Armutszeugnis: Im Land der Ungleichheiten

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07-10-19 12:02:00,

Regelmäßig stellen Studien eine skandalöse Ungleichheit in Deutschland fest, wie ganz aktuell ein Bericht der Hans-Böckler-Stiftung. Ebenso regelmäßig werden diese Befunde ignoriert, die Ursachen der Symptome werden vernebelt. Man könnte die Ungerechtigkeiten beseitigen – doch dagegen gibt es medialen und politischen Widerstand. Von Tobias Riegel.

Eine der dominierenden „Erzählungen“ vieler großer Medien ist die von der nur „gefühlten“ Ungerechtigkeit: Schließlich gehe es „uns“ gut, die angeblichen Benachteiligungen und gesellschaftlichen Spaltungen existierten nur scheinbar, ansonsten seien es bedauerliche Einzelfälle oder „Fehler“ innerhalb eines prinzipiell bestens austarierten Systems, richtig? Falsch! Regelmäßig wird dieses „Gefühl“ der Ungleichheit und Ungerechtigkeit mit Daten unterfüttert und dadurch als real bewiesen – ganz aktuell einmal mehr vom WSI-Report der Hans-Böckler-Stiftung, der die Einkommensungleichheit untersucht hat. Der Report, der sich unter diesem Link findet, sagt ohne Wenn und Aber: Die Ungleichheit ist real, sie nimmt zu und sie ist auf einem neuen Höchststand. Um Abhilfe zu schaffen, müssen die Löhne und die Steuern rauf.

Der Stiftungs-Report lenkt die Aufmerksamkeit auf ein weiteres fatales gesellschaftliches Phänomen, das auch angesichts anderer Studien zu gesellschaftlichen Defiziten auftritt: Selbst die klare Benennung von skandalösen Missständen hat oft gar keinen Effekt mehr. Dementsprechend verpufft auch aktuell wieder die Eindeutigkeit des Stiftungs-Reports und der sich aufdrängenden Gegenmaßnahmen zur Linderung der Ungerechtigkeiten – die Informationen münden nicht in die entsprechenden logischen Handlungsweisen. Dieses Phänomen haben die NachDenkSeiten kürzlich in diesem Artikel am Beispiel Kinderarmut beschrieben und das Prinzip lässt sich direkt auf die aktuelle Studie der Böckler-Stiftung übertragen:

„Darum zeigen sich hier zwei Skandale: zum einen die Kinderarmut, die in der Studie offenbar wird. Zum anderen die ausbleibenden Reaktionen auf die in der Studie belegten Zustände. (…) Und so war auch an diesem Donnerstag kein Aufschrei angesichts der Studie festzustellen, weder in der Politik noch in den Redaktionen – eher ein müdes Ächzen darüber, dass man sich nun schon wieder mit diesem regelmäßig wiederkehrenden Thema herumschlagen muss. (…) Fragen nach den Ursachen und dem wirtschaftsliberalen System werden nicht gestellt.“

Ungleichheiten – Armutszeugnis für ein reiches Land

Versuchen der Vernebelung zum Trotz – der Befund der Untersuchung macht klar: Nach 2005 hatte sich der Anstieg der Ungleichheit vorerst abgeschwächt. Seit 2010 aber wächst die Einkommensungleichheit wieder deutlich und das ungeachtet der guten konjunkturellen Rahmenbedingungen sowie der günstigen Arbeitsmarktlage.

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