Das Märchen von der palästinensischen Kompromisslosigkeit

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15-02-20 10:24:00,

Grenze bei Mas’Ha. Bild (2004): Justin McIntosh/ CC BY 2.0

  1. Das Märchen von der palästinensischen Kompromisslosigkeit

  2. Der Mythos vom “großzügigen Angebot” in Camp David


  3. Auf einer Seite lesen

Trumps “Friedensplan” und die Erzählung von den verhandlungsrenitenten Palästinensern, die keinen Staat bekommen, weil sie seit Jahrzehnten auf Maximalpositionen verharren. Ein Kommentar

Trumps “Friedensplan” für den Nahen Osten war nur wenige Stunden alt, da hatten ihn die Palästinenser schon abgelehnt. Einmal mehr lieferte die palästinensische Führung damit den Beleg für ihre eigene Kompromisslosigkeit. Eine Bande Fanatiker, die lieber weiter von der Vision eines judenfreien Palästinas träumt, als zum Wohle des eigenes Volkes Kompromisses einzugehen. Eine machthungrige Clique, die seit Jahrzehnten alles fordert und allein deshalb am Ende nichts bekommt.

So zumindest geht die Erzählung, die Kommentatoren und Spin-Doktoren seit vergangener Woche in die Welt setzen. Doch das Klischee der palästinensischen Verhandlungsrenitenz ist in etwa so wahr, wie Trumps einseitiger Vorschlag, die israelische Besatzung unter neuem Namen fortzusetzen, irgendetwas mit “Frieden” und “Zweistaatenlösung” zu tun hat.

In Wahrheit waren die palästinensischen Führungen der vergangenen Jahrzehnte immer wieder bereit, für Selbstbestimmung und Frieden weitreichende Kompromisse zu machen. Bekommen haben sie beides dennoch bis heute nicht.

Warum Palästinenser den UN-Teilungsplan von 1947 nicht abgelehnt haben

Die Erzählung von der palästinensischen Verhandlungsrenitenz beginnt meist im Jahr 1947. Am 29. November legten die Vereinten Nationen ihren Teilungsplan für Palästina vor. Aus damaliger Sicht hatten die Palästinenser allen Grund, den Plan abzulehnen.

Obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung ausmachten, sollte ihr Staat nur 44 Prozent der Fläche ausmachen. Während dem israelischen Staat fast alle Regionen mit jüdischen Bevölkerungsanteil zugeschlagen wurde, sollte ein Großteil der arabischen Bevölkerung in Israel leben. Über Nacht sollten sich damit Hunderttausende Bewohner des Landes unter einer politischen Führung wiederfinden, die sie nie gewollt und deren Milizen sie seit Jahren bekämpft hatten.

Doch trotz der für Palästinenser sehr ungünstigen Ausrichtung des Teilungsplans: Nicht alle arabischen Akteure der Region lehnten ihn ab. Der Premierminister Jordaniens und spätere Gouverneur über die jordanisch besetzten palästinensischen Gebiete, Hashem Pasha, stimmte dem Teilungsplan ebenso wie der arabische Bürgermeister Jerusalems Ragheb Bey.

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Das Humanitäts-Märchen

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31-08-19 06:43:00,

Die Tagesschau verleiht dem Maas seit Jahr und Tag die Aura des politisch Edelmütigen, betätigt sich beflissen als sein Mikrofonhalter und merkt es anscheinend nicht einmal, wenn sie sich dabei in einem Beitragsmix aus Studiotext und Filmreportage selbst widerlegt. So geschehen im Bericht über aus Syrien heimgeholte deutsche Kinder von IS-Dschihadisten. Macht doch nichts, das merkt ja keiner?

