Die Lust am Untergang

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02-08-19 09:15:00,

Neulich war ich zum Mittagessen in einer eleganten Altbauwohnung im Zentrum von Montpellier eingeladen. Um den Tisch herum saßen Leute, die im wissenschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Bereich tätig sind. Gebildete, belesene, vernünftige Menschen. Etwas schleppend sprang das Gespräch von einem mondänen Thema zum nächsten, bis es bei der Lage der Welt ankam.

Nachdem er sich bei der Vorspeise zur kathartischen Wirkung von Horrorfilmen geäußert hatte, prophezeite mein Sitznachbar beim Hauptgang den bevorstehenden Weltuntergang. Es ist zu spät. Da der Mensch von Grund auf schlecht sei, geschieht ihm das ganz recht. Jede andere Vision sei unrealistisch und man müsse den Mut haben, dem ins Auge zu blicken.

Beim Käse ging es darum, dass er sich am Vorabend seines siebzigsten Geburtstages dazu entschlossen hatte, das Rauchen ganz und das Trinken teilweise einzustellen. Das von ihm angekündigte „Zuspät“ siedelte er deutlich nach seiner eigenen Lebenszeit an. Beim Dessert wurde mir klar: Bei Menschen, die die Lebensmitte überschritten haben und mit vollem Bauch den Weltuntergang prophezeien, stimmt etwas nicht.

Ich höre in dieser Haltung einen menschenverachtenden Zynismus mitklingen, der den Jüngeren nicht nur den Müll, sondern auch die unmögliche Bürde hinterlässt, eine Lösung finden zu müssen, ohne ihnen eine Chance zu geben. Der Schokoladenkuchen erhielt sein Sahnehäubchen, als jemand hinzufügte, dass er hoffe, beim Spektakel des Untergangs mit dabei sein zu können. In diesem Moment entschied ich mich, die Titanic zu verlassen. Ich schwamm an Land und dachte nach.

Ich fragte mich, ob diese Menschen auch so sprechen würden, wenn sie nicht gerade mit runden Bäuchen in einer eleganten Altbauwohnung sitzen, sondern hungernd, durstend und von der Sonne verbrannt in einem wackligen Boot auf hoher See. Oder in einer zerbombten Stadt, blutend und mit zerschossenen Gliedmaßen, umgeben von den Überresten ihrer Nachbarn. Im Meteoritenregen, am Rande eines glühenden Lavafeldes oder eines klaffenden Abgrundes.

Die Idee des Untergangs mag jenen abenteuerlich oder sogar ästhetisch erscheinen, die nicht selbst betroffen sind. Der Gedanke an eine globale Katharsis, eine planetare Grundreinigung mag verlockend sein: Nichts bleibt mehr übrig von der Schlechtigkeit der Menschen. Wie in einem gigantischen Feuerwerk sollen Gier, Gewalt, Missgunst, Eifersucht, Ignoranz, Neid und Hass noch einmal aufflammen und dann auf ewig verschwinden.

Damit gemeint sind die anderen. Man selbst ist ja gar nicht so schlecht. Großzügig bringt man einen guten Tropfen mit,

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Der Untergang der europäischen Nationalstaaten: Von der Leyen wird von der Leine gelassen

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03-07-19 12:14:00,

Kommentare

12:56 03.07.2019(aktualisiert 13:41 03.07.2019)

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Da hätte Frau Dr. Merkel für die Position der EU-Kommissionspräsidentin statt Frau Dr. von der Leyen auch gleich die Titanic durchpeitschen können. Die Wirkung wäre identisch: Jeder Eisberg wird zur Selbstversenkung genutzt. Vorher war es die Bundeswehr. Jetzt geht es um das Ganze, sprich das Europa der EU.

