Russland wirft Biden-Regierung Einmischung in Moskau-Proteste vor

26-01-21 08:54:00,

Am 23. Januar ist es laut Medienberichten in 30 russischen Städten zu Protesten zur Unterstützung des festgenommenen Oppositionellen Alexei Nawalny gekommen. In Moskau sollen mindestens 20.000 Menschen auf den Straßen protestiert haben. Die Protestaktionen seien von den Nawalny-Unterstützern erst kurz zuvor bekanntgegeben worden, sodass diese aufgrund der Kurzfristigkeit und Quarantänebedingungen nicht mehr genehmigt werden konnten, hieß es. Bei den Protesten sei es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Es kam zu Verletzungen und Festnahmen.

Kreml-Sprecher Peskow beschuldigt nun die Biden-Regierung, die Marschrouten für die nicht genehmigten Proteste in mindestens zwölf russischen Städten durch die US-Botschaft bekanntgegeben zu haben. Peskow sagte im russischen Staatsfernsehen: „Natürlich sind sie indirekt eine absolute Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten.“

Die US-Botschaft in Russland hatte die Protestrouten auf ihrer Webseite im Vorfeld der Aktionen mit der Begründung veröffentlicht; man habe eine Warnung an US-Bürger in Russland herausgeben wollen: „Angesicht der wahrscheinlich erheblichen Polizeipräsenz und der möglichen Zerstreuung der Demonstranten in andere Bereiche der Städte sollten US-Bürger diese Demonstrationen und alle demonstrationsbezogenen Aktivitäten meiden.“

Das russische Außenministerium kritisierte laut einem Bericht von RT die Veröffentlichung der Protestrouten und bezeichnete diese als „Missachtung diplomatischer Normen und Regeln“. Die Veröffentlichung solch umfassender Daten gehe über die Fürsorge der eigenen Bürger in Russland hinaus und stelle eine „Unterstützung von nicht genehmigten Protesten in russischen Städten“ dar. Die Biden-Regierung habe dadurch „gewalttätige Aktionen ermutigt“, die als friedlicher Protest deklariert gewesen seien.

Biden-Regierung habe Aktionen ermutigt

Die Sprecherin des russischen Außenamts Maria Sacharowa teilte mit, dass sich die US-Diplomaten erklären müssten. Sie wies darauf hin, dass der von der US-Botschaft beschriebene „Marsch auf den Kreml“ wie eine Anleitung ausgesehen habe: „Nicht einmal die Organisatoren hätten solch detaillierte Pläne angekündigt“, so Sacharowa.

Ein Sprecher der Biden-Regierung reagierte auf Twitter: „Wir fordern Russland auf, diejenigen freizulassen, die für die Ausübung ihrer Rechte inhaftiert sind, einschließlich Alexei Nawalny, und seine Vergiftung glaubwürdig zu untersuchen.“ Die Bundesregierung hatte behauptet, Nawalny sei in Russland vergiftet worden. Die Vergiftung sei durch das Militärhospital des Verteidigungsministeriums in Deutschland festgestellt worden. Russland, welches eine Vergiftung Nawalnys mehrfach und vehement dementierte, forderte die Bundesregierung wiederholt auf, gemeinsam an der Aufklärung des Falls zu arbeiten.

Merkel wurde wiederholt aufgefordert, die angeblich vorliegenden Beweise des Militärhospitals zur Verfügung zu stellen,

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Wie in Russland über Navalny und die Demos am Wochenende berichtet wurde – Teil 2 | Anti-Spiegel

25-01-21 03:12:00,

Entgegen dem Eindruck, den die deutschen Medien machen, wird Navalny im russischen Fernsehen keineswegs totgeschwiegen. In der Sendung “Nachrichten der Woche” des russischen Fernsehens wurde so viel über Navalny berichtet, dass ich dazu mehrere Artikel machen muss, weil es sobst zu lang wird.

Da die Frage, wie über Navalny, seine Verhaftung, seinen neuen Film und die Proteste am Wochenende in Russland berichtet wurde, werde ich alle drei Beiträge des russischen Fernsehens, die zusammen weit über eine halbe Stunde dauern, übersetzen. Im ersten Artikel habe ich den Kommentar des russischen Moderators übersetzt, in diesem zweiten der drei Artikel übersetze ich den 20-minütigen Bericht der Sendung über die Demonstrationen, und im dritten Teil einen Beitrag über Navalny selbst.