Irrtum. Kritischen Zuschauern — und deren Zahl wächst — ist es sehr wohl aufgefallen. Am 19. August meldete die Tagesschau unter dem Titel

„Bemühungen der Bundesregierung:

Kinder von IS-Anhängern in Syrien übergeben“,

es dürften nun drei Waisenkinder sowie ein weiteres, schwerkrankes Kind endlich heimkehren (2). Es war eine dieser typischen Nachrichten im „Ersten“, zwar faktisch nicht falsch, jedoch dermaßen frisiert, dass es die Urteilsbildung der Zuschauer in die falsche Richtung lenkt. Mit der Schlagzeile „Bemühungen der Bundesregierung …“ wird der Eindruck vermittelt, es sei dem warmherzigen Bestreben und intensiver Anstrengung des Kabinetts zu danken, dass nun wenigstens schon mal einige („arme und wehrlose“) Kinder aus unerträglichen kriegsbedingten Verhältnissen in einem kurdisch-syrischen Gefangenenlager ins vergleichsweise paradiesische Deutschland gerettet würden.

Außenminister Heiko Maas darf die Verzerrung noch verstärken, indem ihn die Tagesschauer kritik- und distanzlos ins hingehaltene Mikrofon säuseln lassen:

„Es ist sehr erfreulich, dass vier deutsche Kinder, die sich bisher in Nordsyrien in Gewahrsam befunden haben, heute das Land verlassen konnten. Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch weitere Kinder Syrien verlassen können“ (ebenda).

Dem schön kolorierten Bild von der guten Tat der deutschen Regierung widerspricht allerdings die zentrale Aussage des Films, der dem Beitrag beigefügt ist. In ungewöhnlich kritischer Tonlage wird darin gesagt, dass die Verhandlungen mit den Kurden „schwierig“ und überhaupt erst auf „Druck der Großeltern aus Deutschland“ vorangekommen seien. Ein weiteres Zitat:

„Der Druck auf die deutsche Regierung steige, weitere Kinder aus Syrien zurückzunehmen“ (ebenda).

Verhandlungen nur aufgrund gerichtlicher Schritte der Angehörigen und ihres „Drucks“: Das klingt allerdings ganz anders als das Märchen von den löblichen Bemühungen der Bundesregierung, weitererzählt von der Hamburger Redaktion ARD-aktuell. Wir betrachten hier, auf Neudeutsch, Fake News, widerlegt in der eigenen Folgeberichterstattung. Das zarte Propagandagewebe hat eine kräftige Laufmasche.

Der Vorgang wirft zunächst die Frage auf, was denn eigentlich so schwierig daran ist,

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„Märchen im Mordfall Lübcke“: Wie ein „Einzeltäter“ gefunden wird

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27-06-19 01:44:00,

Nach dem Geständnis von Stephan E., den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke begangen zu haben, überstürzen sich die Ereignisse. Obwohl zwei weitere Männer festgenommen werden, bleiben die Behörden bei der Einzeltäter-Theorie. „Ich vermute eine Vertuschung“, so Wolf Wetzel, investigativer Journalist, gegenüber Sputnik.

Am Mittwoch gestand Stephan E. überraschend den Mord an Walter Lübcke (CDU). Er habe laut eigener Aussage als „Einzeltäter ohne Mitwisser“ gehandelt. Am Donnerstagvormittag gibt die Bundesanwaltschaft bekannt, es wurden in der Nacht mehrere Objekte durchsucht und Waffen gefunden. Die Aktionen der Ermittler richteten sich nach Medieninformationen gegen zwei Männer, die dem geständigen Täter E. Waffen vermittelt und verkauft haben sollen. E. hatte in seinem Geständnis offengelegt, dass er über zahlreiche Waffen verfüge. Es kam zu zwei weiteren Festnahmen.

„Stephan E. will alleine gehandelt haben“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank im Innenausschuss des Bundestages. Er fügte hinzu, E. habe keine Mitwisser und Mittäter gehabt. Die Bundesanwaltschaft ermittele trotzdem weiter. Nicht ausgeschlossen sei, dass E. Komplizen decke: „Es ist jedenfalls viel zu früh, um sich hier festzulegen.“

Der investigative Journalist und NSU-Experte Wolf Wetzel kommentiert die neuesten Erkenntnisse zum Fall in einem aktuellen Beitrag mit dem Titel „Mordfall Lübcke: Einzeltäter gesucht … und gefunden“, der Sputnik vorliegt. Darin beschreibt der Autor die zahlreichen Wandlungen im Leben des Stephan E.

