: Saudi-Arabien und eine Welt, die wieder einmal am Abgrund steht

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19-09-19 02:27:00,

Ob der Angriff wie behauptet stattgefunden haben kann, vermag man vor dem Hintergrund von Erklärungen nicht zu übersehen. Auch die möglichen Folgen sind umfassend. Ein Umstand ist allerdings völlig neu.

Veröffentlicht: 18.09.2019, 20:16

von Willy Wimmer

Ob der Angriff wie behauptet stattgefunden haben kann, vermag man vor dem Hintergrund von Erklärungen nicht zu übersehen. Auch die möglichen Folgen sind umfassend. Ein Umstand ist allerdings völlig neu, und man kann das nur begreifen, wenn man die Umstände kennt, auf die ich in meinem Buch: “Deutschland im Umbruch“ hingewiesen und als die Beweggründe aufgeführt habe, die zur Aufstellung des Kandidaten Trump geführt haben sollen. Das waren drei Elemente, über die in den Vereinigten Staaten bis heute heftig debattiert wird: der mögliche Zusammenbruch der Infrastruktur, der Aufschrei in den amerikanischen Klein und Mittelstädten über die endlose Reihe von Zinksärgen sowie die explosionsartig ansteigende Zahl von antisemitischen Vorfällen. Diese drei Elemente bestehen unverändert fort und der Präsident Trump ist sich vor dem Hintergrund seiner Erklärungen und seines Handelns dieser Umstände sehr bewußt. Man kann davon ausgehen, daß sein ständiges betonen seiner Bindungen an alle seine Wahlversprechen den vorgenannten Umständen geschuldet ist. So sieht in Anbetracht einer geradezu verzweifelten Lage eine Art von „Selbstschutz aus.
 
Wer immer das in Saudi-Arabien herbeigeführt haben sollte, wird diese Dimension vor seinen Augen gehabt haben. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als das Schicksal der Vereinigten Staaten auf des Messers Schneide zu sehen, wenn die durchaus umsichtige Vorgehensweise des Präsidenten Trump von ihm oder anderen amerikanischen Kräften nicht beibehalten werden sollte. Selbst in einer Zeit, in der die Regierungen weltweit dazu übergegangen sind, ihren Bürgern keine Erklärungen mehr zu liefern und sich dieser Verpflichtung durch „mentale Kampfgruppen“ entziehen, die mit dem Begriff „Verschwörungstheorien“ die Bürger niederzuhalten haben, wird das eine oder andere berichtet. Dazu zählt die intensive Reisetätigkeit des noch im Amt befindlichen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu. Nicht nur die Dauerbesuche beim russischen Präsidenten fallen auf. So flog Ministerpräsident Netanjahu vor wenigen Tagen und mitten im Endspurt des alles entscheidenden Wahlkampfes zum britischen Premier Boris Johnson und das für ein Treffen von 45 Minuten Dauer. Das ist nicht nur das Eingeständnis darüber, daß keine Kommunikationsverbindung mehr sicher genannt werden kann. Es ist wie in alten Zeiten, in denen Nachrichten: „Durch Offizier, von Hand zu Hand“ übergeben wurden.

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Saudi-Arabien: Der weltgrößte Waffenkäufer | www.konjunktion.info

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12-03-19 11:44:00,

Soldaten - Bildquelle: Pixabay / Defence-Imagery; Pixabay LisenceSoldaten - Bildquelle: Pixabay / Defence-Imagery; Pixabay Lisence

Soldaten – Bildquelle: Pixabay / Defence-Imagery; Pixabay Lisence

Die meisten Berichte zum Thema Waffenhandel beschäftigen sich mit den größten Herstellern und Verkäuferländern. Mit den USA an der Spitze dieser euphemistisch gerne als Maschinenbau bezeichneten  “Industrie”. Logischerweise kann es jedoch keine Verkäufer ohne Käufer geben – auch auf dem Waffenmarkt nicht.

