Die Sprache der Unmenschlichkeit

04-05-21 02:31:00,

Als in Deutschland sich KünstlerInnen aufmachten, um mit der Sprache des Systems die Coronamaßnahmen kritisch zu beleuchten — durchaus mit Geist und „élégance“, das Tanzen („danser encore“) ist nicht die deutsche Art, aber die Satire, die in diesem Fall keine war, auch keine Realsatire, eher schon eine Realsatir-Satire, liegt vielleicht der deutschen Sprache näher —, als diese Künstler sich also aufmachten, so dachten sie sich offenbar, sie würden Kritik üben im Rahmen einer Demokratie. Ihre Kritik würde — gehirntechnisch — also zunächst auf einen Versuch treffen, die Botschaft zu verstehen und dann allenfalls mit Argumenten dafür- oder dagegenzuhalten.

Das war eine Fehlannahme.

Die Kritik, die sie vorbrachten — und spätestens die Reaktion darauf musste es den Künstlern gezeigt haben —, trugen sie in einer Diktatur vor.

Diese Erkenntnis war in ihrer Kritik zwar mit drin — sie benutzten ja die Sprache des Systems —, aber nicht in ihrem Bewusstsein. Einige kamen daraufhin auf die Welt. In einer Demokratie wird man nach einer Kritik mit Sachargumenten kritisiert, welche die Kritik aufnehmen. In einer Diktatur dagegen erheben sich Forderungen nach Berufsverbot. Und so geschah es. Der eine oder andere hat inzwischen Abbitte verlangt. Das ist die Sprache, welche das System versteht. Reue. Diktatur und Moral sind miteinander verschweißt.

Die Diktatur ist die Herrschaftsform der Linie. Alle ziehen am gleichen Strang, am Strick des Glücks. Als Mittel der Darstellung wählt sie Kitsch und Parolen. Künstler sind da, um zu unterhalten. Dabei soll der Diktator von nebenan durchaus eins auf die Schnauze bekommen. Er — und nicht die Diktatur, die hier ist — ist ja der Diktator.

Innerhalb der Diktatur ist die Abweichung nicht vorgesehen. Ironie aber arbeitet mit Brechung. Sie setzt die Abweichung als Denkmuster voraus. Abweichung und Diktatur finden nicht zusammen. Auch in Goebbels Palastrede findet sich keine Ironie. Und „Arbeit macht frei“ war nicht sarkastisch, sondern so gemeint. Zynismus. Dies nur als Hinweis. Die Abweichung, von der die reden, die die Abweichung geißeln — „es gibt einen regen Disput über die Coronamaßnahmen in den Medien“ (1) — ist keine Abweichung, sondern der Wettkampf darum, wie die Linie noch kräftiger zu ziehen, die Abweichung noch nachhaltiger auszuschließen sei.

In einer Diktatur passt sich „der gesellschaftliche Diskurs“ — der Begriff ist in Anführungszeichen zu setzen,

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Die Sprache der Gewalt

01-04-21 12:08:00,

Die Regierungen der Welt schwimmen, von ihren Leitmedien und Propaganda-Apparaten flankiert, im Kielwasser einer offensichtlich größenwahnsinnig gewordenen RKI & WHO AG, von Klaus Schwabs Davos-Clan (1), finanzstarker Pharmakonzerne (2) und der üblichen Verdächtigen, der GAFAM (Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft) (3).

Wer sich einen sehr lehrreichen, in chronologische Reihenfolge gebrachten Überblick dieses globalen Schachzuges verschaffen möchte, dem empfehle ich Paul Schreyers Vortrag: „Pandemie-Planspiele — Vorbereitung einer neuen Ära?“ (4).

Jedenfalls erreichte das ambitionierte Konglomerat, in einem so noch nicht da gewesenen Kraftakt und in nur wenigen Monaten, mit Verordnungen und einem verstörenden Regelwerk aus unsinnigen Vorschriften unser Dasein auf die Existenz eines Käfighuhns herunterzubrechen.

