STANDPUNKTE • Sabotierte Wirklichkeit: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird | KenFM.de

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20-10-19 11:18:00,

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Ein Standpunkt von Marcus B. Klöckner.

Sagen Medien, was ist? Eindeutig: nein. Der Bruch mit der Wirklichkeit ist im Journalismus längst eine bestimmende Konstante. Immer wieder ist zu beobachten, wie Medien Wirklichkeit ignorieren, verdrehen, frisieren oder gar gleich erfinden. In seinem neuen Buch „Sabotierte Wirklichkeit“ zeigt Marcus B. Klöckner anhand vieler Beispiele auf, wie es aussieht, wenn Medien Scheinwirklichkeiten erzeugen, und verdeutlicht, wie in einem System „freier Medien“ eine spezielle Form von Zensur entsteht. Mit weitreichenden Konsequenzen für unsere Demokratie und uns alle. Ein Auszug:

Die Wachhunde der Demokratie sind zu den Lordsiegelbewahrern unserer Zeit mutiert. Ein Journalismus ist entstanden, der sich wie ein Schutzmantel um die politischen Weichensteller legt. Medien haben den von ihnen erzeugten legitimen öffentlichen Diskursraum so weit verkleinert, dass Stimmen, die sich darin im Sinne einer kritischen Öffentlichkeit zu Wort melden wollen, faktisch nahezu ausgeschaltet sind. Die mentale Korruptheit, die das journalistische Feld durchzieht, stellt eine Gefahr für die Demokratie dar. Eine Berichterstattung erfolgt, die vorgibt zu sagen, was ist, aber dabei unaufhörlich sagt, was sein soll. Ein Journalismus ist entstanden, der die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit je nach Notwendigkeit ignoriert, frisiert, verdreht und mitunter gar einfach selbst erfindet. Medien missbrauchen ihre publizistische Macht, um die von ihnen erzeugte ›richtige‹ Sicht auf die Wirklichkeit vor Irritationen von außen zu schützen. Medien sorgen dafür, dass politische und soziale Realität nicht Teil eines offenen diskursiven Prozesses sind. Stattdessen definieren sie und eine überschaubare Anzahl von ihnen zugewandten Experten Wirklichkeit – die sie dann gemeinsam mit den Entscheidern der Politik als unverhandelbar deklarieren. Für die Kraft von Argumenten, für ausgangsoffene Diskussionen, bietet dieser Journalismus keinen Platz. Die wertvollen Prinzipien der journalistischen Auswahl und Gewichtung von Informationen werden nach Belieben außer Kraft gesetzt und den dominierenden Weltbildern angepasst. Ein Weltbildjournalismus bestimmt in weiten Teilen der Mainstreammedien die Berichterstattung. Zwischen Journalisten und Politikern herrscht weitestgehend ein Nichtangriffspakt – Konflikte, die über ein Scharmützel hinausgehen, finden sich allenfalls auf Nebenschauplätzen. Medien loben wahlweise Merkels »Augenringe des Vertrauens«1 oder stimmen (gemeinsam mit einem Teil der Politiker) in den Chor des ›Uns-geht-es-doch-gut-Liedes‹ ein. 

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Sabotierte Untersuchungen

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20-02-19 08:09:00,

Rubikon: Am heutigen Tag jährt sich das Massaker vom Maidan zum fünften Mal. Bitte fassen Sie den Ablauf der blutigen Ereignisse des 20. Februar 2014 in Kiew knapp zusammen.

Katchanovski: Das Massaker vom Maidan im Februar 2014 begann am frühen Morgen mit der Erschießung von Polizisten und dann auch der Demonstranten durch „Scharfschützen“ vom Musikkonservatorium und vom Hotel Ukraina aus. In beiden Gebäuden befanden sich Maidan-Truppen. Die Schüsse brachen eine Waffenstillstandsvereinbarung, die erst wenige Stunden zuvor Präsident Janukowitsch und die Maidanführern der Opposition unterzeichnet hatten. Die Polizei und die Truppen des Innenministeriums flohen vom Maidan, den sie zwei Tage zuvor umzingelt hatten, nachdem drei von ihnen am Morgen dieses 20. Februar getötet und ein paar Dutzend von den Scharfschützen verwundet worden waren. Einige dieser Schützen wechselten die Stellung und begannen, von einer Barrikade vor der Maidanbühne zu schießen.

Nachdem die Maidan-Demonstranten der Polizei und den internen Truppen folgten, wurden 48 Demonstranten getötet und etwa 150 verletzt. Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass zumindest die absolute Mehrheit von ihnen seitlich und von hinten vom Hotel Ukraina aus und von anderen vom Maidan kontrollierten Gebäuden erschossen wurde.

Eine Spezialeinheit der Berkut – der Anti-Aufstands-Polizei – stoppte kurzzeitig den Vormarsch der Demonstranten vom Maidan, indem sie mit scharfer Munition schoss, um Mitglieder der internen Truppen zu befreien, die sich noch im Oktoberpalast am Maidan befanden, nachdem die Polizei und die internen Truppen schon vom Maidan geflohen waren. Nach der Evakuierung dieser Truppen zog sich die Spezialeinheit der Berkut hinter Barrikaden zurück und schoss weiter. Meine Analyse und verschiedene Beweise legen nahe, dass sie im Allgemeinen Warnschüsse abgaben und auf Maidan-Scharfschützen schossen, die zuvor vom Hotel Ukraina, vom Oktoberpalast und von anderen Gebäuden auf sie und auf die Demonstranten geschossen hatten.

Welche Bedeutung hatte der Massenmord für den folgenden Machtwechsel in der Ukraine?

Das Maidan-Massaker war ein Schlüssel für den gewaltsamen Sturz der Regierung Janukowitsch. Es delegitimierte die Regierung und jegliche Gewaltanwendung durch die Regierungstruppen, weil ukrainische und westliche Medien, die Maidan-Opposition und westliche Regierungen sofort Regierungsscharfschützen beziehungsweise die Berkut-Sondereinheit der Polizei dafür verantwortlich machten, auf Janukowitschs Befehl hin unbewaffnete Maidan-Demonstranten ermordet zu haben. Janukowitsch verlor die Mehrheit im Parlament und unterzeichnete einen Vertrag mit der Maidan-Opposition inklusive Garantien deutscher, polnischer und französischer Außenminister.

Diese Vereinbarung forderte vorgezogene Präsidentschaftswahlen und den Abzug der Regierungstruppen aus der Innenstadt.

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