Die Todespolitik

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07-09-20 08:05:00,

Beim Lesen des Buches von Naomi Klein Die Schock-Strategie dachte ich: „Das ist genau das, was heute in Brasilien passiert!“ Daher werde ich einige der Kategorien der Autorin zur Erläuterung des Prozesses, in dem sich die brasilianische Gesellschaft befindet, verwenden. Um einen Schritt über die Klein’sche Schock-Strategie hinauszugehen, müssen wir verstehen, dass die kapitalistische ideologische Entwicklung kein einheitlicher Prozess ist und ihre Praxis nie ohne Gewalt stattfand.

Der Liberalismus — das, was Neoliberale wie Ludwig von Mises oder Friedrich von Hayek „klassischen Liberalismus“ nennen — war nie eine homogene Doktrin. Ganz im Gegenteil: Von Anfang an hatte er einen recht heterogenen Charakter. In diesem Sinne konvergieren berühmte Autoren wie Adam Smith oder John Stuart Mill mit ihm nicht in grundlegenden Punkten, wie etwa der Sklaverei.

Die sogenannte liberale Doktrin hat historisch die objektive und widersprüchliche Bewegung der Entwicklung des Kapitalismus begleitet. Auf der einen Seite sahen Adam Smith, David Hume, Marquis de Condorcet und weitere eine revolutionäre Bewegung des Kapitals, wobei das Verständnis der Transformationen von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft deren realen Bewegung folgen musste, sodass es unmöglich wäre, die entstehende Gesellschaft zu verstehen, indem man sich auf abstrakte, starre Kategorien festlegt.

In diesem Zusammenhang nahm Smithwahr, was heute in einem selbstproklamierten „liberalen“ Kreis fast unmöglich erscheint, und er betont nachdrücklich:

„In einer despotischen Regierung werden Sklaven vielleicht besser behandelt als in einer freien Regierung, in der jedes Gesetz von ihren Herren gemacht wird, die niemals etwas verabschieden werden, was ihnen selbst schadet“ (1).

Auf der anderen Seite erklären John Stuart Mill, John Locke, John C. Calhoun und weitere die konservative, reaktionäre Seite der Macht der entstehenden Kapitalistenklasse. So verteidigte Mill während des Amerikanischen Bürgerkriegs die Union im Kampf gegen die Konföderation. Im Vergleich dazu betont Domenico Losurdo:

„ … als er seine Aufmerksamkeit auf die Kolonien richtete, rechtfertigte der englische Liberale den ‚Despotismus‘ des Westens gegenüber den ‚Rassen‘, die noch ‚minderjährig‘ waren und die einen ‚absoluten Gehorsam‘ einhalten mussten, um auf den Weg des Fortschritts gebracht zu werden“ (2).

Locke hingegen sieht die Legitimierung des Privateigentums in der Arbeit. Jedoch hat er nicht nur keine Probleme mit der Enteignung der Ureinwohner in den Vereinigten Staaten, sondern rechtfertigt diese auch. Willkürlich schließt er jede Art von Arbeit aus,

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