Die Clique von Regierungschefs hat deutlich gemacht, was sie von Wahlen und dem Votum der Bürger hält: nämlich nichts. Es war schon während des Wahlkampfs zu erkennen, dass der deutsche Kandidat Manfred Weber geradezu als Merkel-Söder-Luftnummer gehandelt wurde. Seine Aussagen zu Nord Stream 2 ließen an seiner Einschätzung der Berliner Politik ebenso zweifeln wie seine Vertreibungs-Strategie gegen Viktor Orbán. Dessen Nachteil besteht darin, dass er in Westeuropa auf keinem Wahlzettel steht. Es wären ihm in jedem Land – nach dänischem Modell – tolle Mehrheiten sicher. Deshalb wird seitens der derzeit Regierenden mit Nachdruck daran gearbeitet, von der Diffamierung Andersdenkender bis zur Verächtlichmachung der freien Meinungsäußerung die Grundlagen für die Abschaffung freier Wahlen zu legen. So gesehen ist Herr Weber das erste prominente Opfer der Merkelschen Migrationsentscheidung, die der Staats-und Verfassungsrechtler, Herr Prof. Dr. Ruprecht Scholz nach aktuellen Presseberichten als „seit 2015 andauernden Verfassungsbruch“ bezeichnet hat. Herr Weber hat sich dabei Frau Merkel angedient und wurde ohne großes Federlesen glatt entsorgt. 

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Archiv)

©
REUTERS / Michael Kappeler/Pool

Niemand wird bestreiten, dass EU-Europa sich in schweren Wassern befindet: Zu Russland ist man seit 2014 auf Konfrontation gegangen und will Moskau an seinem Tisch partout nicht sehen. Bei Frau Dr. von der Leyen scheint genau da der Hase im Pfeffer zu liegen: Ihre Kandidatur passt exakt in die europäischen Vorstellungen der amerikanischen Kriegskoalition. Die EU als Außenstelle der Nato und französischer Afrika-Kriege. Sollte es so weit kommen, wird ihr künftiger Stellvertreter, Herr Timmermanns, effektiv daran arbeiten können, die Nationalstaaten zu beseitigen, weil sie dem Krieg erheblich im Wege stehen. London wird jubeln. Der standfeste Herr Barnier, letzter Gaullist im Kosmos, wurde nichts in der Spitzenfunktion. Welch ein Signal an die EU und vor allem London? 

Genaues Hinsehen lohnt sich dennoch: das Personalgeschachere ist das Signal für ein EU-Abbruchunternehmen, das sich mit Trommelwirbel von den Elementen der Vertiefung verabschiedet.

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Macrons Untergang wirft seinen Schatten – www.NachDenkSeiten.de

Macrons Untergang wirft seinen Schatten – www.NachDenkSeiten.de

26-09-18 08:09:00,

26. September 2018 um 9:13 Uhr | Verantwortlich:

Macrons Untergang wirft seinen Schatten

Veröffentlicht in: Demoskopie/Umfragen, einzelne Politiker, Europäische Union, PR, Wahlen

Die Vorschusslorbeeren hätten größer kaum sein können. Als Emmanuel Macron im Mai letzten Jahres zum französischen Präsidenten gewählt wurde, galt er vor allem bei deutschen Linksliberalen als Hoffnungsträger. Sie hätten es besserwissen müssen. Nach eineinhalb Jahren Macron herrscht im Élysée-Palast die Tristesse. Der „Sonnenkönig“ gilt nun mehrheitlich als Präsident der Reichen und ist so unbeliebt wie kein französischer Präsident zuvor. Seine großspurigen, aber stets inhaltsleeren Phrasen von einem neuen, besseren Europa nimmt heute in Frankreich kaum noch jemand ernst. In Deutschland wird er jedoch losgelöst von den Realitäten mehr und mehr als Retter des „liberalen Europas“ gegen „linke und rechte Populisten“ aufgebaut. Absurd. Währenddessen scharren die Rechten in Frankreich schon mit den Hufen. Von Jens Berger

Am Montag trafen sich in New York die beiden Präsidenten, die im letzten Jahr die Berichterstattung deutscher Medien dominiert und gleichzeitig polarisiert haben wie kaum zwei Politiker zuvor – der „Oberschurke“ Donald Trump und der „strahlende junge Sonnenkönig“ Emmanuel Macron. Auch wenn die beiden Präsidenten auch unabhängig von der medialen Meinungsmache grundverschieden sind, haben sie dennoch eines gemeinsam – sie sind nach kurzer Amtszeit so unbeliebt wie keiner ihrer Vorgänger zuvor. Trumps Zustimmungsrate hat sich mittlerweile auf mageren 40% eingependelt. Dieser Wert ist zwar schlecht, aber auch nicht so schlecht, wie man es angesichts der pausenlosen Negativberichterstattung erwarten könnte. Die Mediendarlings Clinton und Obama waren mit 42% bzw. 45% in ihrem zweiten Amtsjahr auch nicht deutlich beliebter.

