Sabotierte Untersuchungen

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20-02-19 08:09:00,

Rubikon: Am heutigen Tag jährt sich das Massaker vom Maidan zum fünften Mal. Bitte fassen Sie den Ablauf der blutigen Ereignisse des 20. Februar 2014 in Kiew knapp zusammen.

Katchanovski: Das Massaker vom Maidan im Februar 2014 begann am frühen Morgen mit der Erschießung von Polizisten und dann auch der Demonstranten durch „Scharfschützen“ vom Musikkonservatorium und vom Hotel Ukraina aus. In beiden Gebäuden befanden sich Maidan-Truppen. Die Schüsse brachen eine Waffenstillstandsvereinbarung, die erst wenige Stunden zuvor Präsident Janukowitsch und die Maidanführern der Opposition unterzeichnet hatten. Die Polizei und die Truppen des Innenministeriums flohen vom Maidan, den sie zwei Tage zuvor umzingelt hatten, nachdem drei von ihnen am Morgen dieses 20. Februar getötet und ein paar Dutzend von den Scharfschützen verwundet worden waren. Einige dieser Schützen wechselten die Stellung und begannen, von einer Barrikade vor der Maidanbühne zu schießen.

Nachdem die Maidan-Demonstranten der Polizei und den internen Truppen folgten, wurden 48 Demonstranten getötet und etwa 150 verletzt. Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass zumindest die absolute Mehrheit von ihnen seitlich und von hinten vom Hotel Ukraina aus und von anderen vom Maidan kontrollierten Gebäuden erschossen wurde.

Eine Spezialeinheit der Berkut – der Anti-Aufstands-Polizei – stoppte kurzzeitig den Vormarsch der Demonstranten vom Maidan, indem sie mit scharfer Munition schoss, um Mitglieder der internen Truppen zu befreien, die sich noch im Oktoberpalast am Maidan befanden, nachdem die Polizei und die internen Truppen schon vom Maidan geflohen waren. Nach der Evakuierung dieser Truppen zog sich die Spezialeinheit der Berkut hinter Barrikaden zurück und schoss weiter. Meine Analyse und verschiedene Beweise legen nahe, dass sie im Allgemeinen Warnschüsse abgaben und auf Maidan-Scharfschützen schossen, die zuvor vom Hotel Ukraina, vom Oktoberpalast und von anderen Gebäuden auf sie und auf die Demonstranten geschossen hatten.

Welche Bedeutung hatte der Massenmord für den folgenden Machtwechsel in der Ukraine?

Das Maidan-Massaker war ein Schlüssel für den gewaltsamen Sturz der Regierung Janukowitsch. Es delegitimierte die Regierung und jegliche Gewaltanwendung durch die Regierungstruppen, weil ukrainische und westliche Medien, die Maidan-Opposition und westliche Regierungen sofort Regierungsscharfschützen beziehungsweise die Berkut-Sondereinheit der Polizei dafür verantwortlich machten, auf Janukowitschs Befehl hin unbewaffnete Maidan-Demonstranten ermordet zu haben. Janukowitsch verlor die Mehrheit im Parlament und unterzeichnete einen Vertrag mit der Maidan-Opposition inklusive Garantien deutscher, polnischer und französischer Außenminister.

Diese Vereinbarung forderte vorgezogene Präsidentschaftswahlen und den Abzug der Regierungstruppen aus der Innenstadt.

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