„2009 reiste E. mit Kameraden nach Dortmund und beteiligte sich an Angriffen auf eine DGB-Demonstration. Danach wurde er Familienvater und lebte ein unauffälliges Leben. 2015 besuchte er als besorgter Bürger und Familienvater eine Veranstaltung, auf der unter anderem der CDU-Regierungspräsident Walter Lübcke den BesucherInnen erklärte, warum man Flüchtlinge aufnehme und warum dies mit christlichen Werten vereinbar sei. Da wurde der Familienvater E. ganz spontan wieder Neonazi. Als er wieder zuhause war, war er wieder ein unauffälliger Familienvater. Das blieb er die folgenden Jahre. Vier Jahre später, um genau zu sein, in der Nacht zum 2. Juni 2019 erinnerte er sich an diese Veranstaltung mit besagtem Regierungspräsidenten.“

Es sei kurz vor dem Lübcke-Mord „zu einer extrem spontanen Radikalisierung“ gekommen, so der Investigativ-Journalist. „Spontan fand er eine Waffe, fuhr los, wusste genau, wo der Regierungspräsident wohnt. So gegen 0.30 Uhr erschoss er den Regierungsdirektor auf seiner Terrasse. Das ist der Stand dieser märchenhaften Entwicklung im Mordfall Lübcke. Man hat nach einem Einzeltäter gesucht,

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Es war einmal … Ein Märchen von Menschenrechten in Deutschland

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12-01-19 01:40:00,

Über kaum ein anderes Thema wurde ein ganzes Jahrzehnt so kontrovers geschrieben, gesprochen, diskutiert und gestritten wie über die Sanktions-Paragraphen für Arbeitslosengeldempfänger. Dabei stehen sich die Gegner der Sanktionen – zumeist aus der Zivilgesellschaft – und Sanktionsbefürworter – in der Regel Vertreter aus Politik und Wirtschaft – unversöhnlich gegenüber. Zeit für klare Worte. Von Lutz Hausstein.

Es war einmal … Die zwölf faulen Knechte

Schon vor sechs Jahren habe ich mich in einem Artikel auf den NachDenkSeiten mit der Frage der Sanktionen sehr detailliert auseinandergesetzt. Darin beschrieb ich die Absurdität einer größeren Anzahl der den Sanktionen zugrunde liegenden „Vergehen“ der Betroffenen und widmete mich im zweiten Teil des Artikels der generellen Rechtmäßigkeit von Sanktionen. Um schlussendlich feststellen zu müssen, dass jegliche Sanktion, unabhängig von ihrer Höhe, verfassungswidrig ist. Aufgrund der Plausibilität dieser Darlegungen befand ich mich in dem folgenschweren Irrtum, dass eine nüchtern-sachliche Beschreibung das aberwitzige Gedankengebäude, auf welches die Logik von Sanktionen aufgebaut ist, zum Einsturz bringen müsse. Mehr als sechs Jahre und Millionen von Sanktionen später bleibt festzuhalten, dass diese Vorstellung trog. Bis zum heutigen Tage ignorieren handelnde Politiker ebenso wie meinungsbildende Medien diese Tatsachen und wiederholen die immer gleichen Phrasen, die sie als Argument deklarieren. Und so erscheint es nunmehr notwendig, mit deutlicheren Worten das menschenverachtende Prinzip der Sanktionen zu illustrieren.

