„Sozial, ohne rot zu werden!“ – der Etikettenschwindel der AfD – www.NachDenkSeiten.de

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13-09-18 07:53:00,

13. September 2018 um 8:37 Uhr | Verantwortlich:

„Sozial, ohne rot zu werden!“ – der Etikettenschwindel der AfD

Veröffentlicht in: AfD, PR, Sozialstaat, Wahlen

In vier Wochen wählen die Bayern ihren neuen Landtag und wenn man den aktuellen Umfragen glaubt, wird die CSU ein historisch schlechtes Wahlergebnis einfahren und zu einer Koalition mit den Grünen gezwungen werden, da die SPD mit einem nur knapp zweistelligen Ergebnis noch nicht einmal als Juniorpartner einer „großen“ Koalition in Frage kommt. Der eigentliche Gewinner dürfte am Wahlabend die AfD sein. Einer der Gründe für das starke Abschneiden der AfD dürfte dabei der Umstand sein, dass der bayerische Landesverband im Wahlkampf einen Kurs fährt, den der Höcke-Flügel im nächsten Jahr auf die gesamte Partei ausweiten will: Neben dem klassischen AfD-Themenpotpourri Islam, Migration, Sicherheit greifen die Rechten auf ihren Wahlplakaten diesmal auch soziale Themen auf. Doch dies ist ein Etikettenschwindel. Das Wahlprogramm der Bayern-AfD liest sich in den dort kaum vorhandenen Bereichen Soziales, Wirtschaft und Arbeit eher wie eine FDP auf Speed. Man sollte sich nicht täuschen lassen: Im Kern ist die AfD eine neoliberale und rückwärtsgewandte Partei. Von Jens Berger.

Man kann der Bayern-AfD zumindest nicht vorwerfen, dass sie kein echtes Wahlprogramm hätte. Ihr offizielles Wahlprogramm zur Landtagswahl in Bayern hat immerhin einen Umfang von stolzen 100 Seiten. Dass die Interessen der AfD jedoch nicht alle politischen Felder in gleichem Maße abdecken, lässt sich bereits bei der Schwerpunktsetzung des Programms erkennen. Während den „klassischen AfD-Themen“ Islam, Migration und Sicherheit großzügig Platz eingeräumt wird, bleibt für den gesamten Themenbereich „Soziales“ nur ein eineinhalbseitiges Anhängsel am Ende des Programms übrig, in dem die AfD eine „Sozialpolitik für Bayern mit Augenmaß“ verspricht. Das hört sich überschaubar an und ist es auch. Selbst auf diesen eineinhalb Seiten nehmen Punkte zur „Integration von Migranten“ und eine Stärkung der „deutschstämmigen und zwangsweise Heimatvertriebenen“ gegenüber den „illegalen Immigranten“ die Hälfte des Textes ein, wobei der Zusammenhang dieser Punkte mit dem Oberbegriff „Soziales“ ohnehin nicht wirklich klar ist.

Der Begriff „Armut“ kommt im gesamten Programm viermal vor, der Begriff „Hartz IV“ ein einziges Mal – und dies im Kontext eines angeblichen Missbrauchs von Hartz IV durch Zweit-, Dritt- und weitere Ehefrauen von muslimischen Erwerbslosen.

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Sozial in die Zukunft

Sozial in die Zukunft

08-02-18 12:05:00,

Redaktionelle Vorbemerkung: Wie fern, wie uneinnehmbar wirken die Festungen der Mainstream-Medienlandschaft aus junger Perspektive, wie durchgetaktet ihr redaktioneller Duktus. Gastbeitrag? Vielleicht nach drei Praktika! Doch in einer Demokratie sollten auch wir Jugendlichen ein Mitspracherecht haben. Der Rubikon setzt hierfür einen Grundstein. Unsere Jugendredaktion veröffentlicht daher in ihrer Kolumne „Junge Federn“ beständig Beiträge junger Autorinnen und Autoren, denen thematisch kaum Grenzen gesetzt sind. Wenn dich das anspricht, schreib uns gerne an: jugend@rubikon.news.

Wenn man an soziale Netzwerke denkt, kommen einem nicht gerade Aktivismus und Weltverbesserung in den Sinn. Zwischen Katzenvideos und Bildern von Lebensmitteln fällt es schwer, noch Zeit zu finden und sich für ein besseres Leben einzusetzen. Da erschöpft sich die Anteilnahme höchstens im Betätigen des „Gefällt mir“ Buttons, sobald einer dieser doch eher nervigen, kritischen Freunde einen interessanten, an den Grundsätzen unserer bräsigen Konsumgesellschaft rüttelnden Beitrag teilt. Doch auch der kritische Freund steht dem Bienensterben, Klimawandel, Krieg, Armut, Hunger und anderem Elend dieser Welt zumeist ratlos gegenüber. Also hofft er, mit dem bloßen Teilen des Beitrages ein Stück zur Veränderung beizutragen, eine illusorische Hoffnung, die sich in den seltensten Fällen erfüllt. Doch wie sonst soll man sich einbringen, in die öffentliche Diskussion, wie sonst zu Veränderungen beitragen? Der übliche Nutzer sozialer Netzwerke hat vielleicht viel Anteilnahme zu bieten und auch den abstrakten Willen, sich einzubringen, weiß aber zumeist nicht, wie er das anstellen soll.

Abhilfe schaffen will nun ein soziales Netzwerk neuer Art. Human Connection wurde von Dennis Hack gegründet, dem Inhaber einer Firma, die Trampoline für den internationalen Wettbewerbssport produziert. Dort, so sagt er in seinem Vorstellungsvideo, hat er gesehen, wie friedlicher und fairer Wettbewerb aussieht. Das brachte ihn auf die Idee für ein soziales, gemeinnütziges Netzwerk, das nicht vom Verkauf der Nutzerdaten lebt, aber dennoch kostenlos und ohne Werbung nutzbar ist. Auf diesem Netzwerk sollen sich interessierte Menschen und Organisationen mit Gleichgesinnten treffen, um Gutes zu tun.

Geteilte Beiträge behandeln dann nicht Katzenvideos, Urlaubsfotos oder sonstige Belanglosigkeiten, sondern beschäftigen sich mit politischen, gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Themen und werden dabei von den Nutzern selbst moderiert. Auf Wunsch können die Nutzer Themen verfolgen und weitere Informationen darüber erhalten, übersichtlich zusammengestellt, wie in einem Nachrichtennetzwerk. Doch da Human Connection die Menschen dem Namen nach verbinden soll, steht man am Ende nicht allein und erschlagen vor einem Berg niederschmetternder Informationen.

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