Noch überraschender dürfte es da für deutsche Leser sein, dass „Medienliebling“, Emmanuel Macron im eigenen Lande noch deutlich unbeliebter ist als Trump in den USA. Mit einem Zustimmungswert von nur 29% unterbietet Macron mittlerweile sogar den bisherigen Minus-Rekord seines Amtsvorgängers Hollande, der wegen eines Wertes von 31% seinerzeit freiwillig auf eine zweite Amtszeit verzichtete. Die Gründe für Macrons jüngsten Absturz sind zahlreich. Zunächst kam heraus, dass sein Bodyguard in seiner Freizeit – offensichtlich mit Zustimmung der Polizeibehörden – gerne linke Demonstranten zusammenprügelt. Dann bekommt seine Sportministerin Ärger mit der Steuerfahndung und sein überaus beliebter Umweltminister gesteht vor laufenden Mikros,

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Die Lust am Untergang

Die Lust am Untergang

28-06-18 02:07:00,

Woran liegt es, dass sich die meisten Menschen empört abwenden, wenn man das Wüten unserer Spezies auf diesem Planeten dem Wirken eines Krebsgeschwürs gleichsetzt? Ist dieser Vergleich angesichts des ökologischen Desasters, das wir zu verantworten haben, so abwegig? Vielleicht würde das gigantische Heer der „Unschuldigen“ zur gleichen Einsicht kommen, wenn man ihnen eine Computersimulation zeigte, in der die letzten 130 Jahre, also die Zeit, in der das Industriezeitalter ökologisch voll zu Buche schlug, durch den Zeitraffer gejagt und auf eine Stunde verdichtet werden würde.

Angenommen wir starteten 1887 vor der amerikanischen Westküste in eine Umlaufbahn um die Erde. Pusteln hätten sich entlang der Pazifikküste gebildet, die an der Ostküste bereits zu bedenklichem Ausschlag herangewachsen wären. Nach der Atlantiküberquerung stellten wir fest, dass ganz Europa davon befallen wäre: Städte, die wie Metastasen ins Land greifen. Schmutzige Schlieren ergössen sich in Flüsse und Meere.

Unterdessen schrumpften die gigantischen Waldflächen in sich zusammen und machten braunen Wüsten Platz. Ein immer dichter werdendes Netz von Straßen und Schienen legte sich um den Globus, ganze Kontinente verschwänden unter einem diffusen Grauschleier. Endlich an den Ausgangspunkt zurückgekehrt, stellten wir fest, dass die Erde zu einer Geschwulst verfault wäre, die von den Rauchschwaden unserer Brandschatzungen vielerorts gnädig verdeckt werden würde.

Der Astronaut John Glenn zählte bereits 1962 allein im Amazonasgebiet 800 solcher Brandherde. In der Zeit in der Sie diesen Artikel lesen, verschwinden durch Brandrodung oder industrielles Clearcutting Urwälder von der Bildfläche, welche ein Gebiet so groß wie München bedeckt hielten. Und mit ihnen verschwinden unzählige Populationen für immer von dieser Erde, die eigentlich als unser aller Heimatplanet gedacht war. So geht es weiter, Tag für Tag, ad finitum.

Wie geht man nun mit einer Spezies um, die sich derart blind in den kollektiven Untergang wühlt und dabei alles andere Leben aus dem Gleichgewicht reißt?

Lässt man sie gewähren oder versucht man sie mit Gewalt daran zu hindern, ihren tödlichen Wahn auszuleben? Die Ökodiktatur wäre so ein Hinderungsversuch. Man möchte sie sich fast wünschen.

Wenn der Club of Rome davon spricht, die Demokratien seien in ihrer heutigen Form kaum geeignet, den anstehenden Herausforderungen gerecht zu werden, hat er sicher auch folgendes gemeint: Trotz des erreichten einzigartigen Wohlstands in den Industrieländern, ist das Heer der Besitzlosen auf diesem Planeten heute zahlenmäßig größer als die gesamte Weltbevölkerung vor hundert Jahren.

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