Der am häufigsten gebrauchte Vorwurf, der angeblich die Anwendung von Sanktionen unabdingbar machen würde, lautet: Verweigerung von Arbeit. Nun ist allerdings diese durchaus griffige Behauptung alles andere als wahr, auch wenn sie noch so oft wiederholt wird. Diese Begründung greift nur bei rund 10 Prozent der Sanktionen (übrigens auch noch in der Kombination „Annahme/Fortführung einer Arbeit/Ausbildung/Maßnahme“ – also keineswegs in jedem Fall existenzsichernde, nicht einmal immer sinnvolle Tätigkeiten; diese bilden eher die Minderzahl). Nichtsdestotrotz ist das Schlagwort „Arbeitsverweigerung“ das ständige, häufig sogar das einzig gebrauchte Standardargument. Drei Viertel der Sanktionen werden hingegen wegen sogenannter Meldeversäumnisse verhängt, weitere 9 Prozent wegen Nichterfüllung von Pflichten aus der Eingliederungsvereinbarung. Die Standard-Entgegnung auf diese konkretisierten Fakten lautet in steter Regelmäßigkeit unisono, es sei wohl auch nicht zu viel verlangt, ab und zu einmal einen Gesprächstermin wahrzunehmen. Ob dieses Argument nun greift oder nicht, kann getrost unerörtert bleiben, denn es ist schlicht irrelevant.

Es ist vielmehr die Frage zu stellen, ob diese Gründe nun also dazu führen sollen,

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Das 9/11-Märchen

Das 9/11-Märchen

23-10-18 12:23:00,

Im Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg gegen Mounir El Motassadeq im Jahr 2005 werden seine Freunde, Mohamed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah — mutmaßliche Todespiloten des 11. September 2001 — als strenggläubige Muslime bezeichnet. Diese Bezeichnung läuft wie ein roter Faden durch das ganze Urteil. Im Urteil insgesamt sechzehn Mal behauptet, dass Atta und seine Freunde hofften, als Märtyrer zu sterben, um ins Paradies zu gelangen.

Das Gericht ging davon aus, dass Atta, Alshehhi und Jarrah derart von ihrem Glauben überzeugt waren und gerade wegen dieses Glaubens Angriffe gegen Juden und Amerikaner verüben wollten. Sie würden also religiösen Pflichten gehorchen und während eines solchen Angriffs als Märtyrer sterben, denen das Paradies zusteht.

Auch die 9/11 Untersuchungskommission der US-Regierung ging davon aus, dass 19 mutmaßliche Terroristen die Anschläge des 11. September aus fanatisch-religiöser Überzeugung begangen hätten. Der Abschlussbericht der Kommission enthält das Wort Islam und dessen Varianten wie Islamisten, Islamismus, Muslime mehrere hundert Mal. Der Name Atta kommt nicht weniger als 293 Mal in diesem Abschlussbericht vor. Doch bezüglich der religiösen Überzeugungen von Mohamed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah steht erstaunlicherweise nur ein einziger allgemeiner Satz im Bericht:

„Aus Folge des Einflusses von Zammar oder durch andere Anregungen entschlossen sich Atta, Binalshibh, Shehhi und Jarrah ihre extremistischen Überzeugungen in die Tat umzusetzen. Gegen Ende des Jahres 1999 waren sie bereit, ihr Studentenleben in Deutschland zugunsten des gewalttätigen Jihad aufzugeben. Diese letzte Phase ihrer Entwicklung in Richtung eines umfassenden islamistischen Extremismus blieb von ihrer Umgebung nicht gänzlich unbemerkt.“

Dass Atta, Alshehhi und Jarrah in den USA wie Amerikaner gekleidet waren, ihren Bart abrasiert und Moscheen gemieden hatten — wie mehrmals berichtet — könnte man zwar als Tarnung auslegen. Aber wie steht es mit ihrem angeblichen Drang, sich abends in Bars aufzuhalten, Alkohol zu trinken und sich mit Prostituierten herumzutreiben? So ein Verhalten ist keine Voraussetzung dafür, in der amerikanischen Gesellschaft Fuß zu fassen. Und welchen Reiz sollte Las Vegas, die Stadt der Sünde, auf fanatische Muslime ausüben, wo sie einige Mal hinreisten?

Dass die Kommission dieses un-islamische Verhalten nicht in ihrem Schlussbericht erwähnt, könnte darauf hindeuten, dass solche Informationen die öffentliche Legende über fanatische Islamisten erschüttert hätten. Diese Informationen wurden auch nicht im Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg gegen Mounir El Motassadeq erwähnt, obwohl sie zur Entlastung des Beschuldigten hätten angeführt werden sollen.

