Wer die Umwelt schützt, riskiert sein Leben

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28-04-19 11:27:00,

Romano Paganini

Romano Paganini / 28. Apr 2019 –

Fast alle zwei Tage werden in Lateinamerika Aktivisten ermordet, weil sie sich gegen Ausbeutung und Zerstörung der Natur wehren.

Luis Ángel Peña – Gilberto Valencia – Wilmer Antonio Miranda – José Rafael Solano – Wilson Pérez – Maritza Isabel Quiroz – Miguel Antonio Gutiérrez. Das sind die Namen der ersten sieben Sozial- und UmweltaktivistInnen, die zwischen dem 1. und 7. Januar 2019 alleine in Kolumbien ermordet wurden: vor ihrer Haustüre, auf der Strasse, auf dem Nachhauseweg von der Silvesterparty. Die meisten von ihnen wurden erschossen, und alle hatten etwas gemeinsam: Sie gehörten einer Bauern- oder Arbeiterorganisation an, traten für Umwelt- und Menschenschutz ein oder versuchten die Rechte ihrer Kommune zu verteidigen. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Der erste Monat des neuen Jahres begann in Kolumbien blutig wie schon lange nicht mehr. Fast jeden zweiten Tag wurde ein Aktivist oder eine Aktivistin umgebracht.

Für besonderes Aufsehen sorgte Mitte Januar der Mord an Wilton Fauder Orrego, der im Norden des Landes im Nationalpark Sierra Nevada de Santa Marta gearbeitet hatte. Wie verschiedene kolumbianische Medien berichteten wurde der 38-Jährige von Unbekannten durch zwei Schüsse schwer verletzt und starb wenige Stunden später im Spital. Über das Umwelt-Online-Portal mongabay.com wurde bekannt, dass die Verantwortlichen des Parks im vergangenen Jahr 17 konkrete Drohungen erhalten haben – Wilton Fauder Orrego ist das erste Opfer.

Anwalt Carlos Negret nannte gegenüber CNN Lateinamerika drei Gründe für die jüngste Gewaltwelle im Land: der illegale Pflanzenanbau (in der Regel Koka für die Kokainproduktion), illegaler Minenbau (in der Regel Gold) sowie Konflikte um Landrechte.  

Über 200 Morde an AktivistInnen

Gewalt gegen UmweltschützerInnen und AnführerInnen sozialer und/oder indigener Bewegungen ist Alltag in Lateinamerika, besonders in Kolumbien und Brasilien. Die beiden Länder führen – zusammen mit den Philippinen – jeweils die Liste der meisten Mordopfern an. Die britische Menschenrechtsorganisation Global Witness, die sich seit 1993 mit Ressourcenkonflikten und Korruption auseinandersetzt, listet für das Jahr 2017 weltweit 207 ermordete AktvistInnen auf; 60 Prozent der Tötungsdelikte ereigneten sich in Lateinamerika. Und wie schon 2016 und 2017 hiess es im Bericht: Das Jahr sei seit Beginn der Dokumentation das tödlichste gewesen für Menschen, die die Erde und die Umwelt verteidigen.

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Im Zweifel für die Umwelt | KenFM.de

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22-04-19 08:37:00,

Auch wenn die Ursachen des Klimawandels nicht restlos geklärt sind — es ist zu riskant, jetzt nicht aktiv zu werden.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Die Rettung unseres Ökosystems müsste allen am Herzen liegen — bei den Profiteuren von Raubbau und Verschmutzung ist dies jedoch nicht so sicher. Als wären sie nicht auch Kinder dieses Planeten, investieren Konzerne in Meinungsmache, die versucht, das Problem zu bagatellisieren. Das müssen wir wissen, wenn wir zwischen widersprüchlichen Theorien abwägen. Sicher, Zweifler sollten in die Diskussion mit einbezogen und nicht ausgegrenzt werden — aber was tun wir, so lange nicht zweifelsfrei sicher ist, dass die Klimakatastrophe menschengemacht ist? Klugerweise sollten wir handeln, als ob wir verantwortlich wären und alles von uns abhinge. Was wir tun können — weniger Auto fahren und Fliegen zum Beispiel — ist in jedem Fall richtig; im äußersten Fall ist es überlebenswichtig.

von Bernhard Trautvetter.

