Die umgekehrte Welt | Von Kathi Garnier | KenFM.de

17-02-21 03:33:00,

Unsere Wirklichkeit muss wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden, damit wir sie richtig sehen können.

Ein Standpunkt von Kathi Garnier.

Leben oder Tod, das scheint gerade ständig durch die Medien zu geistern. Jeder zweite Zeitungsartikel, jeder noch so kleine Beitrag handelt von der maßlosen Bedrohung, der wir scheinbar durch Corona ausgesetzt sind und der man nur noch durch Solidarität begegnen kann. Alles reduziert sich fast schon cartoonartig auf zwei Zustände: gesund oder krank, lebendig oder tot, weiß oder schwarz. Es ist fast so, als wären alle anderen Werte, die unsere Zivilisation ausmachen, ausradiert — es findet eine regelrechte Umkehr der Werte statt.

Das Jahr 2020 markierte eine Kehrtwende. „Auf einmal schien das Gegenteil von dem zu gelten, was bisher gültig war — das Gegenteil von allem, was sich in einer langsamen Evolution als bewährt herausgestellt hat, was erprobt und selbstverständlich war“, sagt Gunnar Kaiser in seinem Video „Die große Umkehrung von 2020“. Diese Umkehrung vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen: der Ebene der Beurteilung davon, was wir als krank oder gesund bezeichnen, der Ebene des Entscheidens, ob nun der Mensch oder die Technik unsere Gesellschaft lenkt, sowie der Ebene der Verantwortung des Staates. Und all diese Umkehrungen führen zusammengenommen zu einer einzigen großen Umkehrung des natürlichen Zustands, einer Verdrehung der alten hin zu einer neuen Normalität.

Früher war man gesund, wenn man keine Symptome hatte, und wurde krankgeschrieben, wenn der Arzt Symptome feststellte. Heute ist man immer eine potenzielle „Virenschleuder“, auch wenn man keine Symptome hat, und darf nur zur Arbeit gehen, wenn man sich durch einen entsprechenden Negativtest die Berechtigung zur freien Ausübung seines Berufes und zur Teilhabe am sozialen Leben einholt.

Der Mensch in all seinen Facetten und in all seiner bunten Vielfalt wird reduziert auf eine einzige Funktion, nämlich ein Überträger von Viren zu sein, ein potenzieller „Superspreader“, und wird dementsprechend nur noch so behandelt und „verwaltet“.

Ein gesunder Mensch ist also potenziell immer auch ein Kranker, so die Logik. Wir müssen unser Nicht-Kranksein erst einmal nachweisen.

Der negative Test ist so etwas wie eine Einlasskontrolle zu notwendigen Bereichen unseres Lebens geworden. Später wird es dann der Impfstatus sein.

Kranksein ist die „neue Normalität“ geworden. Christian Drosten riet im Alltag zu Folgendem: „Am besten wäre es,

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Die umgekehrte Welt

17-02-21 08:43:00,

Leben oder Tod, das scheint gerade ständig durch die Medien zu geistern. Jeder zweite Zeitungsartikel, jeder noch so kleine Beitrag handelt von der maßlosen Bedrohung, der wir scheinbar durch Corona ausgesetzt sind und der man nur noch durch Solidarität begegnen kann. Alles reduziert sich fast schon cartoonartig auf zwei Zustände: gesund oder krank, lebendig oder tot, weiß oder schwarz. Es ist fast so, als wären alle anderen Werte, die unsere Zivilisation ausmachen, ausradiert — es findet eine regelrechte Umkehr der Werte statt.