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Das Skripal-Märchen

Das Skripal-Märchen

12-10-18 10:11:00,

Wie so oft kommt die Inspiration für einen Artikel meist spontan. Vor einigen Tagen bin ich bei Spiegel Online auf den Artikel mit dem Titel „Fall Skripal – wie Russlands stümperhafte Agenten Wladimir Putin blamieren“ gestoßen. Selbstverständlich habe ich nicht weitergelesen, denn ich habe mir schon vor Jahren abgewöhnt, den Spiegel zu lesen. Dennoch veranlasste mich dieser Titel dazu, ein altes russisches Märchen in meinem Gedächtnis aufzufrischen.

Das Märchen heißt „Brei aus einer Axt“. Darin geht es um einen einfachen Soldaten, der auf seinem Weg nach Hause an der Tür eines Hauses klopft und um eine Mahlzeit bittet. Die alte Frau, die das Haus bewohnt, erweist sich als ziemlich geizig, und so versucht es der Soldat mit einer List.

Er verspricht der Frau, einen Brei einzig und allein aus ihrer Axt zu kochen, wenn sie ihm nur einen großen Topf und heißes Wasser gibt. Als die Axt dann kocht, bittet der Soldat zuerst noch um ein wenig Salz, dann um eine Handvoll Grütze, schließlich um ein Stück Butter. Am Ende löffeln die Beiden den Brei aus, und die alte Frau wundert sich, wie man denn aus einer Axt so etwas Leckeres kochen könne.

Ich weiß nicht, ob in Großbritannien irgendjemand dieses Märchen kennt. Vielleicht gibt es aber auch eine eigene britische Entsprechung dazu. Das Rezept des Breis aus einer Axt ähnelt jedenfalls ziemlich der Kochanleitung für das seit März von der britischen Regierung aufgetischte Gericht Skripal. Einzig die Zutaten des letzteren sind nicht sonderlich frisch.

Man nehme einen abgelaufenen Doppelagenten, eine seit 2010 offiziell nicht mehr verwendete Bezeichnung eines Geheimdienstes (1) – geschenkt, dass die Chefin und die Gäste keine Ahnung haben, aber die Köche sollten es schon wissen –, dazu ein wenig von nichts als Beweis, ganz viel von fehlender Logik und eine nicht näher identifizierbare Soße. Dann das Ganze hochkochen und das Gericht schließlich überall servieren lassen – von Fast Food Joints wie der Sun oder der Bild bis zu selbsternannten Drei-Sterne-Restaurants wie der Times oder eben dem Spiegel.

Gleicher Ursprung, gleiche Verpackung, gleicher Inhalt oder, genau genommen, dessen Abwesenheit – politisch-mediales Franchising in Perfektion, auf das die meist eher desinteressierten Leser genauso reinfallen wie auf etwaige, nachweislich ungesunde Burger und Chicken Wings.

Übrigens, am Ende des russischen Märchens nahm der Soldat die Axt mit.

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Versicherungsmärchen

Versicherungsmärchen

07-07-18 06:43:00,

Landauf, landab wird derzeit behauptet, die Lebensversicherer könnten angesichts des aktuellen Zinsniveaus gar nicht mehr die Zinsen erwirtschaften, die sie ihren Versicherten in den 1990er Jahren versprochen haben. Leichtfertig habe man vor 20 Jahren den Kunden einen Garantiezins von 3,5 oder gar 4,0 Prozent zugesagt, der nun bleischwer auf den Konzernen laste. Das Geschäftsmodell Lebensversicherung sei angesichts der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank bei gleichzeitig hohen Verpflichtungen praktisch am Ende.

Das ist blanker Unfug. Die Lebensversicherer können bislang spielend ihren Verpflichtungen nachkommen. Sie benötigen nach eigenen Angaben eine Nettoverzinsung ihrer Kapitalanlagen in Höhe von 1,9 Prozent, um die zugesagten Garantiezinsen für ihre Kunden zahlen zu können. Diese Hürde übertreffen die Lebensversicherer, und zwar nicht etwa mit Ach und Krach, sondern in beeindruckender Weise: Die Nettoverzinsung im Jahr 2016 lag laut Rubikon-Studie bei 4,36 Prozent.