Der Weltklimarat, Umweltorganisationen und andere Warner vor apokalyptischen Auswirkungen der kapitalistischen Verwertung der Erde werden immer wieder als Panikmacher und insofern als „Alarmisten“ in ihrer Wissenschaftlichkeit infrage gestellt oder gar als in die Apokalypse verliebte Fundamentalisten herabgewürdigt und auch mitunter verhöhnt. Hiobsbotschaften einerseits ebenso wie Entwarnungen andererseits sind allerdings jeweils nur dann von der Hand zu weisen, wenn valide, also verlässliche und nicht anzweifelbar harte Fakten vorliegen, um die eine oder die andere Position unumstößlich abzusichern.

Solange wir nicht wissen können, dass der gegenwärtige große Raubbau an den Schätzen der Erde dem Leben nichts anhaben kann, solange fordert die Verantwortung gegenüber dem Leben in der Gegenwart — und in der unendlich langen Zukunft — von den jetzt lebenden Generationen eine allumfassend sorgende Vorsicht im Umgang mit dem Lebensraum Erde. Da wir die Zusammenhänge und die mittel- sowie langfristigen Auswirkungen gegenwärtigen (Nicht-)Handelns nicht exakt genug wissen, können wir zwar jeweils den Weltklimarat,

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Im Zweifel für die Umwelt

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18-04-19 02:10:00,

Der Weltklimarat, Umweltorganisationen und andere Warner vor apokalyptischen Auswirkungen der kapitalistischen Verwertung der Erde werden immer wieder als Panikmacher und insofern als „Alarmisten“ in ihrer Wissenschaftlichkeit infrage gestellt oder gar als in die Apokalypse verliebte Fundamentalisten herabgewürdigt und auch mitunter verhöhnt. Hiobsbotschaften einerseits ebenso wie Entwarnungen andererseits sind allerdings jeweils nur dann von der Hand zu weisen, wenn valide, also verlässliche und nicht anzweifelbar harte Fakten vorliegen, um die eine oder die andere Position unumstößlich abzusichern.

Solange wir nicht wissen können, dass der gegenwärtige große Raubbau an den Schätzen der Erde dem Leben nichts anhaben kann, solange fordert die Verantwortung gegenüber dem Leben in der Gegenwart — und in der unendlich langen Zukunft — von den jetzt lebenden Generationen eine allumfassend sorgende Vorsicht im Umgang mit dem Lebensraum Erde. Da wir die Zusammenhänge und die mittel- sowie langfristigen Auswirkungen gegenwärtigen (Nicht-)Handelns nicht exakt genug wissen, können wir zwar jeweils den Weltklimarat, Fridays For Future oder auch Donald Trump, die AfD und andere heftig kritisieren, das ist allerdings wissenschaftlich nicht sonderlich relevant.

Letztlich müssen wir uns in aller Konsequenz bewusst machen, dass es keine einhundertprozentig gültige wissenschaftliche Basis für die eigenen Aussagen und Positionen zur Frage des anthropogenen Klimawandels gibt.

Aus diesem Grund ist Demut die einzig verantwortbare Haltung im Sinne der Wissenschaftlichkeit und im Sinne des Interesses der Gattung Mensch an einem Überleben über die Gegenwart hinaus — keinesfalls jedoch der Angriff auf die Warner, auf die Kassandras mit den Hiobsbotschaften.

Demut muss allerdings entgegengesetzt auch für die Haltung dieser Warner gelten gegenüber jenen, die in der Klimafrage die jeweilige Gegenposition einnehmen. Einige von ihnen zweifeln und argumentieren aufgrund der in der Tat teilweise widersprüchlichen Informationslage — diese Argumente müssen in der Diskussion berücksichtigt und ernst genommen werden. Das sollte ohnehin generell die Haltung in der Friedens-, Umwelt-, der sozial-alternativen Bewegung sein, sonst endet jeder Dialog bereits im Keim, ehe er überhaupt in Gang kommen konnte.