Womit kurzerhand das Grundrecht auf freie Entfaltung und das Recht auf Arbeit aus unserem Leben gestrichen wurde. Zu dieser schmerzhaften Fußfessel gesellt sich zusätzlich noch ein bedrückender Gedankenmaulkorb. Denn mit der propagandistisch inszenierten Einführung des Coronaleugners, des Maskenverweigerers und Impfkritikers, kurz des Verschwörungstheoretikers, wurde dem Grundrecht der freien Meinungsäußerung die Grundlage entzogen: das Äußern einer Meinung. Wobei beteuert wird, dies habe alles nichts miteinander zu tun und derlei Behauptungen seien nur die gestörten Fantastereien einiger Verschwörungstheoretiker (5).

Die Macher des Kontrollsystems unserer schönen neuen Welt geben sich kompromisslos jedweder Kritik gegenüber. Gleichgültig wie vernünftig die Gegner ihre Argumente vorbringen, sie stoßen auf immer dieselbe Ignoranz. Nicht nur, dass jeder, der sich ihrer dogmatischen Walze gegenüberstellt, die Faust der Propaganda zu spüren bekommt, nein, in nicht allzu ferner Zukunft wird man auch damit rechnen müssen, sich in einer geschlossenen Anstalt wiederzufinden, falls man sich nicht untergeordnet (6).

Wie konnte ein so gnadenloses Kontrollkonstrukt in dieser kurzen Zeit errichtet und durchgesetzt werden? Sicher nicht mit der wohlwollenden Einsicht kooperativer Bürger. Aber halt auch nicht mit vorgehaltenem Karabiner oder Hinrichtungen auf Marktplätzen.

Todesschwadronen waren dafür nicht vonnöten. Nichtsdestotrotz haben wir, was wir haben: eine staatlich verordnete, medial lancierte Gesundheitsdiktatur!

Eine globale Diktatur, die erst ihre Bevölkerung einsperrt, um sie anschließend mit einem großzügigen Impfangebot und mit Massenselbsttestorgien zu erpressen.

Stellt sich die Frage, wie so etwas überhaupt möglich werden konnte.

Die Antwort liegt auf der Hand, so etwas geht nur mit Gewalt!

Doch selbst wenn einem bei diesem Wort zuerst eine Faust in den Sinn kommt,

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Buchrezension „Die Sprache des Donald Trump“

30-10-19 12:05:00,

Der bekannte Journalist und Autor Heiko Flottau hat für die NachDenkSeiten das Buch der französischen Übersetzerin Bérengère Viennots „Die Sprache des Donald Trump“ rezensiert. Eine interessante Besprechung. Ein Zitat: ‚„Das von Trump gewählte Vokabular ist ausgesucht brutal.“ Diese Feststellung untermauert die Autorin an zahlreichen Beispielen … .‘ – Vorweg will ich anmerken, dass Trump als Repräsentant der USA die Gewalt in Sprache und Umgang nicht erfunden hat. Mir bleibt die Reaktion Hillary Clintons, als ihr die Vernichtung Gaddafis mitgeteilt wurde, unvergessen. Siehe hier. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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Buchrezension „Die Sprache des Donald Trump“ von Heiko Flottau

Wortschatz und Syntax von Donald Trump sind Spiegelbild einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, mit der sich die USA nicht gerne auseinandersetzen.

Nein, es waren keine Sprachwissenschaftler, keine Journalisten und auch keine Historiker, welche die tiefste bisher vorliegende Analyse der Sprache des amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgelegt haben. Diese so notwendige Expertise kommt aus dem Reich jener, welche die Sprache Trumps zu übersetzen haben und sich dabei vor ganz neue Herausforderungen gestellt sehen. Es sind die Dolmetscher und die Dolmetscherinnen, die sich Tag für Tag wundern, welche Sprachbruchstücke des amerikanischen Präsidenten sie – etwa ins Französische oder ins Deutsche – zu übertragen haben.

