Die Sehnsucht nach Leben

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23-05-19 06:37:00,

Das, liebe Leserinnen und Leser, sind nur einige wenige Sekunden aus dem Leben eines Kindes, das über eineinhalb Jahrzehnte kaum etwas anderes als Vernachlässigung, seelische Grausamkeit und emotionale Gewalt erlebte, niemals sicher, wirklich gebunden oder in seinem So-Sein bestätigt worden ist.

Großgezogen von einer Mutter, die jederzeit und von einer Sekunde zur anderen zu einem Monster werden konnte, das vor Hass überlief, ihn bedrohte, ihn vernichten wollte und ihm in diesen Momenten jede Lebensberechtigung absprach.

Egal, was er tat: Erreichen konnte er sie nie. Egal, wie sehr er sich auch bemühte und um ihre Liebe rang: niemals wurde es sicher. Das Leben bestand aus einer endlosen Wiederholung der bedrohlichen Gewissheit: „Der Mensch, den ich liebe und den ich so dringend brauche, tötet mich jetzt. Tötet mich, wenn ich auch nur andeutungsweise meiner Bedürftigkeit, Haltlosigkeit, Sehnsucht oder Not Ausdruck verleihe. Ich darf nicht sein, was ich bin“.

„Der Schlimmste waren nicht die Vernachlässigung, der emotionale Missbrauch und die alltägliche Grausamkeit“, sollte er später sagen. „Das Schlimmste war, dass sie mich nie geliebt haben.“

Der Junge sollte ein brüchiges, aber sehr intensives und bewegtes Leben führen. Immer wieder zurückgeworfen von schweren Schicksalsschlägen sowie beständig wiederkehrenden und immer schwerer werdenden Depressionen.

Der Junge sollte auf der Suche nach sich selbst und den verlorenen Teilen seiner Seele Antworten bei Rainer-Maria Rilke, Erich Fromm, Arno Gruen und Erich Fried finden. Und er würde es mit Marianne Williamson halten, die einmal sinngemäß schrieb:

„Eine Wahl haben wir immer in unserem Leben: Zumindest anderen das zu geben, was wir selbst niemals hatten — und hierdurch unser Schicksal und Leiden zu transzendieren.“

Der Junge engagierte sich politisch, schrieb Gedichte, Artikel und Bücher und hatte, obwohl Arbeiterkind und „bildungsfern“, zunehmend Erfolg. Dennoch fiel ihm das Leben immer schwerer und schwerer, und war von Jahr zu Jahr immer weniger bewältigbar.

Und eines Tages, da war er Ende Dreißig, stellte er fest, dass er seit vielen Jahren nicht mehr hatte Lachen oder Weinen können, ihn nichts mehr wirklich berührte. Was er auch tat, kein wirkliches Gefühl erreichte mehr sein Herz. Er war „innerlich gestorben“ und hatte es gar nicht bemerkt.

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Fado – von der Sucht nach Sehnsucht | KenFM.de

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11-12-18 08:09:00,

von Dirk C. Fleck.

Ich halte es für dringend notwendig, uns gegenseitig wieder mehr Geschichten zu erzählen. Schließlich gibt es noch ein Leben außerhalb des geopolitischen Ränkespiels, dem die alternativen Medien so gerne analytisch auf den Grund gehen, obwohl es unsere Seelen immer mehr zu vergiften droht. Dabei braucht es über den riesigen Misthaufen, den das Giersystem  permanent produziert, weder weitere Informationen noch Aufklärung – wir wissen doch seit Jahrhunderten, nach welchen Gesetzen das menschen- und naturverachtende System funktioniert. Also lasst euch von meinem Besuch am Tejo berichten, dort wo noch wahre Sehnsucht blüht …

Das Publikum im Theater des Casinos von Estoril war gekleidet wie auf dem Wochenmarkt. Und doch knisterte es in den Reihen vor freudiger Erwartung. Die Menschen waren gekommen, um ihrer Ikone zu huldigen: Amalia Rodrigues! Bereits drei Jahre nach ihrem Tod im Jahre 1999 war der Göttin des Fado mit dem Musical „Amalia!“ ein Denkmal gesetzt worden. Seitdem steht es den Portugiesen als Tränke zur Verfügung, an der sie ihre Sucht nach Sehnsucht vorübergehend stillen können.

Das Stück wurde von Beginn an in warme Applauswatte gepackt. Am Schluss reagierte die Masse wie ein Schwarm tropischer Fische, der einen elektrischen Impuls kollektiv pariert. Wenn sich tausend Menschen impulsiv erheben, um einen komplizierten Rhythmus zu klatschen, der den herzzerreißenden Abgesang Amalias wie ein Fangnetz unterlegt, wird selbst mir, dem adrett gekleideten Besucher aus der norddeutschen Tiefebene, klar, dass Fado Volksmusik ist.

Die S-Bahn von Estoril nach Lisboa sollte ins Weltkulturerbe eingehen. Wo sonst durfte man eine schnatternde Schar geschminkter junger Mädchen auf dem Weg in die Disco bis ins Herz der Stadt begleiten und dabei den parallel laufenden Atlantik in die Tejomündung branden sehen? Es war meine erste Nacht in Lissabon. An der Endstation Cais do Sodre zog ich es vor, mich von meinen aufgekratzten Mitreisenden zu trennen.

Nach einiger Zeit verfinsterten sich die Straßen. Ich stieg eine schmale Steintreppe zwischen zwei Häuserwänden hinauf, auf denen die schabenden Schultern meiner Vorgänger helle Spuren hinterlassen hatten. Ohne es zu ahnen war ich in die Alfama geraten, Lissabons ältestes Stadtviertel. Niemand begegnete mir auf den ausgetretenen Pfaden. Es war  ein regnerischer Dienstag im Januar, die Alfama atmete durch ihr Mauerwerk,

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