“Nawalny” hat viele Namen und Gesichter

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08-09-20 06:27:00,

Eine Gegenprobe

In einer aktuellen Mitteilung verlangt die russische Regierung eine lückenlose Aufklärung der rätselhaften Toten in Deutschland. Geschlossen machen alle russischen Parteien Berlin dafür verantwortlich. Bis heute weigert sich die deutsche Bundesregierung, die Täter und Hintermänner zu ermitteln. Die deutsche Bundesregierung habe zwar Aufklärung versprochen, doch das Gegenteil ist zu konstatieren. Bis heute unternimmt sie nichts, der Forderung nach einer internationalen und unabhängigen Untersuchungskommission nachzukommen.

Man werde nun – zusammen mit der russischen Föderation – die nächsten Schritte sehr genau prüfen. Niemand dürfe auf dieser Welt solche Taten straffrei begehen können. Man werde nun sehr zielgerichtet prüfen, welche Personen in Deutschland dafür Verantwortung tragen, um entsprechende Sanktionen gegen sie zu verhängen. Es gehe jetzt um eine Sprache, die Merkel verstehe.

Selbstverständlich verwahrt sich die russische Regierung ausdrücklich, diese Reaktion in irgendeinen Zusammenhang zu dem behaupteten Giftanschlag auf Alexei Nawalny zu bringen.

Der Fall Nawalny Alexei Nawalny ist ein russischer Oppositionspolitiker und zeichnet sich durch zwei Eigenschaften besonders aus: Er ist Gegner von Putin und ist ein erklärter Rassist und Reaktionär, was ihn im “freien Westen” zu einer symphatischen Person werden lässt. Drittens wird er mehr im Ausland als im eigenen Land unterstützt und last not least stellt Nawalny für “Putin”, für die amtierende Regierung keine ernsthafte Gefahr dar.

Alexei Nawalny ist während eines Inlandfluges zusammengebrochen. Nach einer Notlandung wurde er in einem russischen Krankenhaus behandelt. Im Umfeld von Nawalny wurde sofort ein Giftanschlag vermutet. Nachdem das Krankenhaus keine Anzeichen eines Giftanschlages festgestellt hatte, waren fast alle westlichen Regierungsmedien fest davon überzeugt, dass der ärztliche Befund politisch motiviert, also vorsätzlich falsch ist. Sofort war ein deutsches Krankenhaus bereit, den Patienten aufzunehmen und zu untersuchen. Dem Ansinnen wurde stattgeben. Die ihm entnommenen Proben wurden an ein Labor der Bundeswehr in München weitergereicht, das ohne Zweifel für Objektivität und Unabhängigkeit, Neutralität und bedingungslose Menschenliebe steht. Dort stellte man schnell, zuverlässig und zweifelsfrei das Nervengift Nowitschok fest. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei also um ein “russisches” Gift. Und genau so klar, erwiesen und ausermittelt ist die Tatsache, dass dahinter “Putin”, also die russische Regierung steckt.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich der deutsche Auslandsgeheimdienst BND (Bundesnachrichtendienst) in den 1990er Jahren in den Besitz dieses Nervengiftes gebracht hatte, also die “russische Regierung” nicht (mehr) alleine über dieses “russische” Gift verfügt.

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Viele Leserfragen: Wann beginnen Corona-Impfungen in Russland und werden sie Pflicht? | Anti-Spiegel

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06-08-20 06:52:00,

In den letzten Tagen gab es immer wieder Meldungen in deutschen Medien, in Russland sei der Impfstoff gegen Corona fertig und diese Meldungen haben zu vielen Anfragen bei mir in sozialen Netzwerken und per Mail geführt. Also will ich die häufigsten Fragen beantworten.

Tatsächlich ist es so, dass der erste russische Corona-Impfstoff fast einsatzbereit ist. Die klinischen Tests sind fast abgeschlossen und sie sind ohne Probleme verlaufen. Nun stehen Tests mit einer größeren Gruppe Freiwilliger an. In Russland bietet eine sehr gute und reichlich mit leicht verständlichen Informationen gefüllte Internetseite einen sehr guten Überblick über alles, was mit Corona zu tun hat.

