„Gott ist auf unserer Seite“ – Der Drang der kirchlichen Gutmenschen nach theokratischer Herrschaft

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09-08-19 07:33:00,

Selbst Pfarrer der evangelischen Kirche bekennen, dass sie unsicher und zweifelnd in ihrem Glauben an Gott geworden seien. Aber merkwürdigerweise klammern sie sich umso krampfhafter an die angebliche Gewissheit, dass Gott durch die Retter der Flüchtlinge im Mittelmeer, durch Greta und die Schüler für die Klimarettung und letztlich durch alle Gläubigen wirke, die sie unterstützen. „Wir haben Gott auf unserer Seite.“ – Die Sache ist religiös entschieden. Wozu brauchen wir da noch Demokratie? Fragen wir einfach das kirchliche Orakel, auf wessen Seite sich Gott befindet.

Die Predigt im Schlussgottesdienst des vergangenen Evangelischen Kirchentages, die Pfarrerin Dr. Sandra Bils hielt1, ist ein besonderes Symptom des Verfalls der Evangelischen Kirche zu einer religiös aufgeblasenen politisch agierenden Mitregierungsorganisation.

Plakat des Kirchentages – leicht platzende schwebende Träume

Das Alte trägt nicht mehr

Dr. Bils beklagt zunächst die zunehmende Unsicherheit, den Zweifel und den Verlust des Glaubens an Gott und stellt in den Mittelpunkt den Hebräerbrief des Apostels Paulus, der damals schon Ähnliches beklagte. „Das Alte trägt nicht mehr, und noch gibt es keine Idee, wie es anders gehen könnte. Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch. … Vielleicht ist unsere Zeit wirklich vorbei. Volkskirche bröckelt, Volksparteien auch.“
Auch sie ist oft gar nicht selbstsicher. Es gibt Tage, „an denen meine Unzufriedenheit so stark ist, dass ich nicht mal aus dem Bett komme? Egal wie sehr ich mich auch anstrenge.“

Doch immer wieder spricht sie sich selbst und den Zuhörern mantramartig, suggestiv Mut zu mit einem Satz aus dem Hebräerbrief, der die Gemeinde damals ermahnte: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“
Und sie biedert sich vulgär-populistisch dem Mann auf der Straße an: „Der Hebräerbrief ist für mich eine Mischung aus Trost und Arschtritt:  Mensch, werf´ dein Vertrauen nicht weg!!!“ –

Es ist dazu noch eine schlechte Übersetzung, da Vertrauen oder Glaube einfach ohne unser Zutun schwindet. Man kann sich nur bemühen, ihn nicht fahren zu lassen. Hat man ihn noch, wird keiner auf die Idee kommen, ihn wegzuwerfen; ist er geschwunden, kann man ihn nicht mehr wegwerfen. Aber mit begrifflicher Klarheit und Logik nehmen es die evangelischen Theologen überhaupt nicht so genau.
Sie sagt ja von sich selbst auch nicht,

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Israel mal auf der Seite der Hamas

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20-03-19 10:06:00,

Gaza: Proteste am Grenzzaun zu Israel; Archivfoto (2018): Fars News Agency / CC BY 4.0

Im Gazastreifen demonstrieren Tausende gegen die Hamas-Regierung

Ein Jahr nach den ersten Protesten am Grenzzaun zu Israel wird im Gazastreifen wieder demonstriert. Doch dieses Mal, zum ersten Mal, gehen die Menschen nicht gegen Israel auf die Straße, sondern gegen die Hamas, die den dicht bevölkerten Landstrich seit 2007 regiert.

Und die dabei immer größere Probleme hat: Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt bei um die 70 Prozent, obwohl der letzte Krieg mit Israel nun fast fünf Jahre zurück liegt, es fehlt an sauberem Trinkwasser, an regelmäßigem Strom, auch fast fünf Jahre nach dem letzten Krieg mit Israel verläuft der Wiederaufbau nur schleppend.

Es sind einige Tausend Menschen, die den Aufrufen einer bis vor kurzem nicht in Erscheinung getretenen Gruppe namens “Bewegung 14. März” im Internet folgen, und auf der Straße auf heftige Reaktionen der Hamas-Polizei und der Essedin al Kassam-Brigaden, dem militärischen Flügel der Hamas, treffen: Demonstranten, einheimische Menschenrechtler und Journalisten werden verprügelt und festgenommen; auch scharfe Munition wurde bereits eingesetzt.

