Wir werden verkohlt!

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08-02-19 01:25:00,

Felix Feistel: Wir haben uns bei einer Demonstration am Hambacher Forst kennen gelernt. Du warst dort mit einem ganz bestimmten Anliegen und in einer bestimmten Funktion. Erzähle doch einmal, in welcher Funktion und mit welchem Anliegen du auf der Kundgebung deine Rede gehalten hast.

Stephanie Sebastiampillai: Ich bin Medizinstudentin und Teil der Aktionsgruppe „Gesundes Klima“. Wir sind Menschen aus dem Gesundheitssektor, die für den Klimaschutz kämpfen, weil die Klimakrise die größte Gefahr für die globale Gesundheit im 21. Jahrhundert darstellt. Es geht bei der Bekämpfung von Emissionen schon lange nicht „nur“ um aussterbende Eisbären, sondern auch um eine tödliche Gefahr für die gesamte Menschheit — überall auf der Welt. Das Ausmaß, welches diese Klimakrise auf unsere Gesundheit hat, ist vielen nicht bekannt — doch die Auswirkungen davon sind schon zu spüren.

Die Themen der Aktionsgruppe Gesundes Klima der Kritischen Medizinerinnen Deutschland sind, wie der Name schon andeutet, die Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen. Bei deiner Rede hast du dich auf die Folgen von Braunkohle für die Gesundheit der Menschen konzentriert. Welche sind diese Folgen?

Braunkohle gilt schon lange als die dreckigste und gesundheitsschädlichste Energiequelle, die es gibt. Die direkten Folgen der Braunkohleverstromung sind durch die Luftverschmutzung spürbar. Bei dem Abbau und der Verbrennung von Kohle entsteht Feinstaub, der bestehende Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen, wie Schlaganfälle, Herzinfarkte, Asthma und Lungenkrebs verstärken beziehungsweise diese sogar auslösen kann. So sind mehr als ein Drittel, etwa 36 Prozent, aller Lungenkrebsdiagnosen auf die Luftverschmutzung zurückzuführen. Vor allem Kinder und alte Menschen sind davon betroffen.

Dafür muss man nicht mal neben einem Tagebau wohnen — diese Feinstäube sind noch in einem Radius von 1000 Kilometern um die Braunkohleabbaustätten nachgewiesen worden. Bereits eine kurze Exposition reicht schon aus, um eine Betroffenheit festzustellen, dauerhaftes Einatmen führt sogar zu einer deutlichen Verminderung der Lebenserwartung. Neben dem Feinstaub werden bei der Verbrennung auch Schwermetalle und Quecksilber frei und gelangen in Boden und Meere. Über unsere Nahrung reichern sie sich in unserem Körper an und führen so nachweislich zu chronischen Vergiftungen oder der Zerstörung von Gehirnzellen, vor allem bei Kindern. Das Schlimmste finde ich persönlich jedoch, dass diese ganzen Prozesse sogar Ungeborenen schaden. Die Feinstäube passieren die Plazentaschranke und sorgen unter anderem für ein vermindertes Geburtengewicht und zu einer vermehrten Häufigkeit von Asthma.

Welche anderen Folgen hat der Klimawandel,

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