Seidenstraße. Glänzende Augen dank der üblichen Gedankenlosigkeit.

seidenstrase-glanzende-augen-dank-der-ublichen-gedankenlosigkeit.

12-03-19 04:59:00,

In der letzten Zeit bin ich mehrmals Menschen begegnet, die von der Idee der Seidenstraße zwischen China und Europa geschwärmt haben. Viele schwärmen davon: Die Wirtschaftswoche zum Beispiel. Oder die italienische Regierung und die junge welt, wie heute in den Hinweisen des Tages berichtet. Das sind Zeichen und Beleg im eines aus Gedankenlosigkeit folgender Bewunderung eines großen Infrastrukturprojekte. Dabei ist kein bisschen bedacht, was wir in Zeiten hoher Emissionen von Schadstoffen in die Luft und Plastik in den Meeren bräuchten: Verkehrsvermeidung statt die weitere Ausweitung des Verkehrs. Insofern steht schon die Grundidee der Seidenstraße im Widerspruch zu dem, was notwendig wäre. Albrecht Müller.

Zweifellos enthält das Projekt Elemente, die begrüßenswert sind: Arbeit und Brot für Menschen in bisher darniederliegenden Volkswirtschaften zwischen China und Europa, die Völkerverbindung und Völkerverständigung , die Zusammenarbeit sehr verschiedener Menschen und Volkswirtschaften.

Ansonsten aber widerstrebt das Projekt allem, was wir heute für not-wendig halten müssen: Regionalisierung der Produktion und des Verbrauchs, kleinräumigere Arbeitsteilung, Vermeidung von zusätzlichem Güterverkehr und der mit der internationalen Arbeitsteilung verbundenen Ausweitung des Luftverkehrs.

Dass Letzteres weiter stattfindet, kann man sich nämlich an fünf Fingern abzählen: Wenn die Produktion von Gütern, die in einem Land oder Kontinent genutzt werden, weit entfernt produziert werden, dann hat das notwendigerweise auch Folgen für den Flugverkehr: es muss entwickelt, es muss koordiniert, es muss besprochen werden und trotz aller Fortschritte der Telekommunikation bleibt immer noch die Notwendigkeit zum persönlichen Austausch.

Die Bewunderung für das Projekt Seidenstraße hat eine ähnliche Grundlage wie das Schwärmen vom Freihandel.

Dass Freihandel per se etwas Gutes sei und dass man ihn fördern und ausweiten soll, war die Grundlage der Agitation für die verschiedenen Freihandelsabkommen. Auch hier die übliche Gedankenlosigkeit. Man übernimmt das Vorurteil, dass freier Handel sich in jedem Fall lohnt und fragt nicht mehr, was für Konsequenzen die Ausweitung des Handels und des Güter- und Personenverkehrs für Umwelt und Natur, für die Verwendung und Verschwendung der Ressourcen in der Welt hat.

Der Text im in der “jungen Welt” enthält nebenbei einen der typischen Denkfehler: Da wird aus dem Export von Gütern etwas per se Gutes gemacht. China produziert zu viel; der heimische Bedarf, so die scheinbar unbestrittene Grundannahme, reicht nicht zur Abnahme der Produktion; deshalb soll die Überproduktion exportiert und woanders abgesetzt werden.

 » Lees verder

Die Seidenstraße und Israel, von Thierry Meyssan

die-seidenstrase-und-israel-von-thierry-meyssan

30-10-18 07:24:00,

Peking treibt sein Projekt der “Seidenstraße“ ohne Unterlass voran. Der chinesische Vizepräsident, Wang Qishan, begab sich auf eine Tour in den Nahen Osten, die ihn unter anderem vier Tage nach Israel führte. Den bereits unterzeichneten Abkommen zufolge wird China in zwei Jahren den wesentlichen Teil des israelischen Ernährungssektors, seine Hoch-Technologie und seinen internationalen Handel kontrollieren. Ein Freihandelsabkommen sollte folgen. Die ganze regionale Geopolitik wird dadurch umgewälzt werden.

JPEG - 41.6 kB

Der Besuch des chinesischen Vizepräsidenten (s.o.), Wang Qishan, in Israel, in Palästina, in Ägypten und in den Vereinigten Arabischen Emiraten zielt auf die Entwicklung der „Neuen Seidenstraße“ ab.

Im Herbst 2013 hat China sein Projekt der Schaffung von maritimen und vor allem von kontinentalen Kommunikationswegen über die ganze Welt bekannt gemacht. China hat Unsummen von Geld bereitgestellt und begonnen, das Projekt sehr zügig umzusetzen. Die wichtigsten Routen gehen entweder über Asien oder über Russland, bis nach Westeuropa. Aber China plant auch Routen in Afrika und Lateinamerika.

Die Hindernisse für die neue Seidenstraße

Diesem Projekt begegnen zwei Hindernisse, ein wirtschaftliches und ein strategisches.