Dennoch gehen die Demonstrationen weiter, und das ist neu: Noch nie seit 2007, egal wie schlecht die Lage auch war, sind die Menschen im Gazastreifen in nennenswerter Zahl gegen die Hamas-Regierung auf die Straße gegangen.

Die Hamas wirft der Regierung von Präsident Mahmud Abbas mit Sitz in Ramallah vor, die Proteste anzustacheln; dort weist man den Vorwurf zurück. Abbas fordert nun, die Arabische Liga, Ägypten und Katar müssten intervenieren, die Hamas dazu drängen, die Macht an die Regierung in Ramallah abgeben.

Erst vor eineinhalb Wochen war diese umgebildet worden: Im Juni 2014 hatten sich Hamas und Fatah im Zuge eines der zahlreichen Einigungsabkommens auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung geeinigt.

Die Einheitsregierung

Die Einigung selbst blieb aus, die Einheitsregierung bestand aber weiter, auf dem Papier, denn die von der Hamas ernannten stellvertretenden Minister und Staatssekretäre arbeiteten einfach wie eine Schattenregierung für Gaza.

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Nun wurde diese Regierung durch ein nur mit Funktionären der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) besetztes Kabinett ersetzt; schon Ende 2017 hatte Abbas die Einstellung der Zahlungen für Strom- und Treibstofflieferungen aus Israel verfügt,

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Die andere Seite des John McCain – www.NachDenkSeiten.de

Die andere Seite des John McCain – www.NachDenkSeiten.de

02-09-18 09:58:00,

2. September 2018 um 11:45 Uhr | Verantwortlich:

Die andere Seite des John McCain

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

John McCain

Wenn die Grabreden der politischen Aufsteiger auf John McCain als abgehoben von der Realität erscheinen, dann deshalb, weil sie die elitäre Sichtweise widerspiegeln, die die militärischen Interventionen der USA als ein Schachspiel betrachten, bei dem die Millionen Toten durch grundlose Angriffe lediglich als statistische Daten erscheinen, sagt Mike Blumenthal. Übersetzung aus dem Englischen von Josefa Zimmermann.

Als der Kalte Krieg 1985 seine Endphase trat, nahm die Journalistin Helena Cobban an einer akademischen Tagung in einem Luxushotel in der Nähe von Tucson, Arizona, teil, bei der es um die amerikanisch-sowjetischen Interaktionen im Nahen Osten ging. Während des „Gala-Dinners mit Grundsatzrede“ erfuhr sie schnell, dass das eigentliche Thema des Abends „Adoptiere einen Mudjahedin“ lautete.

“Ich erinnere mich an die Unterhaltungen mit all diesen wohlhabenden republikanischen Damen aus den Vororten von Phoenix, bei denen ich gefragt wurde: „Haben sie einen Muj adoptiert?“ erzählte mir Cobban. “Jeder hatte Geld versprochen, um ein Mitglied der afghanischen Mudjahedin im Namen des Sieges über die Kommunisten zu sponsern. Einige saßen sogar bei der Veranstaltung neben ihrem persönlichen „Muj“. ”

Der Hauptredner des Abends war laut Cobban ein tatkräftiges Neumitglied des Kongresses namens John McCain. Während des Vietnamkriegs war McCain von der nordvietnamesischen Armee gefangen genommen worden, nachdem er auf dem Weg zur Bombardierung einer zivilen Glühbirnenfabrik angeschossen worden war. Er verbrachte zwei Jahre in Einzelhaft und wurde gefoltert, was dauerhafte Lähmungen bei ihm zur Folge hatte. McCain kehrte mit einer tiefen, anhaltenden Abscheu vor seinen früheren Entführern aus dem Krieg zurück und bemerkte noch im Jahr 2000: “Ich hasse diese Schlitzaugen. Ich werde sie hassen, solange ich lebe.” Er wurde für die rassistische Bemerkung kritisiert und weigerte sich, sich zu entschuldigen. “Ich habe von meinen Gefängniswärtern gesprochen”, sagte er, “und ich werde weiterhin in einer Sprache von ihnen sprechen, die manche Leute beleidigen könnte, aber sie haben meine Freunde misshandelt und gefoltert.“

„McCains tiefsitzender Groll erklärte seine Unterstützung für die Mudjahedin und die rechtsgerichteten Contra-Todesschwadronen in Mittelamerika – für jede Stellvertretergruppe, die auf die Zerstörung kommunistischer Regierungen eingeschworen war.

McCain hatte sich so sehr der antikommunistischen Sache verschworen,

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