Nun hat die französische Übersetzerin Bérengère Viennot ein Buch vorgelegt, das mit dem schlichten Titel „Die Sprache des Donald Trump“ daherkommt. Aber die Analyse hat es in sich. Sie reicht von der eher leicht zu erstellenden, von anderen Autoren bereits vorgelegten Deutung des trumpschen Wortschatzes und der trumpschen Syntax bis hin zum gesellschaftlichen und historischen Kontext, in den diese Sprache eingebettet ist.

Und dieser Kontext ist deprimierend. Denn Trump, schreibt die Autorin, sei nicht das gravierendste Problem Amerikas. „Als Garant der sittlichen Ordnung und als symbolisches Über-Ich eines ganzen Landes soll ein Präsident nicht nur Vorbild sein, sondern auch Richtmaß für die moralische Gesinnung einer Nation. Wenn er nach einem Akt des Hasses seine Empörung ausspricht, erhebt sich hinter ihm ganz Amerika.

Wenn er stattdessen jedoch schweigt, noch schlimmer indirekt sogar zu institutioneller oder privater Gewalt ermutigt, stellt er psychisch gestörten Bürgern, deren niedrige Instinkte bisher durch die Angst vor staatlichen Sanktionen in Schach gehalten worden sind,

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Über die vorurteilsbeladene Sprache in der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Diskussion. Ein Text von 1966. Und noch aktuell.

22-02-19 08:52:00,

Heute wird viel über Framing geredet. Man kann manches auch einfach sagen. Ich kramte in meinem Bücherregal und fand einen Text, der jetzt rund 53 Jahre alt und immer noch aktuell ist. Damals analysierte ich für einen kleinen Kreis von Studenten und Sozialwissenschaftlern, die sich in einem Arbeitskreis des Evangelischen Studienwerks Villligst zusammen getan hatten, die Sprache in der wirtschaftspolitischen und gesellschaftspolitischen Debatte. Wenn Sie diesen Text lesen, werden Sie erkennen, wie aktuell das alles geblieben ist. Manipulationen gab es damals und noch früher auch, und die gleiche Manipulation mit den gleichen Methoden gibt es immer noch. Albrecht Müller.

In meinem Text geht es um Zahlungsbilanz“überschüsse“ und „Defizite“, um „Arbeitsmarktspannungen“ und „Wachstum“, um „wirtschaftliche Freiheit“ und „freiheitliche Wirtschaftsordnung“, und um angebliche „Gesetzmäßigkeiten“.

Es falle auf, so schrieb ich damals, dass in der gesellschaftspolitischen Diskussion Wörter, Begriffe und Wortkombinationen verwandt werden und manchmal sogar dominieren, die in der jeweiligen Situation beim Angesprochenen (Leser, Hörer, Gesprächspartner) eine Stellungnahme, ein Urteil oder eine Aktion hervorrufen, die der Sache nicht angemessen sind, die zu einem Urteil führen, das auf dieser Stufe des Diskussion noch gar nicht möglich sein sollte. Damit werde die notwendige Kritik und Kontrolle überspielt und die Entwicklung der richtigen Problemstellung gehemmt. Das führe zu einer sonderbar gleichgerichteten Fehlorientierung. Es zeige sich, dass eine solche Fehlorientierung häufig dem Interesse bestimmter Gruppen dient.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Der Text ist eingescannt und nach dieser Einführung wiedergegebenen. Außerdem finden Sie ihn hier als PDF.

Vorweg zur Einordnung noch einige biografische Hinweise: Ich war damals wissenschaftlicher Assistent bei Professor Dr. Hans Möller an der Universität München. Zusammen mit Freunden hatten wir einen Wirtschaftspolitischen Club gegründet und ein Forum an der Universität eingerichtet. Dort debattierten wir mit großer Resonanz bei den Studenten Fragen, die auch in meinem Beitrag angesprochen worden sind. Ansonsten schrieben wir kritische und programmatische Papiere; zum Beispiel erarbeiteten wir einen Vorschlag für eine Bodenwertzuwachssteuer. Wenn man so will war die Gründung dieses Clubs eine erste Vorübung für die NachDenkSeiten.