Ich will nun auf die am häufigsten gestellten Fragen eingehen.

Wann beginnen die Impfungen in Russland?

Die genauen Daten stehen noch nicht fest, aber das russische Verbraucherschutzamt hat gemeldet, dass wohl noch im August mit der freiwilligen Impfung von Risikogruppen wie Ärzten und Lehrern und anderen, die viel mit Menschen arbeiten, begonnen werden soll. Wenn alles nach Plan läuft, sollen zum Jahresende 10 Millionen Impfdosen pro Monat produziert werden.

Sind das schon „reguläre“ Impfungen?

Meines Wissens nach nein, das ist die erste Phase der Erprobung an einer größeren Gruppe von Freiwilligen, die vor der endgültigen Zulassung erfolgen muss. Klinische Tests mit einer kleinen Gruppe von ca. 30 Freiwilligen wurden in Russland bereits erfolgreich abgeschlossen. Erst wenn auch diese Impfung einer Gruppe von einigen hundert Freiwilligen erfolgreich verlaufen ist, werden im September oder Oktober die regulären Impfungen beginnen. Das ist das international normale Prozedere bei der Entwicklung von neuen Impfstoffen, nach dem auch alle anderer Entwickler von Impfstoffen vorgehen.

Werden die Impfungen Pflicht?

Nein. Im Sommer wurde zwar eine mögliche Impfpflicht für bestimmte Berufs- und Risikogruppen diskutiert, aber davon hört man inzwischen nichts mehr. Nach jetzigem Stand ist in Russland keine Impfpflicht geplant oder auch nur in der Diskussion.

Was kostet die Impfung?

Die Impfung wird kostenlos sein und von der Gesetzliche Krankenversicherung bezahlt.

Kommt der russische Impfstoff übereilt?

Nicht übereilter, als alle anderen Impfstoffe auch. Russland hat traditionell sehr gute Spezialisten auf diesem Gebiet. Der meines Wissens bisher einzige Impfstoff gegen Ebola kommt zum Beispiel aus Russland. Daher überrascht es nicht, dass Russland das erste Land (oder eines der ersten Länder beziehungsweise Firmen) ist,

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Wie viele Unwahrheiten in einen Focus-Artikel über Russland und Putin passen | Anti-Spiegel

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29-07-20 03:23:00,

Ein Leser hat mich auf einen Focus-Artikel über die Lage in Russland im Allgemeinen und Putins „Macht-Aura“ im Besonderen hingewiesen. Der Focus ist für mich vom Niveau her wie die Bild-Zeitung, weshalb ich auf Focus-Artikel normalerweise nicht eingehe. Hier mache ich aber eine Ausnahme, denn der Artikel ist so plump unwahr und irreführend, dass es furchtbar einfach ist, das aufzuzeigen.

Bei dem Artikel unter der Überschrift „Die Pandemie hat Putins Macht-Aura zerstört – und im Kreml steigt die Nervosität“ handelt es sich um einen Gastbeitrag von Gabor Steingart, dessen Ansichten ich zwar nicht oft teile, der aber normalerweise durch intelligente Artikel auffällt. Hier jedoch fragt man sich, ob der Mann beim Schreiben Fieber oder 4 Promille (oder beides?) hatte.

In dem Beitrag soll den Leser gezeigt werden, dass Russland nach Corona am Boden liegt und dass das Ende der Ära Putin ansteht. Aufgebaut ist der Artikel ein bisschen wie ein Faktencheck, denn er stellt eine Reihe von Tatsachenbehauptungen auf, die die genannte Kernthese unterstreichen sollen. Wie wenig diese „Tatsachenbehauptungen“ mit den Tatsachen gemein haben, werden wir uns nun anschauen.

