Der letzte Traum

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17-04-19 06:32:00,

Der kanadische Kriminalpsychologe Robert D. Hare behauptet, dass die Leitfiguren unserer Zerstörungskultur, also die Mitglieder der politischen und wirtschaftlichen Eliten, größtenteils Psychopathen sind. Hare:

„Zu viele Menschen glauben, dass Psychopathen im Wesentlichen Killer oder Zuchthäusler seien. Die allgemeine Öffentlichkeit hat nicht gelernt, die sozialen Stereotype zu durchschauen, und kapiert nicht, dass Unternehmer, Politiker, Konzernchefs und andere erfolgreiche Persönlichkeiten, die möglicherweise nie ein Gefängnis von innen zu sehen bekommen, Psychopathen sein können.“

Was würde wohl geschehen, wenn man diese Worte heute lauthals zur Debatte stellte? Es würden sich natürlich diejenigen vor Empörung überschlagen, die gemeint sind, die unmittelbar oder mittelbar an dem ruinösen Geschäft beteiligt sind, das unsere Erde in eine faulige Geschwulst verwandelt. Und die die Macht haben, diesen Wahnsinn bis zum bitteren Ende weiter zu betreiben, was sie mit Unterstützung der manipulierten Massen auch garantiert tun werden, wenn man sie nicht gewaltsam davon abhält.

Aber wie könnte das geschehen? Eine Ökodiktatur wäre eine mögliche Option am Ende unserer Zivilisation. Sie wird bestimmt nicht als Ideologie daherkommen, die genügend Ressentiments bedient, um eine Volksbewegung zu werden. Sie wird auch nicht durch eine Revolution über uns kommen, sondern scheibchenweise installiert werden. Ihre Machtergreifung wird durch die schlechter werdenden Bedingungen diktiert, unter der die herkömmlichen Volkswirtschaften ebenso zusammenzubrechen drohen wie die Naturhaushalte. Sie wird wenig zu tun haben mit grünen Idealen, sie wird sich als Entseuchungskommando in einer ganz und gar kaputten Welt verstehen. Die Ökodiktatur wäre ein politischer Notwehrreflex. Dass es ein Schweinesystem wird, ist doch klar. Auch auf dem Gebiet der Staatskunst will uns nämlich schon lange nichts Erhabenes mehr einfallen.

Wäre dies so, hätten wir eventuell eine Chance. Wir würden uns gemeinsam kümmern, geballter persönlicher Verzicht würde zu neuer Erfahrung auch im Miteinander führen, wir erlebten die Gnade, gemeinsam Reue zu zeigen. Halten Sie eine solche Gesellschaft für möglich? Dies wäre in der Tat eine demokratische Gesellschaft. Aus ihr käme entschieden mehr Power als aus jeder erzwungenen Kehrtwendung.

Wir sehen also: Man kann entweder albträumen oder träumen.

Aber verschlafen sollten wir den Zusammenbruch unserer Zivilisation nicht. Obwohl ich glaube, dass genau das passieren wird. Die meisten Menschen werden ihn nicht einmal bemerken, weil sie die Indizien für den bevorstehenden Zusammenbruch nicht zu deuten wissen. Schließlich fühlt er sich für jeden anders an.

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Der griechische Traum: Turboschnell nach ganz oben

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16-04-19 09:41:00,

Syriza-Wahlkampfveranstaltung, Athen 4. Januar 2015. Vordere Reihe, 3. von rechts, Alexis Tsipras. Zweite Reihe, 3. von rechts (mit der Hand am Ohr), Manolis Petsitis. Foto: Wassilis Aswestopoulos

Affäre Petsitis: Ein Albtraum für die Regierung Tsipras

Der amerikanische Traum des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär ist Gegenstand zahlreicher Romane und Geschichten. Kaum jemand kann sich aber vorstellen, dass eine solche Karriere im Turbomodus auch auf dem alten Kontinent, insbesondere im chronisch von der Pleite bedrohten Griechenland, möglich ist.

Der vorliegende Fall hängt zwar eng mit der aktuellen Regierungspartei Syriza zusammen, ist aber nur ein Pars-pro-toto-Beispiel für das, was in der griechischen Politik möglich ist.

Ein ehemaliger Kellner im Fokus der Medien

Die Rede ist von Manolis Petsitis, der zeitgleich mit dem Aufstieg des Premierministers Alexis Tsipras vom mittellosen Kellner zum viel diskutierten Reichen wurde. Petsitis ist ein Schulfreund von Tsipras engstem Freund und Mitstreiter, dem Minister für Digitales, Nikos Pappas. Sein Fall wurde von der Opposition in Griechenland ans Tageslicht gebracht.

Wie in Griechenland üblich steckt hinter solchen Enthüllungen immer auch der Gedanke, den Wählern einen größeren Skandal zu präsentieren, als die Gegenseite der eigenen Partei vorwirft. Dennoch ist die Affäre Petsitis mehr als nur ein politisches Ränkespiel.

Petsitis, über den die Medien in Griechenland oft ironisch als “Manolo” berichten, hatte 2013 eine Steuererklärung mit einem Jahreseinkommen von 4.911 Euro. Die Einkünfte erzielte er aus abhängigen Beschäftigungsverhältnissen als Kellner. Allein die Aufdeckung persönlicher Steuererklärungen und deren Verbreitung in der Presse zeigen, wie der Datenschutz in Griechenland chronisch unterminiert wird.

So wurde bekannt, dass Petsitis seinen Personalausweis sechs Mal als verloren gemeldet hat. Er ließ sich im Januar 1998, im April 2006, im April 2008, im Mai 2015, im August 2015 und im November 2015 mit dieser Angabe einen neuen Personalausweis ausstellen. Dies bedingt die Anwesenheit eines Zeugen, der dem das Ausweispapier ausstellenden Polizeioffizier die Angaben der einen neuen Ausweis beantragenden Person bestätigt. Im August 2015 war dies einer der Polizisten, die für die Sicherheit des Premierministers zuständig sind.

Die Vielzahl an in der Presse veröffentlichten Details über Petsitis brachte in Griechenland das Amt zur Bekämpfung der Legalisierung von illegal erzielten Einkünften auf den Plan. Ausgerechnet am 1. April beklagte das Amt, dass bei der immer noch im Visier der Ermittler stehenden “Affäre Petsitis”

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