Stark steigende Corona-Fallzahlen: Unvollständige Informationen

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06-07-20 03:57:00,

Das Coronavirus verbreitet sich weiter © Kt.ZH

Urs P. Gasche / 06. Jul 2020 –

Die neuen Coronafälle in der Schweiz seien «beunruhigend», sagt BAG-Direktor Pascal Strupler. Doch die BAG-Zahlen sind lückenhaft.

«Rollt gerade die zweite Welle auf uns zu?», fragte die «Sonntags-Zeitung» am 28. Juni. Die «Aargauer Zeitung» titelte am 3. Juli: «Die Task-Force des Bundesrats ist alarmiert». Der «Tages-Anzeiger» behauptet: «Wir befinden uns also wieder auf einem sehr steilen Wachstumskurs». Die Schweiz sei mit einer Steigerung von 106 Prozent das Land mit dem siebtgrössten Anstieg von positiv Getesteten in den letzten Wochen. Das zeige die folgende Tamedia-Grafik:

Die Fakten

Die prozentuale Zunahme der mit dem Virus positiv Getesteten, die statistisch erfasst wird, ist unter anderem abhängig

a) von der Statistik, die man konsultiert;
b) von der Zahl der durchgeführten Tests;
c) von der bisherigen absoluten Zahl der Neuansteckungen;
d) von lokalen Corona-Ausbrüchen.

a) Die Statistik, die man konsultiert

Für die Zahlen in obiger Grafik gibt der Tages-Anzeiger keine genaue Quelle an, sondern unter anderen Johns Hopkins University, Kantone und BAG. In den letzten erfassten sieben Tage seien in der Schweiz 622 Neuinfektionen registriert worden. Das sind 88 pro Tag oder 106 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Das BAG gibt die Zahl für die Woche vom 22. bis 28. Juni mit 355 oder 51 pro Tag an. Das sind anderthalbmal so viele wie Mitte Juni. Unterdessen gab es einige Tage mit über hundert positiv Getesteten. Wie viele davon Symptome zeigten und welche Symptome, gibt das BAG nicht bekannt.

b) Je mehr getestet wird, desto mehr tatsächlich Angesteckte entdeckt man. Denn es gibt eine grössere Dunkelziffer von Angesteckten, die nichts davon wissen. Zudem nimmt mit steigender Testzahl auch die Zahl der fehlerhaft angezeigten Angesteckten zu.

Seit Anfang Juni hat sich die durchschnittliche Zahl der Tests in der Schweiz verdoppelt, wie die folgende Grafik des BAG zeigt:

Es ist für jeden Statistiker klar,

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“Deutschland ist stark im Griff einer konservativen Wirtschaftselite”

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13-04-19 06:06:00,

Der frühere Finanzminister Norbert Walter-Borjans, der “Robin Hood der Steuerehrlichen”, über Steuerkriminalität und -gerechtigkeit, Wirtschaftswissenschaft und Nutzung von Twitter

Herr Walter-Borjans, auch nach Ihrer aktiven Zeit als Finanzminister in Nordrhein-Westfalen im Kabinett von Hannelore Kraft in den Wahlperioden 15 und 16, 2010-2017, in denen Ihr Einsatz für Steuergerechtigkeit und die Stärkung der Steuerfahndungsbehörden – etwa beim Ankauf von Steuer-CDs – Ihnen einen Bekanntheitsgrad weit über die Landesgrenzen von NRW hinaus bescherte, bleiben Sie weiterhin zu diesem Thema politisch aktiv. 2018 legten Sie mit “Steuern – Der große Bluff” ein Buch vor, das sich mittlerweile in Wirtschaftssachbuch-Bestsellerlisten findet. Nicht nur, dass Sie darin unser Steuersystem und seinen Sinn auch für Nicht-Fachleute sehr anschaulich erläutern und zudem konstruktiv seine Mängel herausarbeiten, die Kapitel 2 und 3, in denen Sie Ihre Strategien und Maßnahmen als NRW-Finanzminister zur Eindämmung der Steuerkriminalität und die Reaktionen einschlägiger Kreise darauf schildern, hat durchaus das Zeug zu einem Polit-Thriller. Eine im Auftrag der UNO durchgeführte Erhebung förderte zu Tage, dass wir Deutsche im internationalen Vergleich wieder einmal Weltmeister sind, nämlich bei der Bereitschaft, Steuern zu zahlen. Steht diese etwas pauschale Aussage in einem Widerspruch zu Ihren Ausführungen, nach denen es in Deutschland neben den Pflichterfüllern drei Klassen von Steuerhinterziehern gibt, Steuertrickser, Steuerbetrüger und Steuerräuber? Wie sollte dieses Studienergebnis Ihrer Ansicht nach interpretiert werden?

Norbert Walter-Borjans: Ich kann da keinen Widerspruch erkennen. Im Gegenteil: Während von interessierter Seite gern der Eindruck erweckt wird, dass wir Deutsche uns tagein tagaus über nichts anderes grämen als über die Höhe unserer Steuern, sage ich ja gerade, dass die überwältigende Mehrheit das Niveau der staatlichen Leistungen hierzulande sehr zu schätzen weiß. Die allermeisten Menschen sind sich dabei sehr bewusst, dass das nicht für lau zu haben ist. Und sie wollen nicht weniger, sondern mehr Investitionen in die Zukunft anstatt Steuersenkungen und den weiteren Verfall von Straßen, Brücken und Schulen, miserable Internetanbindung und zu wenig Geld für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Was diese überwiegende Mehrheit aber gar nicht mag, ist das Gefühl, dass ein Teil sich auf Kosten der Ehrlichen aus dem Staub macht oder sich sogar Steuern erstatten lässt, die vorher gar nicht gezahlt wurden.

Im Jahr 2011 gelang es Ihnen als Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen mit den damals rot-grün geführten Bundesländern eine Allianz gegen das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz zu schmieden und dieses Gesetz 2012 im Bundesrat zu Fall zu bringen.

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