Das Jahr 2020 markierte eine Kehrtwende. „Auf einmal schien das Gegenteil von dem zu gelten, was bisher gültig war — das Gegenteil von allem, was sich in einer langsamen Evolution als bewährt herausgestellt hat, was erprobt und selbstverständlich war“, sagt Gunnar Kaiser in seinem Video „Die große Umkehrung von 2020“. Diese Umkehrung vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen: der Ebene der Beurteilung davon, was wir als krank oder gesund bezeichnen, der Ebene des Entscheidens, ob nun der Mensch oder die Technik unsere Gesellschaft lenkt, sowie der Ebene der Verantwortung des Staates. Und all diese Umkehrungen führen zusammengenommen zu einer einzigen großen Umkehrung des natürlichen Zustands, einer Verdrehung der alten hin zu einer neuen Normalität.

Früher war man gesund, wenn man keine Symptome hatte, und wurde krankgeschrieben, wenn der Arzt Symptome feststellte. Heute ist man immer eine potenzielle „Virenschleuder“, auch wenn man keine Symptome hat, und darf nur zur Arbeit gehen, wenn man sich durch einen entsprechenden Negativtest die Berechtigung zur freien Ausübung seines Berufes und zur Teilhabe am sozialen Leben einholt.

Der Mensch in all seinen Facetten und in all seiner bunten Vielfalt wird reduziert auf eine einzige Funktion, nämlich ein Überträger von Viren zu sein, ein potenzieller „Superspreader“, und wird dementsprechend nur noch so behandelt und „verwaltet“.

Ein gesunder Mensch ist also potenziell immer auch ein Kranker, so die Logik. Wir müssen unser Nicht-Kranksein erst einmal nachweisen.

Der negative Test ist so etwas wie eine Einlasskontrolle zu notwendigen Bereichen unseres Lebens geworden. Später wird es dann der Impfstatus sein.

Kranksein ist die „neue Normalität“ geworden. Christian Drosten riet im Alltag zu Folgendem: „Am besten wäre es, wir täten alle so, als wären wir infiziert und wollten andere vor Ansteckung schützen.“ Zugleich lasse sich der Spieß umdrehen, indem man so tue,

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Das japanische „umgekehrte Ich“

02-07-20 07:08:00,

Ähnlich wie die koreanische Sprache hat auch das Japanische kein Wort, das dem deutschen Ich entsprechen würde. Das deutet darauf hin: Das eigene Wesen wird auch in Japan weniger individuell in sich selbst als vielmehr in den Beziehungen zu anderen und zur Welt, also im Gemeinschafts-Zusammenhang des wir erlebt. Der Einzelne ist von der traditionellen Kultur her primär nicht in sich unabhängige Individualität, sondern Glied der Gemeinschaft, der er naturhaft eingeordnet ist.

Der Artikel soll zu den bisherigen Beiträgen über die ganz andersartigen Seelenverfassungen und Kulturen der ostasiatischen Völker1 einen weiteren Mosaikstein hinzufügen. In der immer mehr zusammenwachsenden Menschheit ist das Verstehen des Fremden und ganz Anderen für ein friedliches Zusammenleben von fundamentaler Bedeutung.

Nachdem ich den Artikel „Über die Schwierigkeit des Koreaners, „ich“ zu sagen“, veröffentlicht hatte, gab mit ein Freund die Vortrags-Nachschrift eines in Deutschland lebenden Japaners,2 der über das gleiche Phänomen vom Gesichtspunkt des Japanischen handelt. So kann dieses wichtige und faszinierende Thema aus kompetentem Mund um eine weitere Facette ergänzt und vertieft werden.
Masao Naka ist 1951 in Tokio geboren und aufgewachsen, studierte dort von 1971 bis 1974 japanische Literatur und war daneben an verschiedenen Theatern in Tokio tätig. 1977 kam er nach Deutschland, wo er bis 1984 Heilpädagogik studierte und in diesem Beruf tätig wurde.

