Der sanfte Rausch

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12-03-20 11:50:00,

Das Flow-Phänomen, jenes sagenhafte Glücksgefühl, in das Menschen geraten, die ganz in einer Tätigkeit aufgehen, beschrieb im Jahre 1975 der ungarisch-amerikanische Psychologieprofessor Mihály Csikszentmihályi. Er definierte Flow als einen enorm befriedigenden Zustand, bei dem man sich völlig in eine Beschäftigung vertieft, sich in einem sanft-hypnotischen Rausch wiederfindet, scheinbar alles von alleine geht, sich Zeit und Raum als störende Faktoren verabschieden wie auch Zweifel, Ängste und Selbstbeschränkungen.

Für eine bestimmte Zeit lebt man in einer entrückten Sphäre reiner Freude, befindet sich in einer eigenen Welt, in der Denken, Fühlen und Handeln ineinanderfließen, und alles wie magisch strömt.

Wer dem Flow folgt, ist ganz bei sich und doch selbstvergessen. Die Harmonie dieses Zustands gibt uns eine Ahnung davon, wie sich das Leben im schönsten Falle ereignen könnte.

Wie sich diese Seligkeit erreichen lässt?

„Um in den Zustand des Flows zu gelangen, muss man sich einer Tätigkeit voll hingeben Er schenkt uns Freude am Tun, Hingabe und Euphorie — und man kann ihn erlernen. Ein Hoch auf den Flow, jenen herrlichen Zustand schöpferischer Selbstvergessenheit und ebenso muss die Anforderung unsere volle Konzentration beanspruchen“, so Mihály Csikszentmihályi.

Also nichts da mit Rumsitzen und auf göttliche Eingebung warten!

Zum Flow gehört ein spannendes Wechselspiel, bei dem man es inmitten zielgerichteter Beschäftigung schafft, auf die Spielebene zu flanieren. Man kontrolliert sein Handeln und empfindet es doch als entgrenzt und vogelfrei, was ein wenig an die buddhistischen Paradoxe erinnert.

„Flow“, glaubt Csikszentmihályi, „weist immer auf einen Versuch hin, etwas so gut wie möglich zu machen, aber im Bewusstsein, dass man genau das niemals voll im Griff hat.“

Mag sein, dass genau so innere Freiheit entsteht und die üblichen Kreativitätskiller, also Zweifel, Ängste und perfektionistische Ansprüche, durch Abwesenheit glänzen. Wer in diesen Flow geraten ist, kümmert sich nicht darum, was andere von ihm denken, welche Figur er abgibt und was am Ende als Lohn, Vorteil oder Anerkennung herauskommt.

Man betreibt, endlich, eine Sache nur ihrer selbst wegen. Der Fluss des Tuns befreit einen von seelischen und körperlichen Schwerkräften.

Nur so ist erklärbar, dass manche Menschen mit fast absurder Lässigkeit höchst komplexe Dinge angehen: ein vertracktes Miles-Davis-Saxophonsolo, eine Himalaya-Besteigung oder eine weltmeisterliche Dreiband-Billardpartie. Flow erscheint als inneres Abenteuer, eine Reise in intuitive Leichtigkeit und inspirierende Selbsterfahrung.

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Tagesdosis 11.1.2020 – Die Welt im Rausch von Kriegen, Krisen und Drohkulissen | KenFM.de

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11-01-20 02:19:00,

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Iran, Australien, Dortmund: Die ganze Welt scheint sich im Ausnahmezustand zu befinden. Wie wir medial süchtig nach dem gemacht werden, was uns zutiefst ängstigt. 

Ein Kommentar von Christiane Borowy.

Der Absturz einer Passagiermaschine nahe Teheran vor einigen Tagen soll durch versehentlichen Abschuss durch den Iran erfolgt sein. Der amerikanische Präsident Trump will den nahen Osten in die NATO aufnehmen. In Australien werden Kamele getötet, weil sie zu viel Wasser trinken. Dabei sind ohnehin so viele Tiere gestorben und so viel Umwelt durch Brand zerstört, dass die Auswirkungen auf das Ökosystem nicht abschätzbar sind. Und sogar in Dortmund herrscht Chaos: In der achtgrößten Stadt Deutschlands gibt es am 12. Januar eine Mega-Evakuierung, weil man wohl vier Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden hat. Wir aber machen weiter mit dem, was wir immer tun, doch das geht nicht auf Dauer gut.

Ein ruhiger medialer Jahresbeginn ist eine Illusion. Eine negative Schlagzeile reiht sich an die nächste. Wer über das aktuelle Zeitgeschehen informiert sein möchte, erlebt jeden Tag ein ähnliches Prozedere: Chaos und Instabilität in der Welt, in Deutschland, in meiner Stadt. Mit welchen Folgen?

Die Tagesschau berichtet am Morgen des 10.01.2020, dass sich die Hinweise auf einen Abschuss einer Passagiermaschine nahe Teheran durch den Iran verdichten (1). Da bekomme ich medial schon gleich zum Frühstück die erste Portion Nervenkitzel auf das Müsli gestreut. Hektisch sehe ich nach, ob und wie die Großmacht USA darauf reagiert. Diese hatte den Konflikt mit dem Iran durch den Mord an dem iranischen General Quassem Soleimani, was laut Nahost-Experte Michael Lüders euphemistisch als „Tötung“ bezeichnet wird, überhaupt erst angezettelt. Ich erfahre ebenfalls am frühen Morgen in der Welt: „Trump will Nahen Osten in Nato aufnehmen“. Puh, Glück gehabt, der dritte Weltkrieg kommt wenigstens nicht heute. Was sagen deutsche Politiker und Medien dazu? Sigmar Gabriel beurteilt den Mord als falsch. (2). Immerhin. Der Politikberater Cornelius Adebahr schätzt die Lage immer noch als bedrohlich und den Iran als „nicht zimperlich“ ein, und äußert sich in der Zeit am 09.01.2020 wie folgt: 

„Doch die derzeitige Beruhigung kann den zugrunde liegenden Konflikt nicht beilegen.

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