Assange-Mahnwachen nötiger denn je!

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09-01-20 01:16:00,

In den Zeiten des ungebremsten Säbelrasselns gegenüber Iran durch die anhaltende US-GB Koalition hielt ich mich einmal mehr für ein paar Tage in London auf, um zu sehen, was sich in der Assange-Affäre tut. Leider nicht sehr viel von offizieller Seite, aber zum Glück sind seine Unterstützer nach wie vor sehr aktiv und in Deutschland und Belgien gehen die Aktivisten mit gutem Beispiel voran. Siehe dazu auch die Hinweise am Ende. Eine Zusammenfassung der Zeit zwischen den Jahren von Moritz Müller.

Es ist nun ein Jahr her, dass ich mir das erste Mal aufgrund von Leserzuschriften ein Bild von der Lage vor Ort machte und einen Artikel dazu geschrieben habe. Danach war Julian Assange noch drei Monate im Botschaftsasyl und er befindet sich nunmehr seit fast neun Monaten im Guantanamo Großbritanniens, Her Majesty‘s Prison Belmarsh, davon seit August im Krankentrakt. Dieser Krankentrakt ist etwas mysteriös, da sich die britische Regierung bis heute weigert, Angaben darüber zu machen, woraus dieser Krankentrakt überhaupt besteht. Im November hatten über 60 Ärzte aus verschiedenen Ländern die britischen Behörden aufgefordert, Julian Assange in ein gesichertes Universitätskrankenhaus zu verlegen, und auch 100 australische Ärzte verlangten seine Freilassung.

Auch die beiden Gefängnisbeamten, die uns am vergangenen Samstag freundlich, aber bestimmt, mit drittem Beamten und Deutschem Schäferhund im Hintergrund, aufforderten, unsere Minidemo vor den Toren von Belmarsh nach weiter abseits zu verlegen, wollten uns weder Angaben über Julian Assange noch über die Krankenstation, und was dort mit ihm geschieht, machen.

An Heiligabend erhielt Assanges langjähriger Freund Vaughan Smith den einzigen Anruf, den dieser über Weihnachten tätigen durfte. Im Interview beschreibt Vaughan Smith, dass er seinen Freund am Telefon kaum wiedererkannte, weil dieser schleppend sprach und sehr niedergeschlagen wirkte. Ich persönlich finde es beeindruckend, wie wacker sich Julian Assange nach fast einem Jahrzehnt der Zermürbung durch eine riesige Übermacht noch hält. Freunde wie Vaughan Smith geben ihm da sicher einen Halt und ich hoffe, dass auch Nachrichten von unserer kleinen Demo zu ihm durchdringen und ihn aufbauen. Vaughan Smith äußert im Interview weiterhin die Vermutung, dass Julian Assange mit Psychopharmaka behandelt wird. Dies lässt sich natürlich unter den widrigen Umständen nicht beweisen, aber die britischen Behörden dementieren dies auch nicht.

Außerdem scheinen die Behörden auch in keinster Weise besorgt,

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Nötiger Perspektivenwechsel

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30-03-19 09:02:00,

Ein Kardinalfehler in Politik und Medien besteht darin, Momentaufnahmen als Realität zu verkaufen. Realität ist immer ein Prozess. Um Realität zu begreifen, ist es notwendig, über Chronologie Bescheid zu wissen. Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln. Zumindest zu versuchen herauszufinden, wer in einer Angelegenheit agiert und wer reagiert.

Mit anderen Worten: zu verstehen was Sache ist.

Es ist absurd, dass „Russlandversteher“ in Deutschland und einigen anderen westlichen Ländern zum Schimpfwort geworden ist und zur Ausgrenzung taugt.

Wer versteht, im Sinne von begreifen, der hat wenigstens die Chance, richtige Entscheidungen zu treffen. Wer von falschen Voraussetzungen ausgeht, der trifft auch falsche Entscheidungen. In der Wirtschaft kosten falsche Entscheidungen Geld, in der Politik hin und wieder den Frieden.

Ein zentraler Begriff im Journalismus ist das große Wort „Wahrheit“. Diesem Begriff begegne ich mit großem Respekt. Was ist die Wahrheit? Gibt es die überhaupt? Eher nicht. Es ist alles eine Frage der Wahrnehmung. Das lässt sich auch gut belegen, wenn man zum Beispiel in verschiedenen Nachrichtensendungen Berichte zum selben Thema vergleicht, nach denen beim Zuschauer nahezu konträre Eindrücke hängen bleiben, obwohl in den Berichten selbst nicht wirklich gelogen wurde, nur anders wahrgenommen.

Wie man etwas wahrnimmt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem auch von der Entfernung zum Objekt.

Mal ganz handfest. Ein Berggipfel, der in seiner charakteristischen Form das Panorama einer Landschaft beherrscht, ist oftmals am Fuße des Massivs gar nicht zu erkennen — und doch ist es derselbe Berg.

Wer akzeptiert — in diesem und im übertragenen Sinne — dass unterschiedliche Standorte zu unterschiedlichen Wahrnehmungen führen, dass dasselbe Ding von nahem anders aussieht als von weitem, der wird zustimmen, dass beide Betrachter den Berg „richtig“ und „wahrhaftig“ sehen: der eine mit, der andere ohne Gipfel.

Diese Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Wahrnehmungen zu akzeptieren — darin liegt nach meinem Eindruck ein wesentlicher Schlüssel zur Lösung tatsächlicher Probleme, statt sie immer weiter zu eskalieren, indem man darauf besteht, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein.

Heutzutage nennt man das „Narrativ“. Das westliche Narrativ lautet: Russland hat die Krim annektiert und damit die europäische Sicherheitsarchitektur verletzt. Das russische Narrativ lautet: das war keine Annexion, sondern eine Sezession, eine Abspaltung, legitimiert durch ein Referendum, in dem sich die überwältigende Mehrheit der Krimbevölkerung genau dafür ausgesprochen hat.

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