Behauptung Nr. 1: Russlands schwache Wirtschaft

Steingart schreibt:

„Die Wirtschaftskraft des Landes hat sich ungünstig entwickelt. Seit der russischen Annexion der Krim 2014 und den Sanktionen von EU und USA ist das jährliche Wirtschaftswachstum – mit Ausnahme von 2018 – unter zwei Prozent geblieben. Im zweiten Quartal 2020 ging das BIP des Landes sogar um bis zu zehn Prozent zurück. Das Staatsziel, Russland solle bis 2030 zu den fünf größten Volkswirtschaften gehören, ist längst Geschichte. Die Allmachtsfantasien des Präsidenten sind von der ökonomischen Lage nicht gedeckt.“

Die erste unwahre Behauptung ist, dass Russland bis 2030 zu den größten Volkswirtschaften der Welt gehören will. Das kann nämlich schon 2020 oder 2021 soweit sein. Darüber habe ich bereits vor eineinhalb Jahren einen ausführlichen Artikel geschrieben, denn was die meisten gar nicht wissen ist, dass Russland unmittelbar nach Deutschland schon auf Platz 6 der größten Volkswirtschaften steht. Der deutsche Vorsprung ist marginal und beträgt nur ca. 2 Prozent.

Das jährliche Wirtschaftswachstum Russlands wird von Steingart als schwach dargestellt, weil es im Durchschnitt der letzten Jahre unter zwei Prozent geblieben ist. Das gilt auch für das deutsche Wirtschaftswachstum, aber in Deutschland werden diese zwei Prozent jedes Jahr als Erfolg gefeiert.

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Wer bin ich – und wenn ja, wie viele waren beteiligt?

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05-07-20 11:51:00,

Ein Baby kann heute eine biologische Mutter, einen genetischen Vater und rechtliche Eltern haben.
© Filip Mroz, Unsplash

Ein Baby kann heute eine biologische Mutter, einen genetischen Vater und rechtliche Eltern haben.

Monique Ryser / 05. Jul 2020 –

Genetische Väter, biologische Mütter, rechtliche Eltern – für Kinder wird’s kompliziert.

Das Buch von Richard David Precht «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» ist eine philosophische Reise. Die Frage, wer man ist, stellen sich auch alle Pubertierenden. Und die Antwort darauf, wird zunehmend schwierig. Die Fortpflanzungsmedizin sorgt dafür, dass aus dem Kinderwunsch Wirklichkeit wird, auch wenn biologische Voraussetzungen dem Steine in den Weg legen. Samenspende, Eizellenspende, Leihmütter – was möglich ist, wird gemacht. In der Schweiz ist zwar nur die Samenspende für verheiratete Paare erlaubt, doch Mütter und Väter mit dem Wunsch nach einem Kind können ins Ausland ausweichen, um ihren Wunsch Realität werden zu lassen. Im Blickpunkt sind gerade Firmen wie die BioTexCom in der Ukraine, ein Center für menschliche Reproduktion.

Leihmütter tragen dort gegen mehr oder weniger Bezahlung Babies für Eltern aus der ganzen Welt aus. Eine Umfrage der NZZ am Sonntag (abrufbar im Abo) ergab, dass in der Schweiz allein letztes Jahr 48 Kinder von Leihmüttern offiziell registriert wurden. Insgesamt zählten die Kantone in den letzten vier Jahren 144 Fälle. Fachleute schätzen die Dunkelziffer auf rund 1000 Kinder.

Geburten nach Samenspenden gab es in der Schweiz über 4000 seit dem Jahr 2001. Damals trat das Fortpflanzungsmedizingesetz in Kraft, das die Samenspende in der Schweiz legalisierte. Seitdem haben sich 895 Männer als Samenspender registriert.

Das Recht auf Kenntnis der Abstammung

Der Wunsch, ein Kind grosszuziehen, ihm ein liebevolles Umfeld zu schaffen und einen guten Start ins Leben zu erlauben ist verständlich. Doch die neuen Möglichkeiten schaffen neue Probleme. Und das genau für diejenigen, die so sehnsuchtsvoll geplant werden: für die Kinder.

Die Schweizer Verfassung und auch das Internationale Übereinkommen für die Rechte der Kinder legt nämlich das Recht auf Kenntnis der Abstammung fest. Die Bundesverfassung schreibt in Art. 119 über Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich: «Jede Person hat Zugang zu den Daten über ihre Abstammung.» Auch im Fortpflanzungsmedizingesetz ist im Kapitel über die Samenspende dieser Anspruch vermerkt.

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