Hunderttausende ohne Wohnung: „Bundesregierung nicht interessiert“

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30-07-19 08:42:00,

Rund 650.000 Menschen in Deutschland lebten 2017 ohne eigene Wohnung, davon waren 375.000 anerkannte Geflüchtete. Diese erschreckenden Zahlen stellte die „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ (BAGW) am Dienstag in Berlin vor. Sputnik war vor Ort. „Hauptproblem ist fehlender bezahlbarer Wohnraum“, erklärte Werena Rosenke von der BAGW.

„Sozialwohnungen sind Mangelware“, sagte Werena Rosenke, Geschäftsführerin der „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ (BAGW) im Sputnik-Interview vor Ort. Ihre Organisation stellte zuvor am Dienstagvormittag im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin neuste Zahlen zu wohnungslosen Menschen in Deutschland vor. Diese seien nach wie vor ein großes bundesdeutsches Problem. Hauptgründe für die steigende Zahl der Wohnungslosen sind laut ihr „das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut in Deutschland“.

Wohnungslose in Berlin (Archiv)

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AFP 2019 / Tobias SCHWARZ

Ihre Kritik richtet sich dabei auch an die Große Koalition aus CDU und SPD in Berlin. „Wir gehen davon aus, dass wir pro Jahr mindestens 80.000 Sozialwohnungen brauchen, vielleicht noch mehr“, so die BAGW-Geschäftsführerin. „Darüber hinaus benötigen wir noch weiteren bezahlbaren Wohnraum. Aber im letzten Jahr sind insgesamt nur 27.000 Sozialwohnungen fertiggestellt worden. Die Gesamtzahl der fertiggestellten Wohnungen hat das Ziel, das sich die Bundesregierung selbst gesetzt hat, nicht erreicht.“

Es werde „gebaut, aber nicht so viel, wie man bauen müsste“, beklagte sie.

Bundesregierung politisch nicht interessiert an Wohnungslosen?

Seit 20 Jahren kritisiert die Bundesarbeitsgemeinschaft, dass die Bundesregierung keine einheitlichen Statistiken und Zahlen zu Wohnungslosen in der Bundesrepublik erfasst. Dazu kommentierte die BAGW-Sprecherin:

„Im Augenblick passiert etwas“, sagte sie. „Wir haben erstmalig die Situation, dass es einen Gesetzesentwurf für eine Wohnungslosen-Statistik gibt. Dass das in den letzten 20 Jahren nicht passiert ist, führen wir schon darauf zurück, dass die jeweiligen Bundesregierungen politisch nicht daran interessiert waren, Zahlen dazu zu erheben.“

Über 650.000 Menschen ohne Wohnung

Nach Schätzung der BAGW waren im Jahr 2017 etwa 650.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung oder von Wohnungslosigkeit betroffen. Damit „weicht diese Zahl mit einem Minus von 210.000 um 24,5 Prozent von unserer letzten Schätzung nach unten ab“, heißt es in der aktuellen BAGW-Pressemitteilung, die der Redaktion vorliegt. 

Obdachlose in Berlin (Archivbild)

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AP Photo / Markus Schreiber

„Dies entspricht jedoch nicht einem tatsächlichen Rückgang der Wohnungslosenzahlen in Deutschland,

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Flüchtlingshelfer (74) muß Wohnung für Flüchtlinge räumen

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14-02-19 10:07:00,

Rathaus und Kirche in Neckartailfingen Foto: wikimedia.org/Karlo/gemeinfrei

Seit 24 Jahren wohnt Klaus Roth in einer Wohnung in Sichtweite zur Martinskirche in Neckartaiflingen. Sein Vermieter ist die Gemeinde. In dem 3.800 Seelen zählenden Dorf in der Region Stuttgart hat der mittlerweile 74 Jahre alte Rentner drei Kinder groß gezogen. Heute bewohnt Roth die 150 Quadratmeter große Mietswohnung gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin. Doch die Frage ist: Wie lange noch?

Denn die Gemeinde hat ein Problem: Der Landkreis Esslingen hat ihr sechs weitere Flüchtlinge zugewiesen. Derzeit leben in dem Ort 40 Asylbewerber, verteilt auf drei Standorte, wie Bürgermeister Gerhard Gertitschke (parteilos) der Nürtinger Zeitung sagte.

Der Gemeinderat habe nun beschlossen, die Einwanderer in Roths Wohnung unterzubringen. Dafür sollen Roth und seine Partnerin in eine halb so große Wohnung umziehen – zum selben Mietzins. Der 74jährige hat dafür kein Verständnis: „Ich habe in die Wohnung viel Geld und Arbeit reingesteckt. Ich habe sie in Eigenleistung von Grund auf renoviert“, schilderte er dem Blatt gegenüber. Zudem traue er sich einen Umzug nach zwei Bandscheibenoperationen auch nicht mehr zu.

Roth betreut Senioren und war im Arbeitskreis Asyl aktiv

Bürgermeister Gertitschke sieht dagegen keinen anderen Weg. „Wir sind unter Druck und müssen weitere Flüchtlinge aufnehmen. Es gibt keine Möglichkeit mehr zu sagen, daß wir sie nicht unterbringen.“ In einer größeren Wohnung könne man auch eine größere Zahl an Flüchtlingen unterbringen. Für den Umzug habe man dem 74jährigen Hilfe durch Mitarbeiter des Bauhofs angeboten.

Die Entscheidung des Gemeinderates trifft mit Klaus Roth keinen Unbekannten in dem Dorf. Er ist als Fahrer für den Krankenpflegeverein tätig und betreut Senioren, berichtet die Zeitung. Als 2015 innerhalb weniger Monate Hunderttausende Asylsuchende nach Deutschland strömten, sei Roth im Arbeitskreis Asyl aktiv gewesen. Auch für den Gemeinderat habe er schon kandidiert.

Ein Sprecher des Landratsamtes wollte die Entscheidung des Gemeinderates auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT nicht näher kommentieren. Auch könne von Seiten des Landratsamtes nicht beurteilt werden, ob der Fall des Rentners einen Härtefall darstelle.

„Kommunale Solidarität“ gebiete entsprechende Verteilung

Allerdings sei „die gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen in die Anschlußunterbringung“ eine rechtliche Vorgabe.

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