Wirecard: Wildcard für Organisierte Kriminalität und ein Trojanisches Pferd

wirecard:-wildcard-fur-organisierte-kriminalitat-und-ein-trojanisches-pferd

04-08-20 08:42:00,

Der Chef dieses Unternehmens Jan Marsalek wird seit ein paar Wochen als echter Bad Boy präsentiert. Das ist wahr und heuchlerisch

Der jähe Fall des Börsenlieblings Wirecard AG, der die “Deutschland-AG 2.0” verkörpert hat und nun mit Häme und Spott aus dem DAX-Olymp verjagt wird, zählt ganz nüchtern zu einem der größten Wirtschaftsskandale in der Bundesrepublik Deutschland. Innerhalb weniger Tagen sank der Börsenwert von sieben Milliarden Euro um circa 75 Prozent.

Die breit ausgetretene Spur, die den Fall aufklären soll, hat die Süddeutsche Zeitung in den Dünensand geschrieben: “Falsche Freunde, falsche Fährten”.

Was ist aber, wenn der Wirtschaftskrimi “Wirecard AG” vor allem von ganz vielen hochkarätigen “Freunden” aus der Spitze von Politik und Staat geschrieben wird, und diese nun mit falschen Fährten und ganz viel Nebelkerzen geschützt werden sollen?

Wirecard AG ist ein ziemlich großes Technologie/Finanz-Unternehmen, das auf dem ganz großen Sprung war, im Sektor “Zahlungsdienstleistungen” ganz vorne mitzuspielen. Man brachte es in den Eliteverein der DAX-30-Unternehmen und war kurz davor, die “chinesische Mauer” zu überwinden.

Dann tauchten Informationen über milliardenschwere Betrügereien auf. Dann verschwand ganz plötzlich der Chief Operating Officer Jan Marsalek. Wenig später will man ihn in Russland verortet haben. Dann sickern Nachrichten an die Öffentlichkeit, dass der gefeierte Chief Operating Officer Jan Marsalek eine ganz dunkle, zwielichtige Gestalt ist, der auch mit diversen Geheimdiensten im Bunde steht. Hinter- oder gar Untergrund dieses Agententhrillers sind milliardenschwere “Unregelmäßigkeiten”, die seit Jahren, um genau zu sein, seit mindestens fünf Jahren bekannt sind.

Daraufhin passiert das, was man mittlerweile als routiniert bezeichnet kann: Alle, die mit der Aufsicht dieses Technologie/Finanzunternehmens beauftragt sind, wussten zusammen und völlig unabgesprochen von nichts. Es kann sich folglich nur um Pannen handeln, die man nun aufklären müsse und zwar vollständig. Man kann auch gähnen … über das Spiel und dessen vorhersehbaren Ausgang. Die Medien titeln sich die Finger wund und schlagzeilen: “Falsche Freunde, falsche Fährte” (Süddeutsche Zeitung/SZ vom 29. Juli 2020) und meinen damit den gefallenen Engel und aktuellen Bösewicht Jan Marsalek, den man – wo sollte ein Bad Boy auch Unterschlupf finden – in Russland gesehen hat (also so gut wie), Arm in Arm mit Putin über den Roten Platz flanierend und feixend.

Man könnte sagen, dass alle mitspielen: Die, die von diesem Skandal seit 2015 wussten,

 » Lees verder

Wirecard, Olaf Scholz und die große Heuchelei

wirecard,-olaf-scholz-und-die-grose-heuchelei

30-07-20 04:55:00,

Bild: © Olaf Kosinsky/CC BY-SA 3.0-de

Der SPD-Rechte wird genau für das kritisiert, was ihn bisher zum besonders geeigneten Kanzlerkandidat gemacht hat: Er erfüllt der deutschen Wirtschaft ihre Wünsche möglichst schon, bevor sie sie formuliert

Nach dem von Protesten begleiteten G20-Treffen in Hamburg galt Olaf Scholz 2017 als angeschlagener Bürgermeister. Das hinderte ihn nicht, in der SPD Karriere zu machen. Dass er bis heute beharrlich die vielfach dokumentierte Polizeigewalt gegen die Gipfelgegner leugnet, war für Scholz natürlich keine Karrierebremse in einer Partei, die den selbsternannten Bluthund gegen die eigene Basis, Gustav Noske, nicht einmal posthum ausgeschlossen hat.

Als Scholz dann im SPD-internen Streit um den Parteivorsitz unterlag, wurde er Ende letzten Jahres in den Medien erneut als angeschlagen bezeichnet. Nur wenige Monate später wurde der gleiche Politiker zum natürlichen Kanzlerkandidaten der SPD hochgeschrieben, obwohl die Partei noch nicht einmal erklärt, ob sie mit ihren Umfrageergebnissen, die sich nicht wesentlich von den Ergebnissen der letzten Wahlen unterscheiden, überhaupt einen Kandidaten aufstellt.

