Die neue Weltwirtschaftskrise, das Corona-Virus und ein kaputt gesparter Gesundheitssektor. Oder: Die Solidarität in den Zeiten von Corona. Von Winfried Wolf.

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20-03-20 04:15:00,

Die Ausweitung des Corona-Virus hat zur flächendeckenden Beseitigung von Grundrechten und Bewegungsfreiheit geführt. Vieles spricht dafür, dass dies in der gegebenen Situation angebracht, unvermeidlich, ist. Wobei es auch Mitte März noch ernst zu nehmende Stimmen – so vom Weltärztebund-Präsidenten Frank Ulrich Montgomery – gibt, die dies in Frage stellen. Unbestreitbar ist, dass die Zuspitzung der Corona-Pandemie dazu geführt hat, dass das Versagen der Behörden nicht thematisiert wird. Dass der aktive Beitrag, den die Bundesregierung und ausdrücklich auch CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach beim Kaputtsanieren der Krankenhäuser geleistet haben, kein Thema in der öffentlichen Debatte ist. Nicht zuletzt dienen die Corona-Epidemie und die panischen und widersprüchlichen Maßnahmen zu deren Eindämmung dazu, die im Hintergrund ablaufenden massiven weltwirtschaftlichen Verwerfungen – und die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise – als das von einem Virus ausgelöste Resultat zu präsentieren. Was grundfalsch ist. Von Winfried Wolf.

Vorbemerkung: Das ist ein Artikel mit vielen guten Anregungen. Danke vielmals. Wir veröffentlichen ihn, auch wenn wir nicht alle Aussagen teilen. Die NachDenkSeiten-Redaktion.

Einiges spricht dafür, dass das Elend und die Zahl der Getöteten, die mit der Wirtschaftskrise geschaffen werden, nochmals deutlich das übersteigt, was vom Corona-Virus erzeugt werden kann.

Es ist soweit. Nein – nicht die Corona-Krise ist gemeint. Zunächst zumindest nicht. Es ist vielmehr seit einem Vierteljahr – seit Ende 2019 – soweit: Wir stehen inmitten einer neuen weltweiten Krise. Die vorausgegangene hatte, so heißt es, ihren „Schwarzen Schwan“ in Gestalt der Pleite des Finanzinstituts Lehman Brothers am 15. September 2008. Die gegenwärtige hat, so heißt es, ihren „Schwarzen Schwan“ in Gestalt des neuen Corona-Virus (Covid-19), über dessen Existenz zum ersten Mal am 7. Januar 2020 informiert wurde.

Doch in beiden Fällen schwammen diese „Schwarzen Schwäne“ deutlich dem Ereignis Krise hinterher. Die letzte Weltwirtschaftskrise hatte im Sommer 2007 mit dem Platzen der Subprime-Kredite in den USA und dem Zusammenbruch der deutschen IKB-Bank am 29. Juli 2007 begonnen. Die aktuelle Krise begann 2019 in der Weltautoindustrie und in China. Die deutsche Industrie war im gesamten Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent abgeschmiert. Und auch der industrielle Sektor der Weltwirtschaft hatte sich im Dezember 2019 der Null-Linie angenähert. Damit war die Krise Anfang 2020 bereits da. Und sie war vorhergesagt und damals bereits analysiert worden.[1] Die „Schwarzen Schwäne“ dienen nur im Nachhinein der falschen Etikettierung der jeweiligen Krise als „Lehman-Krise“ und als „Corona-Krise“.

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Die neue Weltwirtschaftskrise

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24-11-19 09:18:00,

Bertolt Brecht schrieb in den „Flüchtlingsgesprächen“: „Die Männer in den Konjunkturforschungsinstituten, die doch über genaue Notierungen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Erscheinungen verfügten, zeigten ihren Kopf nur dadurch, dass sie ihn schüttelten“ (1).

Fast achtzig Jahre, nachdem dies geschrieben wurde, dürften die vielen Männer und die wenigen Frauen in den Konjunkturforschungsinstituten über nochmals mehr „genaue Notierungen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Erscheinungen“ verfügen. Dennoch bleiben sie vage oder sie liegen daneben, wenn sie über die Lage der Wirtschaft schreiben und ihre Konjunkturprognosen abgeben. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft ging in einem am 11. September 2019 veröffentlichten Gutachten noch davon aus, dass das Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 3,2 Prozent wachsen würde (2). Der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR)“ prognostizierte damals, dass die Wirtschaft im Euroraum 2019 nochmals um 1,7 Prozent wächst und dass insbesondere auch das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent zulegt.