Selbst-Bezeichnung und Selbst-Bewusstsein in Europa

In jeder Sprache innerhalb der indoeuropäischen Sprachenfamilie gibt es ein Wort, mit dem der Mensch das eigene Selbst bezeichnet. Für den Deutschen ist es das „Ich“, mit dem er sein innerstes Wesen zum Ausdruck bringt, für den Engländer „I“, den Franzosen „Je“, den Russen „Ja“ usw.
Wird der Mensch des eigenen Daseins gewahr, so macht er es sich als ein Objekt bewusst. Er braucht in diesem Augenblick ein Wort für ein Objekt, das er selbst ist. Er kann das eigene Dasein, sich selbst, ergreifen und mit Hilfe dessen darstellen, was er als solches Objekt bzw. eigenes Dasein erkannt hat. Die Ich-Darstellung, dass man für sich ein dem deutschen „Ich“ entsprechendes Wort in Anspruch nimmt, setzt durchaus das Ich-Bewusstsein voraus, mit dem man des eigenen Daseins gewahr wird und es sich bewusstzumachen vermag.“ (S. 7)

Bis zu 2 ½ bis 3 Jahren spricht das kleine Kind in Bezug auf sich selbst noch nicht „Ich“.

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Umgekehrte Welt

13-04-20 10:17:00,

„Es waren einmal ein guter Wolf, der von den Schafen malträtiert wurde, ein böser Prinz, eine wunderschöne Hexe und ein ehrlicher Pirat.“ So beginnt das Gedicht El mundo al revés — Die umgekehrte Welt des 2017 verstorbenen spanischen Schriftstellers José Agustín Goytisolo. Er erkannte die Verdrehungen in der Welt und sah den Verführer hinter dem Wohltäter und den Helden hinter dem Verfemten. Es war eine Zeit, in der Menschenrechtler als Terroristen verfolgt und Friedensaktivisten und Umweltschützer ermordet wurden, eine Zeit, in der man angab, Frieden mit Krieg erreichen zu können — möchte ich hinzufügen.

Wir wissen heute nicht mehr, wo oben und wo unten ist. In den modernen Märchen sind die Guten nicht mehr gut und die Bösen nicht mehr böse, und in der Politik werden linke und rechte Extreme so miteinander verdreht, dass es immer schwieriger wird zu erkennen, aus welcher Ecke der Wind eigentlich weht. Ein einfaches „Cui bono? — Wem zum Vorteile?“ degradiert heute den Fragenden zum Verschwörungstheoretiker und macht ihn zum Systemfeind. In unserer verkehrten Welt werden Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, zu Verbrechern und Forschende, deren Erkenntnisse nicht in den Mainstream passen, zu Verfolgten. Währenddessen kommt von den Persönlichkeiten, die im Rampenlicht stehen und die sich von den Massen bewundern lassen, kaum ein Mucks.

Kaum noch jemand weiß, aus welcher Quelle er seinen Optimismus schöpfen soll, ohne lächerlich zu wirken. Auch ich bin immer wieder ratlos, stehe voller Fassungslosigkeit, Wut und Traurigkeit vor den Geschehnissen und habe Mühe, meine Hoffnung und mein Vertrauen in der Realität bestehen zu lassen. Dabei hilft mir meine Schwäche für das Märchenhafte, Wundervolle, Magische, das ich mir aus meiner Kinderzeit bewahrt habe. Ich habe mich nie mit dem zufriedengeben können, was ich vor Augen habe und mich immer von dem angezogen gefühlt, was sozusagen zwischen den Zeilen steht.

So möchte ich für einen Augenblick Märchenfee sein, und es den Alchimisten gleichtun, die seit Menschengedenken Blei in Gold verwandeln. Schweres, Dunkles und scheinbar Wertloses finde ich zuhauf um mich herum. Wenn ich nur den Kopf hebe, dann sehe ich genug Bedrückendes, Beängstigendes und Bedrohliches, um damit mehr als 1001 Nacht zu füllen. Nur Mut also, Scheherazade, und an die Arbeit! Es geht um dein Leben!

Ich nehme also meinen Zauberstab mit dem Stern oben drauf,

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