Auch in den Vorjahren war es nicht viel anders, immer lag die Nettoverzinsung bei deutlich über 4 Prozent. 2015 schafften die Konzerne sogar 4,68 Prozent. Auch damals litten die privaten Sparer schon viele Jahre unter der Nullzinspolitik. Nicht so die Lebensversicherer. Sie haben offenbar ihre Anlagestrategie so verändert, dass ihnen der Niedrigzins praktisch nichts mehr anhaben kann.

Mit dem scheinbar paradoxen Resultat, dass sie für ihre Kapitalanlagen heute wesentlich mehr Einnahmen einstreichen als vor dem Beginn der staatlichen Niedrigzinspolitik. In den vergangenen Jahren waren es stets um die 50 Milliarden Euro jährlich. Bevor die Europäische Zentralbank auf den radikalen Niedrigzins einschwenkte (also vor 2010) lagen die Zins- und Kapitaleinnahmen „nur“ bei rund 40 Milliarden Euro jährlich.

Die Zuteilung der angeblich so belastenden Garantiezinsen an Millionen Altkunden erforderte 22,6 Milliarden Euro im Jahr 2016. Das schafft die Branche völlig problemlos. Sie streicht noch Risiko- und Kostengewinne ein und behält 2016 nach Bedienung sämtlicher Verpflichtungen und Kosten einen Rohüberschuss in traumhafter Höhe: 22,7 Milliarden Euro.

Auch in den drei Vorjahren waren es jeweils mehr als 20 Milliarden Euro. Mehr als vor der Niedrigzinsphase. Die hat den Lebensversicherern also nicht geschadet, sondern offenbar richtig gut getan. Nur ihren Kunden nicht. Der Garantiezins wurde schrittweise gesenkt, die Überschussbeteiligung ist auf Talfahrt und die Beteiligung an den Bewertungsreserven wurde dramatisch gesenkt. Dafür präsentieren die Lebensversicherer eine scheinbar schlüssige Begründung: die anhaltende Niedrigzinsphase.

Auch der Bundesgerichtshof (BGH) hat diese Argumentation erst einmal geschluckt, hat aber Allianz &

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Das Flüchtlings-Märchen

Das Flüchtlings-Märchen

30-06-18 12:24:00,

Die in der Öffentlichkeit wirkmächtigsten Massenmedien, diejenigen in den Händen der Machtelite, sind am Schüren von Ressentiments und beim Verbreiten von Voreingenommenheiten aktiv beteiligt. Hier ein Beispiel aus der Springerpresse:

Bild am Sonntag brachte am 24. Juni 2018 auf den Seiten vier und fünf eine Kopfleiste im Ticker-Stil mit dem Text „+++ … so wird abgewiesen“. Die Seiten sechs und sieben führen diese Gestaltung fort mit „+++ Union verliert +++ Seehofer attackiert weiter“.

Es folgt ein Interview mit dem bayrischen Innenminister, der von Rechtsbrüchen und von einem „Asyltourismus“ spricht. Neonazis greifen solche Stimmungsmache jederzeit auf und argumentieren unter anderem unter Verweis auf die Kriminalitätsstatistik gegen Ausländer. Die NPD Thüringen benutzt zum Beispiel das Wort „Problemimporte“, O-Ton bereits im Jahr 2014:

„Diebstähle, Einbrüche, potentieller Terrorismus, Mord! Das sind die Taten und Gefahren… Am 14. September ist Landtagswahl. Hiernach wird die NPD die einzige Partei im Landtag sein, die das Tabu Ausländerkriminalität ansprechen wird“ (1).

Strategische Kommunikation zielt darauf ab, das Verhalten von Bürgerinnen und Bürgern im Alltag und bei Wahlen zu beeinflussen, indem man in die eigene Zielrichtung wirkende Narrative ständig und in immer wieder anderer Form wiederholt, unabhängig davon, wie valide die Botschaft ist.

