Anders als die meisten Verleumder in den Redaktionen bin ich selbst auf dem Rosa-Luxemburg-Platz gewesen. Eine Sondergenehmigung des Polizeipräsidenten hat meine „Aufenthaltsverbotsverfügung“ für den 25. 04. ein schmales Stündchen lang aufgehoben. Das verdanke ich der guten Arbeit meines Rechtsanwaltes. Aber, schreibt der Herr Präsident, die Stunde gilt nur „insofern dies zur Wahrnehmung seiner journalistischen Tätigkeit dient.“ Zu deutsch: Keine Parolen rufen, kein Transparent tragen, keine Sprechchöre unterstützen.

Also habe ich als Journalist jede Menge Leute gefragt, ob sie denn „rechts“ sind. Gestützt wurde die Frage mit Stichworten wie AfD, NPD, Identitär. Wer jetzt einwendet, dass „Rechte“ das nicht zugeben würden, der sei daran erinnert, dass organisierte Rechte durchweg Überzeugungstäter sind, sie würden freudig JA sagen. Die Reaktionen der Befragten schwankten zwischen Empörung und schallendem Gelächter. Selbst die Polizeisprecherin konnte mich, trotz meiner höflichen Bitte, nicht auf die rechte Fährte setzen.

Kein rechtes Transparent war zu sehen, keine Plakate, keine passenden Flyer. Da gab es zum Thema auf Facebook einen 85-jährigen, der forderte doch glatt die „Aufhebung aller Corona-Regeln, weil sie nur die Demokratie einschränken“. Das berichtete „t.online.de“. Ist dieser Mann denn wenigsten rechts? Nein, es ist Dr. Ansgar Klein aus Würselen, ein Urgestein der Friedensbewegung. Der wird dann bei „t.online.de“ schnell und ohne jeden Beweis in die Nähe von Verschwörungstheoretikern gerückt. Abgestempelt, abgehakt, sich nur nicht inhaltlich aufs Thema einlassen.

Sich nicht inhaltlich einlassen: Dass ist der Stream all jener Medien, die keine alternative Meinung zum herrschenden Corona-Kurs ertragen. Dass die Kurs-Bestimmer der Regierung mit der Behauptung, ein privatisiertes Gesundheitswesen sei besser als das staatliche, wissentlich gelogen haben, mindert deren Glaubwürdigkeit anscheinend nicht. Dass es ausgerechnet jene Mehrheitsmedien sind, die zu Zeiten der Kriege im Irak, in Afghanistan oder Libyen nur dreckige Kriegslügen verbreitet haben und heute alle Corona-Botschaften der Regierung stereotyp weitergeben, löst nicht mal bei früher oppositionellen Medien wie Junge Welt oder Neues Deutschland Zweifel aus.

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Auch bei Anne Will „Querfront“ als Diffamierungsmittel

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21-01-19 11:45:00,

In der gestrigen Sendung von Anne Will zum Thema Brexit hat sich Sahra Wagenknecht kritisch über den Zustand der Europäischen Union geäußert. Daraufhin bezeichnete der CDU-Abgeordnete und Atlantiker Röttgen diese Kritik an der Europäischen Union als typisch für das Zusammenspiel zwischen Links und Rechts. Das tat er gleich zweimal. Ich mache darauf aufmerksam, weil hier die Strategie erkennbar wird, die notwendige Kritik am miserablen Zustand der Europäischen Union mit dem Querfront-Vorwurf abzubügeln. Albrecht Müller.

Die Verknüpfung von linker Kritik mit der Kritik von der rechten Seite ist eine inzwischen weit verbreitete Methode der Diffamierung. Bei Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und anderen Vertretern der Linkspartei wird diese Strategie systematisch eingesetzt. Das gilt beispielsweise für Kritik an der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Jeder Versuch der Differenzierung wird mit dem Etikett Querfront versehen und damit diskreditiert. Das fing schon früh an. Und die Front jener, die den Vorwurf Querfront zur Attacke nutzen, reicht von Jutta Ditfurth und Trampert von „Konkret“ bis gestern Abend zu Röttgen.