Doch das Hochschreiben von Scholz ist auch ein Affront gegen das gegenwärtige SPD-Führungsduo. Ein Großteil der Medien hat immer wieder an dem Bild gemalt, das Esken und Borjahns angeblich zu links wären und die SPD in eine weitere Niederlage führen würden. Das mag sogar sein, ist allerdings ein strukturelles Problem der SPD. Immer wieder wurden angebliche Hoffnungsträger aufgebaut, die oft in wenigen Wochen entzaubert waren wie Martin Schulz. Bei Andrea Nahles dauerte es etwas länger.

Das gilt auch für das gegenwärtige Spitzenduo, das bei den parteiinternen Wahlen mit einer deutlichen Distanz zur Koalition mit der Union angetreten ist. Davon hat man nach deren Wahl nichts mehr gehört. Die Regierungskooperation mit den Konservativen geht so geräuschlos weiter, wie sie auch unter einem SPD-Vorsitzenden Scholz nicht anders gelaufen wäre. Damit relativiert sich erneut das Medienbild vom Linksruck in der SPD durch die Wahl von Borjahns und Esken.

Was man Letzterer zubilligen kann, ist, dass sie gelegentlich noch Erklärungen abgibt, die nicht so klingen, als wären sie schon vom Parteiapparat geglättet worden. So wollte sie sogar einen “strukturellen Rassismus” bei der Polizei nicht ausschließen, nur um nach der Empörungswelle von Polizeigewerkschaft und Konservativen ihre Aussage immer weiter zu relativieren.

 » Lees verder

Wirecard und die Verantwortung von Olaf Scholz

wirecard-und-die-verantwortung-von-olaf-scholz

26-06-20 04:13:00,

Olaf Scholz ist empört – der Finanzskandal rund um den Dax-Konzern Wirecard sei „ein Skandal, der seinesgleichen sucht“. Eilends kündigte der Finanzminister nun „Reformen“ an und forderte kritische Fragen „an das Management, aber auch die Wirtschaftsprüfer“. Kritische Fragen sollten jetzt aber auch die Finanzaufsicht und ihr oberster Dienstherr Olaf Scholz beantworten. Jahrelang haben die Behörden nicht nur weggesehen, sondern Wirecard aktiv dabei geholfen, sich gegen berechtigte Vorwürfe zur Wehr zu setzen. In einer kruden Mischung aus Patriotismus und falsch verstandener Solidarität mit dem Finanzstandort Deutschland hat man sich so zumindest indirekt sogar zum Mittäter gemacht. Wer nach Verantwortlichen für die Milliardenpleite sucht, sollte daher seinen Blick auch auf die Finanzaufsichtsbehörden und das Bundesfinanzministerium richten. Klarheit könnte hier wohl am ehesten ein Untersuchungsausschuss bringen. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

Wer das Handeln der Aufsichtsbehörden im Fall Wirecard verstehen will, muss zunächst einmal wissen, was Leerverkäufe sind und wie man dieses Finanzinstrument einordnen sollte. Wenn von Leerverkäufen die Rede ist, geht es in der Regel um sogenannte gedeckte Leerverkäufe. Und das funktioniert folgendermaßen: An der Börse kann man nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse wetten. Wer beispielsweise darauf spekuliert, dass der Kurs der Siemens-Aktie in den nächsten Tagen oder Wochen fällt, leiht sich gegen eine Gebühr von einem Siemens-Aktionär ein Aktienpaket und verkauft es sofort wieder an der Börse. Wenn der Kurs – wie prognostiziert – gesunken ist, kauft der Spekulant die Aktien zu einem dann niedrigeren Preis und gibt sie dem Verleiher zurück. Steht der Kurs heute bei 100 Euro und fällt in einer Woche auf 90 Euro, hat der Spekulant mit diesem Geschäft 10 Euro (minus Leihgebühr) Gewinn gemacht. Steigt der Kurs jedoch auf 110 Euro, macht der Spekulant spiegelbildlich 10 Euro (plus Leihgebühr) Verlust.

Solche Geschäfte sind alles andere als unüblich, werden aber in der öffentlichen und politischen Debatte zumeist sehr kritisch gesehen. Und das hat ja auch seinen Grund. In der – naiven – Theorie sind Aktien nun einmal immer noch lediglich eine besondere Form, Anteile an einem Unternehmen zu handeln und breit unter vielen kleinen Anteilseignern zu streuen. Anteilseigner haben natürlich immer ein Interesse an steigenden Kursen, so dass Spekulanten,

 » Lees verder