Der Großteil der Verkäufe landet dabei in den Ländern des Mittleren Ostens, die allein ein Drittel der globalen Waffenproduktion aufkaufen. Der größte Ankäufer von Waffen ist weltweit gesehen das Königreich Saudi-Arabien, dass allein in den letzten fünf Jahren seine Käufe um sagenhafte 192% (!) gesteigert hat.

In einem vom Westen organisierten und gewollten Krieg mit dem Jemen, und immer einen Krieg mit dem Iran im Blick, hat Riad seinen Militärhaushalt Jahr für Jahr nach oben geschraubt. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass Saudi-Arabien das drittteuerste Militär der Welt besitzt – kurz nach den USA und China und noch vor Russland.

Im Gegensatz zu Russland, China und den USA besitzt Riad aber keinen militärisch-industriellen Komplex, der seit Jahrzehnten “gefüttert” werden muss und die Waffen im eigenen Land herstellt. Stattdessen schließen die Saudis massive Waffengeschäfte vornehmlich mit den USA, Großbritannien und Frankreich ab.

Dabei zeigt Saudi-Arabien keine “Ermütungserscheinungen”, was den zukünftigen Aufkauf von Waffen anbelangt. Aufgrund der zahlreichen Kriegsverbrechen der Saudis fordern einige Politiker inzwischen ein Umdenken im Handel mit den Saudis. Zudem gibt Riad jährlich 10% seines Bruttoinlandprodukts für sein Militär aus, was die Wirtschaft auch aufgrund des eingebrochenen Ölpreises schwer belastet.

Quellen:
Saudi Arabia Has Become the World’s Top Arms Buyer
Arms sales to Middle East have increased dramatically, new research shows

Ein Artikel bildet zwangsweise die Meinung eines Einzelnen ab. In Zeiten der Propaganda und Gegenpropaganda ist es daher umso wichtiger sich mit allen Informationen kritisch auseinander zu setzen. Dies gilt auch für die hier aufbereiteten Artikel, die nach besten Wissen und Gewissen verfasst sind. Um die Nachvollziehbarkeit der Informationen zu gewährleisten, werden alle Quellen, die in den Artikeln verwendet werden, am Ende aufgeführt. Es ist jeder eingeladen diese zu besuchen und sich ein eigenes Bild mit anderen Schlussfolgerungen zu machen.

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Waffenexporte nach Saudi-Arabien: Die Rüstungsindustrie droht über die Politik

waffenexporte-nach-saudi-arabien-die-rustungsindustrie-droht-uber-die-politik

23-02-19 02:19:00,

Ilustration: Panzerhaubitze von Rheinmetall. Bild: Gerben van Es/Ministerie van Defensie /CC0

“Dear Heiko”: Der britische Außenminister fordert ein Einlenken seines Amtskollegen. Paris und Berlin arbeiten an einem Abkommen zur deutsch-französische Industriekooperation im Verteidigungsbereich

Wie lange wird die Bundesregierung dem Druck standhalten, den Stopp der Waffenexporte nach Saudi-Arabien aufzugeben? Berlin stehe mit dieser Entscheidung ziemlich alleine da, heißt es in einem aktuellem Bericht des Nachrichtensenders ntv, der zur RTL-Mediengruppe gehört. Dort wird darauf aufmerksam gemacht, dass Frankreich, England und Spanien andere Ansichten haben. In Frankreich und Großbritannien sei man verärgert, zu lesen.

Vergangene Woche sorgte ein Bericht über ein Schreiben des britischen Außenministers Jeremy Hunt an die Bundesregierung von Anfang Februar für Wirbel. Der Spiegel veröffentlichte Auszüge des Schreibens. Es veranschaulicht im Fall UK, wie eng die Beziehungen zwischen Rüstungsindustrie und Regierungen sind.

Mit “Dear Heiko” beginnt der handgeschriebene Brief an den deutschen Außenminister, in dessen Kern sich Forderungen der Rüstungsindustrie regen. Wie immer wenn es um Waffen geht, gehören Angstmachen und Drohungen zum Geschäft:

Ich bin tief besorgt über die Auswirkungen der deutschen Regierungsentscheidung auf die britische und die europäische Rüstungsindustrie und die Konsequenzen für die Fähigkeit Europas, seine Nato-Zusagen zu erfüllen.