Die NachDenkSeiten und ich als Autor haben selbst zu spüren bekommen, dass sich auch Öffentlich-rechtliche Sender, konkret der NDR, dieser Manipulationsmethode bedienen. Zur Erinnerung: der Norddeutsche Rundfunk hatte in einer Sendung die angebliche Querfront zu visualisieren versucht: Mein Buch „Meinungsmache“ lag zusammen mit einem Buch von Olaf Henkel auf Hitlers „Mein Kampf“. Und weiter zur Erinnerung: Auch Einrichtungen wie die Otto Brenner Stiftung und ehedem angesehene Journalisten wie Wolfgang Storz bedienen sich dieser Methode.

Diesen Vorgang hat Norbert Häring treffend analysiert: hier und hier.

Zum Thema „Querfront“ und der damit verbundenen „Studie“ der Otto Brenner Stiftung finden Sie auf den NachDenkSeiten zahlreiche Artikel. So z.B.:

Dies sind Quellen aus einer Zeit, als die AfD noch nicht mit großen Wahlerfolgen und guten Umfragen punktete. – Wir machen so ausführlich auf diese Strategie der Bewahrer der neoliberalen Vorherrschaft aufmerksam,

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Rundfunkgebühr, Querfront, Gelb-Westen – Die Diffamierung der „Aufstehen“-Bewegung geht weiter

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08-01-19 01:09:00,

Der verleumderische Umgang mit der neuen politischen Sammlungsbewegung „Aufstehen“ wird aktuell von großen und kleinen Medien auf vielen Ebenen fortgesetzt. Von Tobias Riegel.

Die politisch-mediale Kampagne gegen die neue Sammlungsbewegung „Aufstehen“ wurde auch in den ersten Tagen des neuen Jahres fortgeführt. Dabei werden von einer Koalition aus großen und kleinen Medien sowie Teilen der Politik bewährte Versatzstücke verwendet: „Aufstehen“ sei populistisch, „von oben“ inszeniert und „offen“ für rechte Tendenzen. Zudem sei die Bewegung ohnehin „eingeschlafen“ und komme nicht „vom Fleck“.

Zunächst zur „autoritären Struktur“ der Bewegung: Gerade der aktuelle Vorgang um einen missglückten Flyer zur Rundfunkgebühr, der vom „Spiegel“ und vielen anderen Medien für eine unangemessene Aufregung genutzt wird, zeigt doch, dass „Aufstehen“ eben nicht „von oben“ kontrolliert wird. Denn man kann – entgegen der aktuellen Schlagzeilen von der „Wagenknecht-Bewegung“ – davon ausgehen, dass Sahra Wagenknecht diese Aktion nicht „abgesegnet“ hat, weil eben keineswegs jedes Vorhaben zur Prüfung über den Schreibtisch der Politikerin geht.

Ist Medienkritik „AfD-nah“?

Das betont auch Oskar Lafontaine:

„Wie man sich an fünf Fingern abzählen kann, hatte Sahra Wagenknecht diesen Post weder veranlasst, noch kannte sie ihn.“

Statt dessen habe ein ehrenamtlicher Mitarbeiter aus einer der zahlreichen „Aufstehen“-Gruppen die Initiative ergriffen. Das ist prinzipiell zu begrüßen. Dass sich solche politischen Eigeninitiativen aber nicht immer in für alle Mitstreiter akzeptablen Formen äußern, ist selbstverständlich. Nun kann man aber Wagenknecht nicht einerseits vorwerfen, „ihren Laden nicht im Griff“ zu haben, und andererseits, dass sie diesen „Laden“ diktatorisch anführe.

