Schattenbanken wachsen den Aufsichtsbehörden über den Kopf

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05-08-19 09:08:00,

Schattenbanken weichen den Regulierungen aus und bilden eine kaum kontrollierte Blase © bi

Urs P. Gasche / 05. Aug 2019 –

Nicht nur Erderwärmung und Migration bedrohen die Weltwirtschaft. Noch rascher drohen Schattenbanken einen Finanzcrash auszulösen.

Um einen gefährlichen Finanzcrash zu verhindern, wurden Grossbanken reguliert. Allerdings noch viel zu wenig: Noch immer profitieren Grossbanken und grosse Versicherungskonzerne von einer unausgesprochenen Staatsgarantie. In einer Krise kämen erneut die Steuerzahlenden zur Kasse. Trotzdem sollen in den USA die Vorschriften für Eigenkapital und Liquidität bereits wieder gelockert werden.

Parallel zu diesen unzulänglichen Regulierungsbemühungen* machen sich weitgehend unregulierte Schattenbanken breit, die das ganze Finanzsystem zum Krachen bringen können. Schon vor anderthalb Jahren liefen rund ein Viertel aller weltweiten Finanztransaktionen über Schattenbanken. Die Verschiebung von Risiken in die Schattenbanken sei «die grösste Gefahr für die Finanzstabilität», hatte Goldman-Sachs-Vizepräsident Gary Cohn gewarnt.

Neustens warnt auch der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) vor Gefahren der Schattenbanken. Sie könnten eine Kettenreaktion der Insolvenz auslösen, was für Millionen unbeteiligter Menschen den Verlust von Arbeitsplatz und Wohlstand bedeuten würde.

Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck beschreibt in seinem «Morning Briefing», dass sich Schattenbanken wie Banken verhalten, aber warum sie keine sind:

  • weil sie keiner Bankenregulierung unterliegen;
  • weil sie keinen Zugang zu den Geldern der Zentralbanken besitzen;
  • weil sie nicht Teil der Einlagensicherung sind und es damit für das hier angelegte Geld keine Sicherung gegen einen Crash gibt.

Schattenbanken wachsen schneller als Grossbanken

Zum Bereich der Schattenbanken zählen Hedgefonds, aber auch die Investitionsgesellschaften der Superreichen, die allesamt versuchen, durch erhöhtes Risiko dem Fluch der Nullzinspolitik zu entkommen. Der Befund des ESRB ist eindeutig:

Das Vermögen der Schattenbanken wächst schneller als das der normalen Banken: Zwischen 2009 und 2017 stiegen die Vermögenswerte traditioneller Geldhäuser um 40 Prozent auf 147,6 Billionen US-Dollar, die der Schattenbanken um 70 Prozent auf 51,6 Billionen US-Dollar.

Das verwaltete Vermögen sogenannter Private-Debt-Fonds (gut verzinste Kredite an Unternehmen, die wegen zu hoher Verschuldung keine klassischen Darlehen erhalten können),

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