Aus heutiger Sicht war der unten wiedergegebene Text über die vorurteilsbeladene Sprache in der wirtschaftspolitischen Debatte auch eine gute Vorbereitung für meine nächste berufliche Aufgabe, die ich 1968, also zwei Jahre später, in Bonn übernahm: als Redenschreiber des damaligen Bundeswirtschaftsministers Professor Dr.

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Sprache und Wirklichkeit – ein schwieriges Verhältnis – www.NachDenkSeiten.de

19-03-18 08:14:00,

19. März 2018 um 16:45 Uhr | Verantwortlich:

Sprache und Wirklichkeit – ein schwieriges Verhältnis

Veröffentlicht in: Gleichstellung, Strategien der Meinungsmache, Wertedebatte

Elisabeth Schrattenholzer

Politische Meinungsbildung braucht klare Sprache, die sich genau auf Wirklichkeit bezieht. Zwei Grammatikformen werden aus diesem Blickwinkel bereits seit Jahrzehnten diskutiert: die Einzahlform mit generalisierender Bedeutung (das „generische Maskulinum“) und diejenigen Mehrzahlformen, in denen ausschließlich Männer genannt werden. Marlies Krämer zieht demnächst vor das Bundesverfassungsgericht, um das Recht zu erkämpfen, von ihrer Sparkasse als „Kundin“ angesprochen zu werden.

Der BGH hat ihr dieses Recht zunächst abgesprochen. Prof. Dr. Elisabeth Schrattenholzer[*] stellt diese Diskussion in einen umfassenderen Rahmen. Sie untersucht die Wirkung auf das Denken: Da wir Sprache, so wie sie ist, als Kinder übernehmen müssen, trainieren wir von Anfang an, einen Teil der Wirklichkeit sprachlich auszublenden. Anette Sorg.

Auch die Logik wird missachtet, wenn Frauen in den Mehrzahlformen nur gemeint sind, aber nicht genannt. Das autonome Denken, so die Ausführungen der Autorin, wird damit erheblich beeinträchtigt. In diesem Zusammenhang widmet sie sich auch der Verwendung von Begriffen wie „postfaktisch“, „der Islam“ und „Identität“.

Die Mehrzahlformen und die Logik

Zwei Autos und zwei Fahrräder sind miteinander vier Fahrräder? Nein. – Zwei Gitarren und zwei Flöten ergeben miteinander vier Flöten? Nein. – Zwei Lehrerinnen und zwei Lehrer zusammengezählt sind vier Lehrer? Nein: Zum einen, weil diese Aussage der Wirklichkeit vor Augen nicht entspricht; zum anderen, weil damit ein Grundgesetz der Logik (und im weiteren Sinn auch der Mathematik und der Wissenschaftlichkeit) aufgekündigt wäre. Ein Teilbegriff einer Menge (Autos und Fahrräder) kann und darf niemals gleichzeitig deren Oberbegriff sein. Der Oberbegriff wäre im ersten Beispiel Fortbewegungsmittel, im zweiten Musikinstrumente, im dritten Lehrkräfte.

Allerdings fordert ein Grammatikgesetz, Logik und Realität zu umgehen, sobald es sich um weibliche und männliche Menschen und ihre Darstellung in Mehrzahlformen handelt. In so einem Fall darf der maskuline Teilbegriff (Lehrer) gleichzeitig Oberbegriff (Lehrer) sein. Die Frauen dürfen sich mitgemeint fühlen. Und nicht wenige Menschen wollen bei dieser Regelung bleiben. Das ist fürs Erste verständlich.

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