Jeremy Hunt, britischer Außenminister

Konkret, so der Spiegel, gehe es um Lieferverträge mit Saudi-Arabien, die Großbritannien infolge des deutschen Exportstopps nicht erfüllen könne. Genannt werden in Verträgen mit dem Königreich vereinbarte Lieferungen von Kampfjets. “Typhoons” und “Tournados” würden deutsche Bauteile benötigen, die wegen des deutschen Embargos nicht geliefert werden.

Konkret warnt Hunt in dem Brief, dass dem britischen Hersteller BAE Systems bereits Schadenersatzforderungen von den Saudis drohten, weil das Unternehmen seine vertraglichen Zusagen an Riad nicht einhalten könnte. 500 weitere Zulieferer der Rüstungsschmiede BAE seien von diesem Risiko ebenso betroffen, so der Außenminister.

Spiegel

Zum größeren Bild der Waffenlieferungen gehört aber auch die enorme Beteilung Großbritanniens an der Kriegsführung Saudi-Arabiens im Jemen. Wie ein Guardian-Artikel von November 2018 sehr anschaulich zeigt, muss die Regierung in London sehr wohl über die leidvollen Konsequenzen ihrer Kriegsgeschäfte, welche die Zivilbevölkerung im Jemen trägt, Bescheid wissen, auch wenn sie diese nicht so sehr herausstellt wie die Sorgen der Rüstungsindustrie.

Als die deutsche Regierung Anfang Dezember 2018 den Stopp deutscher Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien verfügte,

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Wirtschaftsministerium: Saudi-Arabien zweitbester Kunde deutscher Rüstungskonzerne

Wirtschaftsministerium: Saudi-Arabien zweitbester Kunde deutscher Rüstungskonzerne

19-10-18 07:41:00,

Newsticker

19.10.2018 • 07:40 Uhr

Wirtschaftsministerium: Saudi-Arabien zweitbester Kunde deutscher Rüstungskonzerne (Symbolbild)

Trotz der Beteiligung Saudi-Arabiens am Jemen-Krieg war der Wüstenstaat in diesem Jahr bisher der zweitbeste Kunde der deutschen Rüstungsindustrie. Bis zum 30. September erteilte die Bundesregierung Exportgenehmigungen im Wert von 416,4 Millionen Euro für das Königreich, das derzeit wegen des Verschwindens des Journalisten Dschamal Chaschukdschi unter massivem internationalem Druck steht. Nur nach Algerien wurden mit 741,3 Millionen Euro Rüstungslieferungen in größerem Umfang genehmigt.

Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor. Die Zahlen sind nicht nur wegen der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien brisant, sondern auch wegen einer Klausel aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD. Die Sozialdemokraten hatten in den Verhandlungen einen Exportstopp für alle Länder durchgesetzt, die “unmittelbar” am Jemen-Krieg beteiligt sind. Allerdings wurden Ausnahmen für Geschäfte ermöglicht, für die bereits eine Vorgenehmigung erteilt wurde. (dpa)

Mehr zum Thema – Deutschland liefert Rüstungsgüter für 254 Millionen Euro an Saudi-Arabien

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Saudi-Arabien – der Schurkenstaat in unserem Bett – www.NachDenkSeiten.de

