Woher kommt das SARS-CoV-2? Das Revival der Laborhypothese

11-06-21 10:46:00,

Lange Zeit galt die These, das SARS-CoV-2-Virus entstamme nicht eines natürlichen Ursprungs, sondern sei menschlichen Ursprungs und womöglich bei einer Panne in einem Labor freigesetzt worden, als abseitig – und dies, obwohl die US-Präsidenten Trump und Biden samt ihrer Dienste diese Erklärung offenbar ernsthaft in Betracht zogen und ziehen. Rainer Fischbach ist dieser Frage für die NachDenkSeiten nachgegangen und ist dabei auf interessante Beobachtungen gestoßen.

Zu den schlimmsten Langzeitfolgen des politischen Umgangs mit SARS-CoV-2 und seiner medialen Begleitung gehört eine aus Angst geborene psychische Deformation, die in vielfältigen Symptomen Gestalt annimmt.[1] Eine dieser Gestalten ist die einer Blockade jeglicher rationalen Auseinandersetzung mit nahezu allen Aspekten des Virus, seiner Wirkungen und ganz besonders seiner Herkunft. Vermutungen, dass die nicht unmittelbar in der Natur läge, sondern vielmehr menschliche Intervention in Form genetischer Manipulation in einem Labor mit anschließender Freisetzung — durch welche Umstände oder aus welchen Motiven auch immer — beteiligt gewesen wäre, wurden durch prominente und auch laute Stimmen aus der Scientific Community sehr schnell zurückgewiesen und in den dominierenden Medien vehement bekämpft. Wie bei vielen anderen Fragen war und ist bei solchen Vermutungen immer noch das V-Wort ganz schnell bei der Hand und noch schneller, wenn ein als disqualifiziert geltender Akteur, in diesem Fall Donald Trump, sie äußert.

Offenkundig ist, dass die Vermutung, dass das Virus einem chinesischen Labor entstamme, durch Akteure, die eine Konfrontation des Westens mit China betreiben, begierig aufgegriffen und verbreitet wird. Jedoch ist weder dem Frieden zwischen den Völkern noch der Weltgesundheit gedient, wenn jene Vermutung aus diesem Grund ununtersucht gelassen wird, zumal es starke und sich zunehmend verdichtende Indizien für sie gibt. Eine Untersuchung ist in höchstem Interesse aller Völker, auch des chinesischen, da die Indizien auf ein fragwürdiges Forschungsprogramm und eine entsprechende Forschungspraxis hindeuten, die sich keinesfalls auf China beschränken, sondern Interessenten und Finanziers auch außerhalb Chinas finden. Tatsächlich werden sie weltweit verfolgt und bergen schwer einzuschätzende Gefahren für die Weltgesundheit. Angesichts dieser Situation nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, von einem »Verschwörungsmythos« zu reden und zu behaupten, dass »unter Wissenschaftlern […] weltweit ein breiter Konsens darüber [herrscht], dass das Coronavirus weder künstlich hergestellt wurde noch aus einem Labor entwichen ist«,[2] bedeutet, sein Publikum irrezuführen. Denn tatsächlich gibt es diesen Konsens nicht.

Wenn Teilnehmer in der Debatte um COVID-19 und seine Herkunft das V-Wort in den Mund nehmen,

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Woher stammen die Waffen für den Genozid im Jemen?

18-03-20 09:03:00,

Im Jemen kämpft eine achtköpfige Koalition unter Führung Saudi-Arabiens und der Emirate gegen die aufständischen Houthi-Rebellen. Die leidtragenden dieses genozidalen Krieges sind die 28 Millionen Menschen im Land, die von Hunger, Cholera und anderen lebensfeindlichen Bedingungen geplagt werden. Der Westen, allen voran die USA und Großbritannien, unterstützen die Koalition auf jede nur erdenkliche Weise. Die direkteste Form des Supports sind gewiss Waffenlieferungen. Laut den neuesten Zahlen des SIPRI-Friedensinstituts waren es im Laufe des Jemenkriegs 33 Länder, die Waffen im Wert von weit über 36 Milliarden US-Dollar an die Koalition verkauft – 58 Prozent davon stammen aus den USA, gefolgt von Frankreich, Russland, Großbritannien und Deutschland. Von Jakob Reimann.

Der Krieg in Darfur im Westen Sudans ab 2003 stellt den ersten Genozid im 21. Jahrhundert dar. Der seit März 2015 wütende Krieg im Jemen den zweiten. Formal kämpft eine achtköpfige Koalition unter Führung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate gegen die Houthi-Rebellen, die beflügelt durch den Arabischen Frühling 2011 in ihrem Aufstand ab 2014 schließlich den Großteil der urbanen Zentren des Landes wie die Hauptstadt Sana’a eroberten, die 34-jährige Herrschaft des Diktators Saleh beendeten und dessen Nachfolger Hadi aus dem Land hinaus ins saudische Exil trieben. Doch am Boden ist dies kein Krieg gegen Soldaten oder Rebellen sondern gegen die 28 Millionen Menschen im Land und – wie ich an anderer Stelle nachwies – in erster Linie ein Krieg gegen Jemens Kinder. Es ist zermürbend, wieder und wieder all die genozidalen Kriegstaktiken der Saudi-Emirate-Koalition, die zu über 230.000 Toten führten, zu dokumentieren und zu verdammen, über all die Massaker an der Zivilbevölkerung zu berichten oder all die unfassbaren Superlative zum Hunger, zur Cholera und den anderen Epidemien zu recherchieren. (Im letzten November wurden im Jemen mit bis zu einer halben Million Infizierter in wenigen Tagen weit mehr Malariainfektionen registriert als aktuell weltweit in Monaten der Corona.)

Die Komplizenschaft des Westens

Es ist lange zum Klischee geworden, dass, wenn die USA heute ihren Support für die Saudi-Emirate-Koalition einstellten, der Krieg im Jemen morgenfrüh zu Ende wäre – ein Klischee, das so plakativ wie zutreffend ist. Die Komplizenschaft Washingtons am Genozid im Jemen – die unter Obama als Beschwichtigung eines wegen des Iran-Deals vor Wut schäumenden Hauses Saud begann – umfassend aufzulisten,

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