Wettkampf mit Robotern entmutigt Menschen

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15-03-19 10:24:00,

Wenn Maschinen besser sind, mögen die Menschen sie weniger und sinkt ihr Selbstvertrauen sowie ihre Leistungsmotivation

Schon vor 60 Jahren hatte der Philosoph Günther Anders die “Antiquiertheit des Menschen” gegenüber der Perfektion seiner Produkte festgestellt und von der dadurch ausgelösten “prometheischen Scham” gesprochen. Dabei waren die Maschinen und Produkte in den 1950er Jahren nicht besonders smart, auch wenn damals für Anders die Atombombe gezeigt hatte, dass die Menschen damit das Ende ihrer Geschichte selbst bereiten können. In den 1950er Jahren schwärmte man noch zukunftsbesoffen von den Möglichkeiten der für den Bau der Atombombe entwickelten Computer und sah die “Elektronengehirne” schon kurz davor, schlauer als die Menschen zu werden. Die Dartmouth Conference (1956) etablierte das Forschungsgebiet der Künstlichen Intellgenz.

Es hat dann doch ein paar Jahrzehnte gebraucht, bis die Computer entsprechende Maschinenintelligenz erworben haben, um nicht nur in sehr eingeschränkten Gebieten wie komplexen Berechnungen oder Strategiespielen wie Schach besser und schneller als Menschen zu sein. Mit künstlichen neuronalen Netzen und maschinellem Lernen dringen nun KI-Systeme in viele Bereiche vor und können menschliche Arbeit ersetzen. Das kann nicht nur Arbeitslosigkeit führen, sondern auch die prometheische Scham gegenüber den KI-Systemen verstärkt entstehen lassen.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag angesichts der tödlichen Probleme der Boeing-Maschine zwar weniger die Scham, aber doch den Zorn oder die Verzweiflung über die den Menschen ablösenden Maschinen zum Ausdruck gebracht: “Airplanes are becoming far too complex to fly. Pilots are no longer needed, but rather computer scientists from MIT. I see it all the time in many products. Always seeking to go one unnecessary step further, when often old and simpler is far better.”

Keine Lust auf Verlieren

Die prometheische Scham war aber das Ergebnis eines als Glücksspiel simulierten Experiments, das Wissenschaftler der Cornell University und der Hebrew University of Jerusalem durchführten. Dabei ließen sie 60 Versuchspersonen gegen einen Roboter in Form des Roboterarms WidowX Mark II antreten, um zu sehen, wie Menschen auf die Leistung von diesen reagieren. Interessant ist das deswegen, weil immer mehr Menschen mit KI-Systemen wie Robotern zusammenarbeiten werden oder müssen und auch erleben werden, dass diese ihnen zumindest teilweise überlegen sind und menschliche Arbeit degradieren.

Es handelte sich um ein harmloses Spiel um Geld und eine langweilige oder nerventötende Arbeit mit kognitiven und motorischen Komponenten.

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