Saudi-Arabien – der Schurkenstaat in unserem Bett – www.NachDenkSeiten.de

18-10-18 07:57:00,

18. Oktober 2018 um 8:45 Uhr | Verantwortlich:

Saudi-Arabien – der Schurkenstaat in unserem Bett

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Der wahrscheinliche Mord am saudischen Journalisten und Oppositionellen Jamal Khashoggi lässt nun sogar die deutschen Medien an unseren „netten“ Freunden aus Saudi-Arabien zweifeln. Das ist erstaunlich, da die Affäre Khashoggi bestenfalls die Spitze des Eisbergs einer langen Kette von Verbrechen und Ungeheuerlichkeiten darstellt, die auf das Konto der Golfmonarchie gehen. Saudi-Arabien – eine lupenreine Despotie, die geistig im Mittelalter steckengeblieben ist und um die sich kein Mensch scheren würde, wäre das Land nicht zugleich größter Erdölförderer und damit steinreich. Der Umgang der deutschen Politik mit dem Schurkenstaat stellt dabei ein bis ins Perverse überzogene Praxis der doppelten Standards dar. Kein anderer Staat könnte sich auch nur im Ansatz das erlauben, was Saudi-Arabien sich mittlerweile fast monatlich leistet. Doch die Saudis haben Geld. Viel Geld. Und sie bieten dem Westen auch an, an ihrem Reichtum zu partizipieren. Wer so „nett“ ist, darf offenbar auch das Völkerrecht und die Menschenrechte mit den Füßen treten. Von Jens Berger.

Die Entführung eines Staatschefs

Stellen Sie sich doch einmal folgendes Szenario vor: Das südkoreanische Staatsoberhaupt Moon Jae-in bricht unter ungeklärten Umständen zu einem Blitzbesuch nach Peking auf. Von dort aus wird tags drauf seine schriftliche Abdankung verkündet. In den folgenden vier Wochen hört und sieht man nichts mehr von Moon. Es gelangen jedoch Geheimdienstinformationen an die Öffentlichkeit, dass Moon von der chinesischen Regierung inhaftiert und unter Folter zur Abdankung gezwungen wurde, da den Chinesen Moons freundlicher Umgang mit den USA ein Dorn im Auge ist. Daraufhin reist Japans Premier Abe nach Peking und erreicht eine Freilassung Moons, der zurück im „sicheren“ Seoul seinen Rücktritt zurücknimmt, aber ansonsten wie ein Grab darüber schweigt, was in den letzten vier Wochen geschehen ist. Der internationale Protest wäre sicher groß. China stünde unter Anklage, Deutschlands Politik wäre empört, ARD und ZDF würden mit Brennpunkten und Spezialsendungen nicht geizen.

Wie Sie wahrscheinlich bereits ahnen, hat sich dieses Szenario tatsächlich abgespielt. Nur, dass es in der Realität der libanesischer Premier Saad Hariri war, der im November letzten Jahres unter bis heute nicht völlig aufgeklärten Umständen in der saudischen Hauptstadt Riad von saudischen Sicherheitskräften inhaftiert,

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Macron: “Saudi-Arabien hat Hariri festgehalten”

Macron: “Saudi-Arabien hat Hariri festgehalten”

29-05-18 08:45:00,

Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz mit Begleitung in Washington. Foto: Navy Mass Communication Specialist 1st Class Kathryn E. Holm / CC BY 2.0

Das Außenministerium in Riad dementiert. Dort wünscht man sich, dass Frankreich mit dem Königreich deutlich Front gegen Iran macht. Indessen soll Deutschland wirtschaftliche Nachteile für seine Haltung spüren

Sein Eingreifen im November habe möglicherweise einen Krieg im Libanon verhindert, sagte Macron am vergangenen Freitag dem französischen Fernsehsender BFMTV in einem Interview, das nun für Verstimmungen zwischen Saudi-Arabien und Frankreich sorgt.

Denn Macron äußerte Erstaunliches. Der französische Präsident gab mit einer Bemerkung allen Recht, die im Spätherbst 2017 bei den spektakulären Ereignissen in Saudi-Arabien davon ausgegangen waren, dass der libanesische Premierminister Hariri dort gegen seinen Willen festgehalten würde (Rätsel über den zurückgetretenen libanesischen Premier Hariri). Einige hielten diese Vorstellung für eine typische Verschwörungstheorie.

Hariri hatte seine Abreise aus dem Libanon damals damit begründet, dass er sich dort von der Hizbollah bedroht fühle. In Saudi-Arabien gab er dann einen merkwürdig anmutenden TV-Auftritt, wo er seinen Rücktritt erklärte, wiederum mit Verweis auf die Hizbollah, die im Libanon einen Staat im Staate errichte. Der Rücktritt wurde vom libanesischen Präsidenten Aoun nicht anerkannt. Er wollte, dass Hariri seinen Entschluss ihm gegenüber persönlich im Libanon verkünde.