Bei diesen Abwägungen und Diskussionen muss einem jedoch bewusst sein, dass auf Seiten der den Warnern gegenüberstehenden Klimaskeptiker Milliarden Dollars und Euros von fossilen Energiekonzernen für Meinungsbeeinflussung investiert werden: Das Europäische Institut für Klima und Energie EIKE wendet gegen die Warnungen vor dem Klimakollaps ein, es könne nicht sein, dass der Mensch „mit ein wenig CO2 unserem Planeten den Rest“ gibt (1).

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Umwelt- und Verkehrspolitik mit Stammtischparolen

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28-01-19 03:50:00,

Nachdem 107 Lungenärzte via BILD und WELT in einem dünnen Positionspapier die Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub kritisierten (BILD: „Alles Lüge!“), nutzt nun die Politik die angerichtete Verwirrung, um eben jene Grenzwerte zu kippen. Verkehrsminister Scheuer begrüßte den „wissenschaftlichen Ansatz“, beklagte die Grenzwerte als „Masochismus“ und kündigte deren Überprüfung an. In den Konzernzentralen von VW, BMW und Mercedes dürften die Sektkorken knallen. Dabei ist das Papier der Ärzte eher auf Stammtischniveau und wird von der wissenschaftlichen Community bestenfalls belächelt. Keine Frage: In Deutschland regiert der Populismus – nur dass dieser spezielle Populismus sich gegen die Interessen der Bürger richtet. Von Jens Berger.

100 Experten …

Eigentlich sollte man nur noch mit den Augen rollen, wenn wieder einmal so und so viele Wissenschaftler einen offenen Brief, einen Appell oder ein an das Publikum gerichtetes Positionspapier verfasst haben, das dann von Medien wie BILD, WELT, FAZ oder Focus ernsthaft als Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte gefeiert wird. Es wird wohl keinen Fachbereich geben, in dem man nicht mindestens 100 Wissenschaftler auftreiben kann, die ihre Unterschrift unter jeden denkbaren Unsinn setzen. Zu trauriger Berühmtheit ist beispielsweise der 2005 von 243 marktradikalen Professoren der Wirtschaftswissenschaften veröffentlichte „Hamburger Appell“, der einer wissenschaftlich mehr als umstrittenen neoliberalen Wirtschaftspolitik das Mäntelchen des wissenschaftlichen Konsens´ umhängen sollte. Können 243 Professoren etwa irren? Natürlich können sie das und weit mehr Professoren irren täglich. Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist einer drauf, der dämlich sabbelt – dieses Sprichwort gilt auch für Wissenschaftler.

Streng genommen gehören die 107 Lungenärzte noch nicht einmal in diese Kategorie. Schließlich ist der Großteil von ihnen gar nicht in der Wissenschaft oder Forschung, sondern als niedergelassener Arzt tätig; womit der Kreis der potentiellen „Experten“ schon einmal streng genommen auf alle Akademiker heruntergebrochen wäre, die beruflich in einem ähnlichen Feld tätig sind. So gesehen könnte man auch 107 Bankberater mit BWL-Abschluss zur Sinnhaftigkeit der privaten Altersvorsorge befragen. Und ganz sicher gibt es auch 107 Medienwissenschaftler, die in einem Positionspapier das Verbot der BILD fordern würden. Nur, dass dieses Papier natürlich nicht in der BILD abgedruckt würde. Derartige Unterschriftensammlungen, Appelle und Positionspapiere sind stets nur ein Mittel, um die redaktionelle Linie und die damit verbundene Politik zu unterstützen. BILD und Co. sehen sich schon seit Ewigkeiten als Sprachrohr der Autofahrer und sind ein Sprachrohr der Autoindustrie – und da passt ein Papier von 107 Ärzten,

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