Tatsächlich steht im November fest: Die Weltwirtschaft wächst im ablaufenden Jahr nur noch minimal. Der Welthandel liegt nahe Null – Stagnation (3). Die Chefs der internationalen Organisationen Weltbank, des Internationalem Währungsfonds und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zeichneten Anfang November ein ausgesprochen düsteres Bild von der Weltwirtschaft. O-Ton: „Wir glauben, dass die Weltwirtschaft schrittweise und synchronisiert einen Abschwung erlebt.“

Im Euroraum wird das Bruttoinlandsprodukt 2019 nahe Null liegen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal leicht rückläufig und verzeichnete im dritten Quartal in Miniplus; insgesamt ergibt dies Stagnation. Die BRD-Industrie befindet sich sogar seit fast einem Jahr im Rückgang. Der kenntnisreiche Ökonom Heiner Flassbeck äußerte jüngst: „Es ist klar zu erkennen, dass eine Rezession (bereits) eingesetzt hat. (…) Die Produktion im produzierenden Gewerbe liegt um über 5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres und die Auftragseingänge sind um 7 Prozent niedriger.“

Das „Handelsblatt“ brachte in der Ausgabe vom 1. November ein vierseitiges Spezial mit der Überschrift „Und plötzlich ist Krise“ mit einer Fülle von Fakten, die darauf hinweisen, dass wir bereits mitten in einer Wirtschaftskrise stecken – und mit einleuchtenden Argumenten, warum sich das bislang kaum auf dem Arbeitsmarkt und noch nicht an den Börsen widerspiegelt. Es sind ausgerechnet einige Linke und Gewerkschafter, die diese Realitäten nicht wahrhaben wollen und die wirtschaftliche Lage schönreden. Exemplarisch sei Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE), zitiert, der – ebenfalls im „Handelsblatt“ vom 1.

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Fed und Co.: Weltwirtschaftskrise voraus? Die Politik der Zentralbanken als auslösender Moment | www.konjunktion.info

Fed und Co.: Weltwirtschaftskrise voraus? Die Politik der Zentralbanken als auslösender Moment | www.konjunktion.info

16-08-18 08:24:00,

In letzter Zeit lesen wir vermehrt Artikel in der Hochleistungspresse über die Gefahren der ökonomischen “Ansteckung”. Hauptsächlich ausgelöst durch eine fehlende US-Dollar-Liquidität in den sogenannten Emerging Markets. Diese fehlende Liquidität wird gleichzeitig als Auslöser für die weltweite Instabilität bei Aktien, Anleihen und am Forex-Markt genannt. In den letzten Tagen wurde dabei vermehrt die Türkei als potenzieller Auslöser für einen fiskalischen Dominoeffekt, der auf zahlreiche andere Länder übergreifen kann/wird, angeführt.

Immer wieder haben wir in der Vergangenheit von dieser ominösen “Ansteckung bzw. Ansteckungsgefahr” gehört. Immer wieder wurde uns dies von unserer Hochleistungspresse als Sprachrohr der Notenbanken eingetrichtert. Noch vor wenigen Monaten war Italien, nach der Wahl einer angeblich “populistischen Regierung”, die Gefahrenquelle Nummer 1 für eine “Ansteckung im Kreditbereich innerhalb der EU”. Diese Furcht ist immer noch gegeben – aber nicht aus dem Grund, den wir gewöhnlich durch die Hochleistungspresse zu lesen bekommen.

Es gilt diese “Ansteckungsgefahr” aus einem anderen Blickwinkel zu analysieren als dem, der uns durch die Hochleistungspresse und ihrer Analysten vorgegeben wird. In deren Welt ist alles eine Folge von unvorhersehbaren Effekten und Auslösern. Alles basiert auf Zufall und hat nichts miteinander zu tun. Alles wartet quasi nur auf das unvermeidliche Chaos und wenn dieses dann eintritt, kann alles auf eine Reihe von miteinander verbundenen Sündenböcken zurückgeführt werden.

Sie werden behaupten, dass die Schuldigen für dieses Chaos, “Populisten”, Konservative, konservative Ideen oder die schlichte Erwähnung von nationaler Souveränität sind. Oder sie schieben den Schwarzen Peter noch abstrakteren Konzepten von “menschlicher Gier” und “individuellem Egoismus” in die Schuhe.

Linchpin-Theory - Bildquelle: www.konjunktion.infoLinchpin-Theory - Bildquelle: www.konjunktion.info

Linchpin-Theory – Bildquelle: http://www.konjunktion.info

Diese Begründung – besser Ausrede – für instabile Systeme und Katastrophen rührt im Übrigen von einem Propagandatrick, entwickelt von der US-Behörde DARPA, die als “Linchpin Theory (Stützentheorie, Dreh – und Angelpunkt-Theorie)” bezeichnet wird. Diese weit verbreitete Theorie besagt (vereinfacht dargestellt), dass menschliche Systeme “in natürlicher Weise” kollabieren, sobald sie “zu komplex” werden und dass der Kollaps dann beginnt, wenn eine bestimmte “Stütze (Linchpin)” im richtigen Moment an der richtigen Stelle liegend weggezogen wird. In anderen Worten: DARPA will uns Glauben machen,

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