Vorher noch ein paar Worte zum Verständnis: Navalnys Anhänger sind junge Leute bis ca. 30 oder 35 Jahren, unter den Älteren finden sich kaum Menschen, die ihn unterstützen. Es gab noch nie eine Umfrage, in der Navalny auch nur auf zehn Prozent Unterstützung gekommen wäre. Zu den Demos wurden vor allem Schüler gerufen, das geschah über soziale Netzwerke wie TikTok. Kinder politisch zu instrumentalisieren, indem man sie zum Beispiel zu Demos ruft, ist in Russland eine Straftat. In Russland ist die Meinung weit verbreitet, dass Kinder Kinder sein sollen und dass man sie erst nach der Volljährigkeit in die Politik holen sollte. Das ist weitgehend gesellschaftlicher Konsens und daher waren in Russland viele schockiert, dass auf den Demos – deren Teilnehmerzahlen Russlandweit kaum 20.000 erreicht haben dürfte – so viele Minderjährige waren.

Nun aber zur Übersetzung des Beitrages aus der russischen Nachrichtensendung zu dem Thema. Ich empfehle, sich die Zeit zu nehmen und den Beitrag des russischen Fernsehens zusammen mit meiner Übersetzung anzuschauen, da vieles mit den Bildern, die dazu gezeigt werden, verständlicher wird. Mit meiner Übersetzung sollte der Beitrag auch ohne Russischkenntnisse gut verständlich sein.

Beginn der Übersetzung:

Sobald die Kundgebungen in Wladiwostok begannen, wurde klar, welches Szenario der friedliche Protest verfolgen würde. Hier sehen wir den Angriff auf einen Polizisten. Von hinten wird ihm gegen den Kopf geschlagen. Die klare Taktik besteht darin, die Sicherheitskräfte zu einer Reaktion zu zwingen, damit die Bilder der Festnahmen schöner werden.

Der Angreifer wurde festgenommen. Er ist der Bewohner von Wladiwostok Eldar Suslov. Er ist nicht einmal 30 Jahre alt.

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Wie in Russland über Navalny und die Demos am Wochenende berichtet wurde – Teil 1 | Anti-Spiegel

25-01-21 01:34:00,

Entgegen dem Eindruck, den die deutschen Medien machen, wird Navalny im russischen Fernsehen keineswegs totgeschwiegen. In der Sendung “Nachrichten der Woche” des russischen Fernsehens wurde so viel über Navalny berichtet, dass ich dazu mehrere Artikel machen muss, weil es für einen Artikel viel zu lang wird.

Da die Frage, wie über Navalny, seine Verhaftung, seinen neuen Film und die Proteste am Wochenende in Russland berichtet wurde, werde ich alle drei Beiträge des russischen Fernsehens, die zusammen weit über eine halbe Stunde dauern, übersetzen. In diesem ersten von drei Artikeln übersetze ich den Kommentar des Moderators der Sendung, im zweiten Teil übersetze ich einen 20-minütigen Bericht über die Demonstrationen selbst und im dritten Teil einen Beitrag über Navalnys Vergangenheit.

Vorher noch ein paar Worte zum Verständnis: Navalnys Anhänger sind junge Leute bis ca. 30 oder 35 Jahren, unter den Älteren finden sich kaum Menschen, die ihn unterstützen. Es gab noch nie eine Umfrage, in der Navalny auch nur auf zehn Prozent Unterstützung gekommen wäre. Zu den Demos wurden vor allem Schüler gerufen, das geschah über soziale Netzwerke wie TicToc. Kinder politisch zu instrumentalisieren, indem man sie zum Beispiel zu Demos ruft, ist in Russland eine Straftat. In Russland ist die Meinung weit verbreitet, dass Kinder Kinder sein sollen und dass man sie erst nach der Volljährigkeit in die Politik holen sollte. Das ist weitgehend gesellschaftlicher Konsens und daher waren in Russland viele schockiert, dass auf den Demos – deren Teilnehmerzahl Russlandweit kaum 20.000 erreicht haben dürfte – so viele Minderjährige waren. Dazu werden wir im zweiten Teil über die Demos selbst noch viel sehen.

