Widerspruch ist ungesund! Von Corona zu Nowitschok: Medien gegen Demokratie | KenFM.de

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07-09-20 07:36:00,

Von Uli Gellermann.

Was macht die Demokratie aus? Vielfalt, Widerspruch, Dialog. Was macht die Diktatur aus? Einfalt, Zustimmung, Monolog. Die Vielfalt, die Widersprüche und die Dialoge werden in Demokratien wesentlich von Medien getragen und ausgetragen. Sie sind die „Mittler“, die Vermittler, die in einer Demokratischen Öffentlichkeit die Vielfalt unterschiedlicher Meinungen und Interessen vor aller Augen und Ohren verbreiten. Sie geben den Widersprüchen ein Forum, in denen sie produktiv konkurrieren, sie schaffen mit dem Dialog, der Rede und der Gegenrede das Wesen der Demokratie – Öffentlicher Austausch, um aus den vielen Unterschieden eine verständliche, erträgliche Einheit herzustellen: Die Einheit der Widersprüche.

Der Russe wars

Schon in der Virus-Debatte haben die deutschen Medien ihre Rolle als Mittler mehrheitlich aufgegeben: Widerspruch zur öffentlichen Einheitsmeinung galt nicht mehr als produktiv sondern als Irrglauben, als geradezu verboten. Es sollte gefälligst geglaubt werden, nicht das Wissen war den Medien erstrebenswert sondern das Glauben. Diese, der Demokratie und der Wissenschaft fremde Haltung, setzt sich zur Zeit in der Nowitschok-Diskussion fort: „Der Russe wars“, schreit eine ziemlich geschlossene Medien- und Regierungsfront. Auch hier gilt der Glaube mehr als das Wissen. Zweifel sind nicht gestattet, in den Redaktionen wird monologisiert.

Wo NATO draufsteht, ist der Ost-West-Konflikt drin

Während in der Virus-Debatte als oberstes Gut die Volksgesundheit behauptet wurde, geht es in der neuen Kampagne scheinbar um die militärische Sicherheit des Westens: Das Militärbündnis NATO hat sich eingeschaltet und fordert aus dem Mund seines Generalsekretärs: „Moskau muss Nowitschok-Programm offenlegen“. Wo NATO draufsteht, ist der Ost-West-Konflikt drin, und wo der Ost-West-Konflikt dominiert, ist der Dialog ausgeschaltet und das Feindbild bestimmt die redaktionelle Arbeit. Zweifel an der These „der Russe“, also Putin, habe den Oppositionellen Alexej Nawalny mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiften lassen, sind in deutschen Medien kaum erlaubt. Denn dieselben Medien haben in den letzten Jahren den Kritiker Nawalny zu einem oppositionellen Riesen aufgeblasen. obwohl sein Einfluss in Russland eher gering ist. Der Mann ist längst zum nützlichen Idioten der NATO-Agitation geworden.

Zeuge Bundeswehr ist extrem unglaubwürdig

So wie der Zweifel hinter einer kompakten Meinungsmauer verschwunden ist, so verschwinden auch ganze Geschichten, die zum Nowitschok-Komplex gehören: Schon in den frühen 1990er-Jahren hatte sich der deutsche Geheimdienst BND eine Nowitschok-Probe beschafft,

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