Es dauerte einige Zeit, bis Hariri, der sowohl die libanesische wie die saudi-arabische Staatsbürgerschaft besitzt, in den Libanon zurückkehrte, währenddessen wurde international gerätselt und darüber spekuliert, welcher Art der Aufenthalt Hariris in Saudi-Arabien war, ob freiwillig oder erzwungen. Er fand zu einer Zeit statt, als der saudische Kronprinz reiche Prinzen und Geschäftsleute im Ritz Hotel in Gewahrsam nehmen ließ – wegen Korruption -, bis sie sich zu sehr hohen Strafzahlungen bereit erklärten.

Macron in die Enge getrieben

Macron erklärte dem Fernsehsender gegenüber ganz eindeutig, “dass ein Premierminister in Saudi-Arabien mehrere Wochen lang festgehalten wurde.” Im November war seine Haltung im Fall Hariri noch sehr viel vorsichtiger, sprich diplomatischer. Er selbst sagte nichts Verbindliches und überließ die Öffentlichkeitsarbeit seinem Außenminister Le Drian, der mitteilte, dass “man denke, dass Hariri frei sei”.

Jetzt gelang es der BFMTV-Journalistin offensichtlich, Macron in die Enge seiner Eitelkeit zu treiben. Denn sie beharrte nachdrücklich auf der Frage,

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Saudi-Arabien straft Deutschland wegen Iran-Deals ab

Saudi-Arabien straft Deutschland wegen Iran-Deals ab

28-05-18 01:54:00,

US-Präsident Donald Trump (r-l), der saudische König Salman und Ägyptens Präsident al-Sisi legen am 21.05.2017 ihre Hände auf einen leuchtenden Globus. (Foto: dpa)

US-Präsident Donald Trump (r-l), der Köni von Saudi-Arabieng Salman und Ägyptens Präsident al-Sisi legen am 21.05.2017 ihre Hände auf einen leuchtenden Globus. (Foto: dpa)

Gernot Heller von Reuters analysiert die neue Ablehnung, die Deutschland in Saudi-Arabien erfährt:

Der deutschen Wirtschaft drohen neben einem massiven Rückschlag im zuletzt florierenden Iran-Geschäft weitere schmerzhafte Geschäftsverluste im Nahen Osten. Seit Monaten beklagen sich Firmen vermehrt darüber, dass saudiarabische Ministerien nicht mehr bei ihnen bestellen. Das kommt auch beim Delegierten der deutschen Wirtschaft in Riad, Oliver Oehms, an. „Im Laufe mehrerer Jahre hat sich auf der saudischen Seite eine gewisse Ernüchterung ob öffentlicher Äußerungen deutscher Partner eingestellt“, zeigte er sich vorsichtig im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. „Wir merken derzeit, dass man der deutschen Wirtschaft kritischer als in der Vergangenheit gegenübersteht. Das schmerzt.“

Die Beunruhigung in der deutschen Wirtschaft ist groß. Von einem Auftragsstopp allerdings, den der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ verhängt haben soll, will man noch nicht sprechen. Doch sollte die wachsende Zurückhaltung Saudi-Arabiens gegenüber deutschen Unternehmen anhalten, stehen für die hiesige Wirtschaft Milliarden Euro auf dem Spiel. Schließlich ist das erzkonservative Land mit seinen rund 33 Millionen Menschen die größte Volkswirtschaft des arabischen Raums. Mit dem Königreich, das sich einen Machtkampf mit seinem Erzfeind Iran um die Vorherrschaft in der Region liefert, wickelten die rund 800 deutschen Firmen im vergangenen Jahr Handelsgeschäfte im Umfang von rund siebeneinhalb Milliarden Euro ab.