Die Gedanken sollen nicht mehr denen gehören, die sie haben, sondern den Menschen werden von den Mächtigen vorgekaute Gedanken infiltriert, sodass sie diese als ihre eigenen wahrnehmen.

Diese Methode gezielter Manipulation der Öffentlichkeit geht unter anderem auf den Neffen von Sigmund Freud, Edward Bernays, zurück. Dieser „interessierte sich für massenpsychologische Erscheinungen und entwickelte in den 20er Jahren das, was heute unter dem Begriff Public Relations bekannt ist“ (2). Der Begriff Massenpsychologie wiederum geht auf Gustave Le Bon und dessen Werk ‚Psychologie der Massen‘ von 1895 zurück (3).

„Die NSDAP der Weimarer Republik war eine Propagandabewegung von Grund auf“, so der Historiker und NS-Experte Peter Longerich im Spiegel am 29. Januar 2008. Hitlers und Goebbels Propagandamethoden profitierten von der damals im Aufschwung befindlichen Wissenschaft, die bis heute als ,strategische Kommunikation‘ in der Ökonomie, Kriegsstrategie und Politik ausgefeilt und gezielt eingesetzt wird, um das Verhalten der Menschen entsprechend eigener Absichten zu ändern.

Die NSDAP schaffte es unter anderem mit dieser Methode, die Haltung der Bevölkerung zu Entrechtung, Deportation und schließlich Ermordung von Millionen von Juden so massiv zu manipulieren,

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Das Nowitschok-Märchen: Skripal-Inszenierung hat einen langen Vorlauf (Teil 2) | KenFM.de

Das Nowitschok-Märchen: Skripal-Inszenierung hat einen langen Vorlauf (Teil 2) | KenFM.de

11-04-18 09:55:00,

Mit der Nowitschok-Inszenierung wird eine Strategie verfolgt, die vor über 20 Jahren in einem ähnlich gelagerten Fall das Ziel hatte, Moskau zu Schaden. Im Unterschied zu heute spielte damals nicht der britische Geheimdienst, sondern der deutsche BND die Hauptrolle.

von Rainer Rupp

Genau wie 1994 im BND-„Hades“-Skandal wurden auch bei der Nowitschok-Farce die Fäden ursprünglich in Washington gezogen. Allerdings gibt es einen Unterschied; Im Nowitschok-Fall schmilzt die Glaubwürdigkeit der britischen Regierung schneller dahin als ein Eis am Stiel in der Sommerhitze. Bei der kriminellen „Hades“-Operation des BND dauerte es etwas länger, neun Monate, bis die skrupellosen Machenschaften des BND und seiner befreundeten US-Verbrecherorganisationen aufgedeckt wurden. Aber der Reihe nach.

Julia und Sergej Skripal wurden am Nachmittag des 4. März bewusstlos aufgefunden. Aus einer Erklärung des US-Außenministeriums vom 27. März geht hervor, dass Washington bereits am 6. März, also nur zwei Tage, nachdem die Skripals auf der Parkbank gefunden worden waren, begonnen hatte, den Vorfall in einer international koordinierte Kampagne als Vorwand zur massiven Provokation gegen Russland zu nutzen. Das alles geschah lange, bevor man überhaupt wissen konnte, ob die Skripals Opfer eines heimtückischen Anschlags oder einer Lebensmittelvergiftung geworden waren. Und erst recht hat die Zeitspanne von zwei Tagen – vom Vorfall bis zum Beginn der US-Kampagne – nicht gereicht, um das angebliche verwendete, mysteriöse Nowitschok-Nervengift zu identifizieren und zudem auch noch die weitaus schwierigeren Arbeiten zur Bestimmung der Herkunft der Substanz zu erledigen*.

Tatsächlich sind laut offizieller Verlautbarung des Chefs des britischen Chemiewaffenlabors in Porton Down mit Stand vom 4. April die einwandfreie Identifizierung und die Herkunftsbestimmung des Gifts immer noch nicht gelungen. Dennoch war für Washington schon am 6. März, fast einen Monat früher, glasklar, dass es die Russen waren. Erst volle sechs Tage später, am 12. März, begann die britische Regierung, ihre Vorwürfe gegen Russland zu erheben.