Nun aber zur Übersetzung des ersten Beitrages aus der russischen Nachrichtensendung zu dem Thema.

Beginn der Übersetzung:

Der 23. Januar war ein ungewöhnlicher Tag in Russland. In verschiedenen Städten – vom Fernen Osten bis Moskau – ignorierten Unterstützer der Unruhen die Warnungen der lokalen Behörden vor dem Verbot von Massenkundgebungen und gingen trotzdem auf die Straße. Einige von ihnen waren eindeutig entschlossen, Gewalt zu provozieren. (Anm. d. Übers.: Es ist für mich amüsant zu sehen, wie die deutschen Medien Russland dafür kritisieren, dass es die Demos wegen Corona nicht erlaubt hat, während in Deutschland die Querdenken-Demos mit der gleichen Begründung verboten werden. Allerdings haben die Navalny-Unterstützer nicht einmal den Versuch gemacht,

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Russland: Kramp-Karrenbauer schafft Fronten

07-12-20 11:10:00,

AKK auf der Münchener Sicherheitskonferenz, 2020. Bild: US-Verteidigungsministerium – 200214-D-AP390-4010/CC BY 2.0

Reaktionen auf den neo-transatlantischen Konfrontationskurs der deutschen Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer macht über konfrontative Statements als deutsche Verteidigungsministerin in Russland wie anderswo von sich reden. Fraglich ist, inwieweit von ihr angestoßene Aktionen gegen eine “klare russische Bedrohung” deutschen Interessen dienen.

Provokation nicht ohne Antwort

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nutzte den November gleich zweifach, um nicht nur die tiefe Verbundenheit Deutschlands mit den USA zum Ausdruck zu bringen, sondern auch für massive Vorwürfe Richtung Russland. Dieses störe mit Aufrüstung die strategische und “potentiell” auch die nukleare Balance in Europa. Es sei eine “klare Bedrohung” der NATO, man müsse ihm aus einer Position der Stärke begegnen. Einer eigenständigen, europäischen Sicherheitspolitik unabhängig von den USA erteilte sie eine Absage.

Die Botschaft kam in Moskau an und war eine Steilvorlage für Erwiderungen der dortigen Regierung und ihrer Staatsmedien. Russland werde niemals ein NATO-Land angreifen, versicherte Außenminister Lawrow und überließ härtere, wenn nicht spöttische Töne seiner dafür zuständigen Außenamtssprecherin Sacharowa. Diese bezeichnete Deutschland als im Sicherheitsheitsbereich völlig abhängig von den USA und fragte, von welcher Stärke hier eine deutsche Verteidigungsministerin überhaupt spreche. Sie besitze wohl kaum die Schlüssel zum Pentagon.

Negatives Echo nicht nur in Regierungskreisen

Soweit handelt es sich noch um den schon fast rituellen deutsch-russischen Schlagabtausch zwischen den Regierungen und den ihnen nahestehenden Medien. Doch AKKs provokative Ansprachen lösten in Russland auch Kritik in Kreisen aus, die sonst eher zu den mäßigenden Kräften in der Auseinandersetzung mit dem Westen gehören, etwa bei regierungsunabhängigen Medien oder außenpolitischen Experten.

So zitiert beispielsweise die Zeitung Nesawisimaja Gaseta in ihrem Bericht über Kramp-Karrenbauers Äußerungen gleich ein ganzes Bündel an russischen Stimmen, die von “politischer Rücksichtslosigkeit” sprechen, Kramp-Karrenbauer mit einer “Grundschülerin” vergleichen, die ihren Mangel an Fachkenntnissen “durch Lautstärke ausgleicht”.

Im Auftrag der Zeitung erinnert Professor Chaikin von der Russischen Humanistischen Universität, dass Russland die deutsche Einheit mit ermöglicht habe und zitiert Bismarcks Aussage, dass ein Präventivkrieg gegen Russland Selbstmord aus Angst vor dem Tod sei. An diesem Vergleich zeigt sich, mit welcher aggressiver Wucht Kramp-Karrenbauers Vorhaltungen in Russland auch weit weg von der Regierung wahrgenommen wurden.

Moskau antwortet einmütig so, wie es von Kramp-Karrenbauer angesprochen wird,

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