Mit dem Handel und den politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien geht es seit längerem abwärts. Die Verärgerung in Riad gegenüber Deutschland hat sich Insidern zufolge über Jahre aufgebaut. Dafür gibt es mehrere Gründe, wie das Bemühen der Bundesregierung um ein entspannteres Verhältnis zum Iran. Auf Kritik stößt in Riad vor allem das Festhalten Deutschlands am Atomabkommen mit der Islamischen Republik, obwohl die USA ausgestiegen sind und auch deutschen Firmen mit Sanktionen drohen, wenn sie weiter Geschäfte mit dem Iran betreiben. Zudem hat Deutschland Vorbehalte gegenüber dem militärischen Eingreifen Saudi-Arabiens im Jemen, wo sich das Königreich einen Stellvertreterkrieg mit dem Iran liefert. Nach Druck im Inland stoppte die Bundesregierung in Januar Rüstungsexporte an alle am Jemen-Krieg beteiligte Länder – also auch an Saudi-Arabien.

Dem steht gegenüber, dass das Königreich wegen seines Ölreichtums, der immensen finanziellen Ressourcen und seiner vergleichsweise großen Bevölkerung als ein absoluter Perspektivmarkt für die deutsche Wirtschaft galt und gilt.

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Absolutistisches Saudi-Arabien: Viel schlechter als sein Ruf

Absolutistisches Saudi-Arabien: Viel schlechter als sein Ruf

23-05-18 09:42:00,

Frauen-Aktivistin Loujain al-Hathloul, Screenshot Video/YouTube

  1. Absolutistisches Saudi-Arabien: Viel schlechter als sein Ruf

  2. “Nur der Regierung ist die Freiheit gestattet, sich die saudische Gesellschaft neu vorzustellen”


  3. Auf einer Seite lesen

Nur der Kronprinz bestimmt, wie die Gesellschaft auszusehen hat. Kritiker sind “Extremisten und Verräter”. Für den Westen gehört das Land zu den “Guten”

Medien folgen politischen Vorgaben. Wer die momentane Nachrichtenlage in der westlichen Hemisphäre verfolgt, gewinnt angesichts der insistierenden Schilderung Irans als Sponsor des internationalen Terrors und große Bedrohung für den regionalen Frieden den Eindruck, dass es sich bei den Gegenspielern des “iranischen Regimes” nur um hauptsächlich “gute Nationen” handeln kann.

Diese werden in der Medienwahrnehmung regiert von zumindest gut Gesinnten, solchen, die vielleicht noch ein bisschen brauchen mit ihren demokratischen Fortschritten, die aber doch prinzipiell den Anschluss suchen an die freie westliche Welt und deren Werte. Wie zum Beispiel Saudi-Arabien, wo derzeit mehrere Frauen und Männer ohne Zugang zu Anwälten in Polizeigewahrsam sind, weil sie für Frauenrechte eintreten.

Das Land sei “viel besser als sein Ruf”, stellte die Tagesschau im Mai letzten Jahres fest. Der Beitrag ist mittlerweile nicht mehr ohne weiteres online zu finden, die Hoffnung, die darin zum Ausdruck kam, ist noch präsent.

Alle Hoffnung auf den “Reformer”

Die Hoffnung lautet, dass in Saudi-Arabien jetzt einiges an Reformen in Bewegung kommt und das Land auf einem guten Weg ist, wofür sich der ARD-Experte Carsten Kühntopp als engagierter Autor zeigt: “Kronprinz Mohammed bin Salman will Reformen, die auch die Religion betreffen und vor allem die Situation der Frauen verbessern sollen. Im US-Fernsehen sagte er jetzt ‘Extremisten’ den Kampf an”, äußerte Saudi-Arabien-ist-besser-als-sein-Ruf-Autor Kühntopp Ende März im Deutschlandfunk:

Viele Saudis reiben sich verwundert die Augen: Über Jahrzehnte wurden sie von gebrechlichen alten Männern regiert – jetzt krempelt ein 32-Jähriger ihr Land um. Von seinem Vater, dem König, hat Mohammed bin Salman, der Kronprinz, die Lizenz dazu bekommen. Er hat Reformen angestoßen, die die saudische Gesellschaft in den kommenden 10, 20 Jahren tiefgreifend verändern könnten.

Deutschlandfunk

Immerhin unterlässt der ARD-Korrespondent in Kairo die Festlegung,

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