In einer vorbereiteten Erklärung zum Skripal-Vorfall und über die von den USA koordinierte Ausweisung russischer Diplomaten durch „westliche“ Länder, welche die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert am 27. März in ihrer Pressekonferenz vorlas (!),verriet sie die oben geschilderten zeitlichen Zusammenhänge. Nachfolgend Frau Nauert im O-Ton:

Unser stellvertretender Staatssekretär Sullivan, die stellvertretende Sekretärin Wess Mitchell und viele andere im Gebäude,

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Das Nowitschok-Märchen: Skripal-Inszenierung hat einen langen Vorlauf (Teil 1) | KenFM.de

Das Nowitschok-Märchen: Skripal-Inszenierung hat einen langen Vorlauf (Teil 1) | KenFM.de

09-04-18 09:55:00,

Die britische Nowitschok-Inszenierung ist schlecht einstudiert. Beim Drehbuch wurde gestrudelt, die Dramaturgie stolpert über immer offensichtlichere Widersprüche und einige wichtige Akteure weigern sich, Londons Regieanweisungen Folge zu leisten.

von Rainer Rupp.

Das „Nowitschok“-Märchen, das die britische Regierung der Welt in den letzten Wochen vorgespielt hat, ist weitgehend der britisch-amerikanischen TV-Spionageserie „Strike Back“ („Schlag zurück“), nachempfunden, in dem von den bösartigen Russen geführte, dunkle Mächte mit extrem gefährlichen chemischen Waffen einen geheimen Krieg gegen den guten und edlen Westen führen. Aber damit nicht genug: Die britische Regierungsversion von „Strike Back“ hat auch ein Happy End parat, das Hollywood alle Ehre machen würde. Die beiden Opfer des angeblich „russischen“ Mordanschlags mit dem Nervengift, das laut offiziellen Stellungnahmen Londons in „militärischer Güte“ eingesetzt wurde und das „fünf- bis achtmal tödlicher“ sei als die vergleichbare US-amerikanische VX-Chemiewaffe, sind laut Presseerklärung des Krankenhauses in Salisbury auf dem Weg der Genesung.

Julia Skripal und ihr Vater Sergej sind also während der Osterfeiertage – symbolträchtiger geht es nicht mehr – vom sicheren Tod, für den schon wenige tausendstel Gramm Nowitschok genügt hätten, wieder auferstanden. Ein Wunder? Oder hatten die Briten/Amerikaner längst ein Gegengift entwickelt? Der angeblich so gut wie unbekannte Kampfstoff ist spätestens seit 2007 auch im Westen bekannt, nachdem einer der sowjetischen Mitarbeiter am Nowitschok-Programm, Wil Mirsajanow, ein Buch mit genauen Anleitungen zur dessen Herstellung veröffentlicht hat. Wil Mirsajanow hatte zu der Zeit bereits als ehemaliger sowjetischer Wissenschaftler in den USA Asyl gefunden. Derzeit lebt er in einer mehrere Millionen Dollar teuren Villa in Princeton, New Jersey.

Landete Mirsajanows Rezept in Clintons Giftküche?

Laut Mirsajanows Buch handelt es sich bei Nowitschok um eine ganze Giftgruppe, die chemisch sehr eng mit Insektenvertilgungsmitteln verwandt ist. Die Zutaten sind daher überall problemlos zu beschaffen, aber wegen seiner extremen Giftigkeit könne der Nowitschok nur in teuren und hochsicheren – staatlichen – Labors, die Erfahrungen mit militärischen Nervengiften haben, hergestellt werden. Logischerweise wird dadurch die Gefahr von Missbrauch durch nichtstaatliche Terroristen ausgeschlossen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist ein Hinweis des für gewöhnlich gut informierten Bloggers Bernard auf seiner Moon of Alabama-Webseite, wonach die USA und das Vereinigte Königreich nach der Veröffentlichung von Mirsajanows Buch aktiv die internationale Diskussion über „Nowitschok“ in internationalen Foren,

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