Das Projekt zielt aus chinesischer Sicht auf den Export seiner Produkte nach dem Vorbild der alten “Seidenstraße”, die es zwischen dem 2. bis zum 15. Jahrhundert mit Europa über das Fergana-Tal, den Iran und Syrien verband. Zu dieser Zeit ging es darum, die Produkte von Stadt zu Stadt zu transportieren, um sie dann, je nach den Bedürfnissen der lokalen Händler, in jeder Etappe gegen andere Produkte zu tauschen. Im Gegensatz dazu hat China heute den Ehrgeiz, seine Produkte direkt in Europa und in der ganzen Welt zu verkaufen. Nun sind sie aber nicht mehr exotisch (Seide, Gewürze etc.), sondern identisch mit jenen der Europäer und ihnen sogar oft überlegen. Die Handelsroute verwandelt sich in eine Autobahn. Wenn Marco Polo von der Seide aus dem Fernen Osten, in Italien ohne ihresgleichen, begeistert war, ist Angela Merkel nun entsetzt zu sehen, wie ihre Automobil-Industrie den chinesischen Konkurrenten ausgeliefert sein wird. Die Industrieländer müssen daher mit Peking sowohl Handel treiben, als auch gleichzeitig ihre Industrien vor dem ökonomischen Schock bewahren.

Durch massive Ausfuhr seiner Produktion wird China den kommerziellen Platz einnehmen, den das Vereinigte Königreich seit der industriellen Revolution zuerst allein, später mit den Vereinigten Staaten innehatte. Die Beibehaltung dieser Überlegenheit war genau der Grund, dass Churchill und Roosevelt die Atlantik-Charta unterzeichnet haben und dass die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eingetreten sind.

 » Lees verder

Die Seidenstraße und Israel, von Thierry Meyssan

die-seidenstrase-und-israel-von-thierry-meyssan

30-10-18 07:24:00,

Peking treibt sein Projekt der “Seidenstraße“ ohne Unterlass voran. Der chinesische Vizepräsident, Wang Qishan, begab sich auf eine Tour in den Nahen Osten, die ihn unter anderem vier Tage nach Israel führte. Den bereits unterzeichneten Abkommen zufolge wird China in zwei Jahren den wesentlichen Teil des israelischen Ernährungssektors, seine Hoch-Technologie und seinen internationalen Handel kontrollieren. Ein Freihandelsabkommen sollte folgen. Die ganze regionale Geopolitik wird dadurch umgewälzt werden.

JPEG - 41.6 kB

Der Besuch des chinesischen Vizepräsidenten (s.o.), Wang Qishan, in Israel, in Palästina, in Ägypten und in den Vereinigten Arabischen Emiraten zielt auf die Entwicklung der „Neuen Seidenstraße“ ab.

Im Herbst 2013 hat China sein Projekt der Schaffung von maritimen und vor allem von kontinentalen Kommunikationswegen über die ganze Welt bekannt gemacht. China hat Unsummen von Geld bereitgestellt und begonnen, das Projekt sehr zügig umzusetzen. Die wichtigsten Routen gehen entweder über Asien oder über Russland, bis nach Westeuropa. Aber China plant auch Routen in Afrika und Lateinamerika.

Die Hindernisse für die neue Seidenstraße

Diesem Projekt begegnen zwei Hindernisse, ein wirtschaftliches und ein strategisches.

Das Projekt zielt aus chinesischer Sicht auf den Export seiner Produkte nach dem Vorbild der alten “Seidenstraße”, die es zwischen dem 2. bis zum 15. Jahrhundert mit Europa über das Fergana-Tal, den Iran und Syrien verband. Zu dieser Zeit ging es darum, die Produkte von Stadt zu Stadt zu transportieren, um sie dann, je nach den Bedürfnissen der lokalen Händler, in jeder Etappe gegen andere Produkte zu tauschen. Im Gegensatz dazu hat China heute den Ehrgeiz, seine Produkte direkt in Europa und in der ganzen Welt zu verkaufen. Nun sind sie aber nicht mehr exotisch (Seide, Gewürze etc.), sondern identisch mit jenen der Europäer und ihnen sogar oft überlegen. Die Handelsroute verwandelt sich in eine Autobahn. Wenn Marco Polo von der Seide aus dem Fernen Osten, in Italien ohne ihresgleichen, begeistert war, ist Angela Merkel nun entsetzt zu sehen, wie ihre Automobil-Industrie den chinesischen Konkurrenten ausgeliefert sein wird. Die Industrieländer müssen daher mit Peking sowohl Handel treiben, als auch gleichzeitig ihre Industrien vor dem ökonomischen Schock bewahren.

Durch massive Ausfuhr seiner Produktion wird China den kommerziellen Platz einnehmen, den das Vereinigte Königreich seit der industriellen Revolution zuerst allein, später mit den Vereinigten Staaten innehatte. Die Beibehaltung dieser Überlegenheit war genau der Grund, dass Churchill und Roosevelt die Atlantik-Charta unterzeichnet haben und dass die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eingetreten sind.

 » Lees verder