Die Sprache des Flyers ist wie gesagt missverständlich und sie öffnet leichtfertig eine Flanke der Diffamierung. Das Argument unter anderem der „taz“, die grobe Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei schon allein darum abzulehnen, weil sie eine „AfD-ähnliche“ Sprache nutze, ist aber naiv und falsch. Es ist mittlerweile ein alter Hut: Die Medien geben der AfD mit dieser auch in anderen politischen Bereichen vertretenen Haltung eine große Macht – denn so kann die AfD willkürlich jeden Standpunkt tabuisieren, allein dadurch, dass sie ihn für sich reklamiert.

Durch Kampf gegen „Gelb-Westen“ und „Aufstehen“ wird Rechts gestärkt

Den Aspekt, dass den Rechten durch solch devotes Verhalten die Deutungshoheit überlassen wird, bringt die LINKE-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen in einem anderen Zusammenhang auf den Punkt.

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Querfront der Gefühle

Querfront der Gefühle

09-02-18 09:48:00,

Redaktionelle Vorbemerkung: Wie fern, wie uneinnehmbar wirken die Festungen der Mainstream-Medienlandschaft aus junger Perspektive, wie durchgetaktet ihr redaktioneller Duktus. Gastbeitrag? Vielleicht nach drei Praktika! Doch in einer Demokratie sollten auch wir Jugendlichen ein Mitspracherecht haben. Der Rubikon setzt hierfür einen Grundstein. Unsere Jugendredaktion veröffentlicht daher in ihrer Kolumne „Junge Federn“ beständig Beiträge junger Autorinnen und Autoren, denen thematisch kaum Grenzen gesetzt sind. Wenn dich das anspricht, schreib uns gerne an: jugend@rubikon.news.

Friedensarbeit ist selbst für den sporadischen Friedensdemobesucher weiß Gott kein leichter Job. Wenn es auf den deutschen Straßen gerade nicht zum Bibbern kalt ist, verfügen in jeder deutschen Großstadt die Organisatoren der Friedensdemos über einen liebenswürdigen, aber hoffnungslos untalentierten Friedensmusiker, der in den Pausen zwischen den Redebeiträgen seine kakophonischen Klänge zum Besten gibt und damit den einen oder anderen Demonstranten in die Flucht schlägt. Hinzu kommen die Hosentaschen, die vor lauter Informationsmaterial und kommunistischer Broschüren – welche nie gelesen werden – beinah aus den Nähten platzen, sowie die Schilder und Banner über den Köpfen, die sowohl vom Inhalt wie auch vom Design in den 80ern konserviert wurden und heute genauso aussehen wie damals.

All das, um dann am darauffolgenden Tag resignierend feststellen zu müssen, dass die gesamten Strapazen im Grunde genommen keinerlei Auswirkungen auf das Weltgeschehen hatten.

Nicht selten geschieht es, dass man daraufhin der Straße frustriert den Rücken zuwendet und sich in Büchern und dem Cyberspace verliert. Das Friedensengagement erschöpft sich dann in der bloßen Informationsbeschaffung an dessen Trog das Ego gierig mitfrisst. Sich viele Informationen anzueignen mag durchaus gegen Propaganda immunisieren, aber wirklich geholfen ist damit noch lange keinem. Vielmehr kann man sich nach einer ausführlichen NachdenkSeiten-Lektüre oder einer Ausgabe „Me, Myself and Media“ in Spielfilmlänge dabei ertappen, wie man sich nun in der Rolle eines besonders Aufgeklärten und gut Informierten wähnt. Es ist eine Falle, in die man tappen kann, in der man sich suhlt, wie viel klüger man als „die Anderen“, die „Schlafschafe“, die „naiven Systemlinge“ doch nun sei. Ob nun im realen Leben oder in den Schützengräben der Kommentarspalten entsteht ein Disput, der sich nur noch um eines dreht:

Man kann mit dem Finger auf die NATO deuten, auf die Militärparaden am Roten Platz, doch vergessen wir leider nahezu immer die Kriegstreiber und Provokateure im eigenen Kopf.

Das Ego und der Neid sind zwei uns auf Schritt und Tritt folgende Begleiter,

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